Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 37 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Der lö>icke Boi stand unseres s'cköneu Vereines gibt uns ein starkes Bollwerk irr die Hand, unsere traurige Zttkinut iu cii.e znvet sichtlich mit»blute und günstige ge st alten zu feinte». Wahrlick, die Cantoren Wiens und einiger nur an den Fingern abzuzählender Proviuzgemeinden, die sich mit patria:ckalisckcr Glaubeustrene und Uneigennützigkeit nnserihalber teick' wabrbafr große Verdienste erwetbeu und uns zu unserem eigeiiti! Wedle gleichsam zwingen müssen, bedürfen keines Pensienssendcs. Ihr unermüdlicher Eifer, ihre, leider zu oft ans die Probe gestellte Ausdauer, ihr '?lusharren aus dem, nur s-.lter: auf Lorbeereu gebetteten Posten gilt ausschließlich ttus Provinz-Cantoren : 2L2" damit es einzig und-allein dir, Previnz-Canker, wobl ergebe! Darum ד1זק ר^מץ gehet tvohlgemutd ans Werk, sammelt fleißig, oft, bei Trauungs- und Beschttetdungsanlasseu. schreibet Euren College» davon, spornet sie zum Beitritt und zu Samm׳ luugeu an und — der Sieg ist unser. De: בורא ע1?*ם wird unser Unternehmen segnen. M.R e i s er, Cantor u. öffenll. Neligionklehrer. N euer n, den 28. Oetober 188Ö. Wir erwarten, dass auch die übrigen Herren College» nun eifrig an's Werk geben werden, und hoffen an dieser Stelle baldigst die erfreulichen Resultate ihrer Bestrebungen veröffentlichen zu lönnen. Diejenigen Herren College» und Vereinsmikglieder, die etwa noch nicht im Besitze der Sammelbögen sein sollten, wollen dieselben gefälligst beim Vereinsoorstande reclamiren. Aer Woritand des österr.-ung. Cantoien-Vereines. Kleine LlMiiik. - Wien,'(Orig. Corr.) Wie wir schon in der letzten Nummer der Caiitoren-Zeitluig berichtet, feieiten Baron Mort; Königswarter und dessen Gemalin Charlotte, geborene v. Wertheimslein am 28. Oetober-ihre silberne Hochzeit. Schon im Laufe der vorigen Woche waren zahlreiche Gratulationen eiugUangt da nach jühischer Zeitrechnung der Jubeltag ror dem 28. Oetober war. An diesem Tage aber wurde das Fest ossieiell gefeiert, und zahlreiche Deputationen Mullerherz. das ihr allein in ihrem Schmerze Hane Trost gewähren können, lag längst im Grabe. O, was litt und duldete Lea, wenn die ,Schadchonim* zahllos wie Sand am Meere kamen und ihr ,feine Partien' antrugen, z..B. den langen, lahmen Schnmle, den dicken Jtzig, der bereits zwei Dezennien mit der .Familie' in der Tasche herumzing, oder den schielenden, rothhaarigen Koppel, dessen Vater so reich war, dass er in der ganzen Kille nur ,Neb Koppel Ötscher' genannt wurde. Doch alle, alle schlug sic aus, und am Ende ging es mit dem Vermögen Neb Bezalels bergab, er musste doch in den sauren Apfel beißen, und den inzwischen wohlhabend gewordenen Naftali ,einsetzen', das heißt mit anderen Worten, zu seinem Schwiegersöhne machen. Diese Erinnerungen dämmerten heule in ihrer Seele ans und zogen überwältigend vor ihrem Geiste vorüber. Doch ihr Gälte weckte sie ans ihrem Nachdenken: ,Lealeben,' "sagte er, ,was grübelst du nach, woran denkst du, du siehst ja, wir haben uns dennoch bekommen, wenn es Gottes Wille ist; was können sterbliche, hinfällige, Menschen thnn.' ,Doch Lealeben, lassen wir das, heute ist Jomtof,* ,Ja, du hast recht,' rief die treue Gattin, ,heute ist Feiertag und weiß der liebe Gott, kein Fest im Jahre ist mir so lieb, wie das 8r16eot-Fest. Wohl ist auch das ks38a6ir-Fest erschienen, um die herzlichsten Glückwünsche dem edlen Jubelpaare darzu'riiugen. Die Wiener Cultusgemeinde war durch den PräieS, Ritter v. Ecrkenau, das Vorstandsmitglied Gemeinderath Stiaßny und den Seeniär Tr. Lieben vertretett. Von dem Curatorium der Waiseuanstalt, dessen Piäsidentin die Frau Baronin Königswarter ist, nemit a:d'u1:tu Fiau Adele v. Weitheimer, Frau Regierungsrath Tr. Ko uiprit. Frau Regina Friedländer, Ari. Minna v. Gomperz und Herr Joses Ritter v. Wertheimer. Das Curatorium deS Blindeuinstitutes war vertreten duieh den kaiserl. Rath Dr. Wölfler, Dr. Philipp Mauthiier und den Jnstitutsdirector Heller. Ein blinder Knabe verlas die vom Bl ndeninstitute gewidmete Adresse. — Auch der öfterr.-nngar. Cantoren-Perein hatte eine Deputation, bestehend aus dem Präses Obercautor Singer, Präses-Stellvertreter Obereantor Bauer und Cassier Cantor Fischer, entsend t. Der Führer der Depu-7 tation, Obercautor Singer hielt an das Jubelpaar folgende Anspräche: ,Hochverehrte Frau Baronin, Hochverehrter Herr Baron! Der Vorstand des österr.-ungar. Cantoren-Vereines erlaubt sich, amheutigen Tage dem hochverehrten Jubelpaare die herzinnigsten Glück׳ wünsche darzubringen. Wir fühlen uns nicht bernfen, in dieser Stunde all der schönen Werke zu gedenken, die das geistige Gepräge dieses edlen Hauses tragen, uns schwebt jetzt nur jener ernste Moment vor da wir schüchtern ur.d zaghaft an die Gründung einer Unterstützungscasse für Witwen und Waisen jüdischer Cantoren schritten, und Ihre stets offene Hand auch uns in solch mnnificenter Weise bedachte, dass dieselbe ein leuchtendes Beispiel für Andere und für uns zum Segen wurde. Die Cantoren, deren heilige Aufgabe es ist, Morgens und Abends den Segen Gottes vom Himmel zn erflehen, vereinige» sich mit uns in dieser weihevollen Stunde im inbrünstigen Gebete zn- Gott, dass der Helle Silberstrahl, der heute den Festesglanz dieses Hauses bildet, noch lange seine beseligende und beglückende Aufgabe erfüllen möge, bis er einstens verklärt vom Goldesschiuuner wiedererglänze, zum Glücke für das edle Hans, zum Heile und zum Wohle so vieler, vieler Mitmenschen.' — Herr Baron Königswarter er' widerte hierauf Folgendes: ,Meine Herren! Ich danke für Ihre freundliche Kundgebung und kann es wohl behaupten, wie alle meine Bestrebungen stets einem sichern Zi lbewnsstsein entspringen, so leiteten mich auch damals, als Sie das von Ihnen bezeichnete Ausuchen an mich richteteten, dieselben Anschauungen und ich freue mich,. schön, ja doppelt schön, weil es den Frühling eiuleitet und die rauhe Mach! des Winters gebrochen ist; schön ist es, wenn Hans׳ und Herd gescheuert wird, um den lieblichen FrühlingSgast zu empfangen; auch das Wochenfest mit seiner erbebenden Ecinnernng an die Offenbarung am Sinai ist ein begeisterndes; aber das 8uovvt-Fest, fast unmiltelbar nach den ,snrchlbaren Tagen' mitten im Herbste mit seinem reichen Segen, und wir trotz dieses gottgesegneten NeichthumS in diese Hütte einzichen — ach, da ist es!0 schön — so schön'-und ihr Blick flel aus ein ihr gegenüber hängendes Bild, das die schönen, regelmäßigen Züge eines JnnglingSantlitzes zeigte. ,Lea,' rief Naftali, als er die plötzliche Leichenblässe gewahrte, die dcrs.Antlitz seiner Gattin bedeckte, sie mit seinen Armen krampfhaft umfassend, ,Lea! Du hast sein Bild herübergenommen in die Succha!' ,O,' erwiderte Lea, ,wie könnte ich einen Augenblick meines Lebens ohne i h n sein, und ist auch der Stolz meines Daseins und die Wonne meines Herzens für immer für mich verloren, ich kann seiner nie vergesfen — und wenn sie mir die Augen zudrücken und mich in das kühle Grab legen werden — auch dann nicht' — und sie lehnte sich in ihrem Sitze zurück, Thränen entstürzten ihren Augen. (Fons. folgt.)