Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 37 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/1304829-3452999-3453036--1530-3455681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Tiberius fdjoa eine tuiuafeuubare Abneigung gegen Daefelbc. Wohl hat tc! selbe an den VerhäUnißen der'Inden nichrs geändert, jedoch auch uicbts zur Erleichterung ibrer Lasten anaeordnet. Der Versuch des jüdis.tren Procuralors Pila.'us, die Bildniße des Kaisert im Tempel anfzu stellen, scheint nicht ohne leine Zustimmung unternommen worden zu sein, ein Verlud׳, der in Folge der Festigkeit der Juden mißlang. (Philo leg. ad Cajum 5b9 f. Mang.; Joseph. Ant. XVIII, 3, 1). Doch als ciue von Bielen bezeugte Thatiache springt sein Verhalten gegen die Inden in Nom in die Augen. Da ihr Eifer für ih:e Religion im Gegensätze stand zu der Gleichgiltigkeit der Römer gegen ihre ererbten Culte, so zogen sie mit und obne ibr Znthun viele auch vornehme Römer und Römerinnen an sich. Die Zunahme der Proselyteu wurde bald eine sehr große. Fulvia, die Gemalin des Senators Saturnius. war gleichfalls zur jüdischen Religion übergetreren und batte Spenden für das Heilizthnm einigen jüdischen Männern anvertraut, die sie vernntreuten. Auf die Beschwerde des Saturninns erließ Tiberius mit willfähriger Zustimmung des Senates ein Gesetz, dass alle Juten und Proselyteu entweder ihrem Aberglauben zu entsagen oder Nom zu verlassen Härten, widrigenfalls sie ihre Freiheit einbüßreu. Biertauieud Juden wurden wirklich nach Sardinien verbannt (Joseph, ibid. 5; Philo ibid., in Flaeeum 517 Mang. Suetonius, Tiberius 36. Taeitus Annal. II, 85). Di: Aerbannten, der Sonnenglnth und dem Fieber ansgeictzk, sollten unter Ueberlretuug ihrer Rsligionsgcsetze gegen die Räuber kämpfen und wurden, als sie sich weigerten, misbandelt und geiödtc!. Die Härte dieser Maßregel ist offenbar von der Furcht vor der Macht ihres Glaubens cingegeben gewesen. Hinlänglich bekannt ist die Einflussnahme des Pilatus auf das Todesurlbeil Jesu, und wie derselbe den Leidenschaften einer aufgeregten Menge freien Spielraum ließ, trotz der Abmahnungen seiner Gattin, die sich für Jeium eingesetzt baue (Evang. Mattli• XXVII, 19). Sein Vorgehen gegen die Juden, als er, NM eine Wasserleitung vom Küstenfluße Bclus her zn erbauen, den Tempelsebatz raubte, zog ihm sogar die Verantwortung vor Tiberius zu (Pliuius hist, nat XXXVI, 65, Vgl. Lue. 13; Joseph, ibid. 3, 2; 4, 2). Nach dem Sturze des Seianns ist nach Philo ^ibidem) Tiberius milder gegen die Juden geworden, indem er die Beschuldigungen gegen sie als grundlos erkannte; auch hat er leinen Statthaltern Milde empsdblen. Nach Jndaea schickte er, wie Jofephils (ibid. 4. 3) melde', den einzigen humanen Landpfleger, der dieser Provinz je vorgestanden, den Vitellins, der den Priest: rornak sreigab. (Fortsetzung folgt.) Vkreinsuachrichteu. Auf Anregung deS VereinSmitgliedes, Herrn Obereantor I. f ranßky, hat die Nepräientanz der Cnltnsgemcinde in Graz bcfd c feil, den» öfterr.-ungar. Cantoren-Vereine eine jährliche Su vention v o n zehn G u l d e n ö. W. znzuwenden. Wir iratten biemit der wohllöblichen Repräsentanz der Grazer Cultnsgemeinde im Namen des Vereines unseren herzlichsten Dar.k ab. Aer Worstand des östcrr.-nng. Cantoren-Vereines. Als erfreulich«n Beweis, dass die geehrten Herren Vereins- Mitglieder bestrebt sind, der Aufforderung des Vereinßvorstandes nachznkommen. und dass es auch den Cantoren in kleineren Gemeinden. bei ernstem Streben möglich ist, für den Cantoren- Verein zu wirken, ibeilen wir nachiolgende Zuschrift des College» M. Reiser in Neuern mit: Gehrte Am l s b r ü d e r!, Im Besitze des Sammelbogens. machte ich bereits gestern die Runde tu meiner Gemeinde. 911 ein guter Wille half überall. Da bieß es ^וישתחו לעם האר und dort wusste ich ein ארבע כעז היני ובינך מה היא richtig einzuflechten. In kaum einer Stunde halte ich 10 fl-., darunter 5 fl. Jahresbeiträge. Nächste Woche Sonntag hoffe wenigstens noch 10 fl. zusammenzubriilgen. Denket nur, wenn solches in einer Gemeinde von 20 נוהנים מ״ geleistet wird, was können erst dann diejenigen thun, die in größeren Genreinden wirken. Falls nun die Mevrzahl der letzteren mit Jahresbeiträgen von 5—10 fl. nnserem Vereine beitritt, welche Kräitigttng würde daraus unserem Pensionssonde erwachsen! Typen aus dem jüdischen Ghrttolebe». 1 Von Simon Aiamanl, Oberlehrer, Austerlitz. (Alle Rechte Vorbehalten.) hl Doch, warum herrsch! e in dieser Hütte keine rechte, echte Gotteöfrcude? Ringsumher ans den benachbarten Hütten tonte der Freudenklang des Kidusch, fröhliche Kinder stimmen, gemengt mit Hellem, lautem Lachen, klangen von allen Seiten herüber, doch in den Herzen der beiden Alten fanden diese Ausbrüche harmloser, fröhlicher Freude kein Echo. Lange saßen sie so schweigend neben einander. Endlich brach der Gatte das Schweigen. .Weißt du, theure Lea,' sprach er, .weißt du, welchen Lag wir nach dem Ausgange dieses Festes begehen', und forschend blickte er in das gramdnrchfurchte, noch immer Spuren einstiger Schönheit zeigende Antlitz. ,Ob ich es weiß, geliebter Nastali', erwiderte ^fie mit eigenthümlichern Lächeln, ,wie könnre ich unfern Hochzeitstag vergessen! Jst's mir doch, als ob wir diesen Ehrentag erst vor wenigen Jahren gefeiert hätten,' und bei diesen Worten schmiegte sie sich an den greisen Gatten, und ihr dunkles Auge blickte zärtlich zu ihm empor, als wollte es aÜ' das widerstrahlen, was tief in ihrem Herzen schlummerte. Ach, wie herrlich, wie mächtig musste der Blick dieses Auges in der Jugend, der Blüthezeit des Lebens, gewesen fetukI »Närrchen,' flüsterte Neb Nastali. ,du scheinst vergessen zu haben, dass cs der sünfunddreißigste sein wird.' - Die Alte nickte zustimmend, sie wusste es wohl. Vor ihrem Geiste zogen alle die Kämpfe, Beschwerden und Hinderniße, die sich in jener Zeit einer zu schließenden Jndenehe entgegenstellten, vorüber. Da stand Nastali, der schmucke Jüngling, vor ihrem strengen Vater, um die Hand der Tochter werbend. Aber Nastali war arm. Wohl war er fleißig und strebsam und leitete sein kleines Schnittwaareugeschäsr in der Gasse mit Eifer und Geschick; doch wie durste er seine Augen zu der schönen Lea, der einzigen Tochter des.reichen Bezalei erheben; überdies hatte er noch nicht die Familienstelle erhalten, jene Prärogative, die den jüdischen Jüngling damaliger Zeiten, gleichsam vor den Andern, die dieselbe nicht erhalten konnten, oder gar nicht die Berechtigung hiezu hatten, adelte, und, wo kein Trauhimmel j früher errichtet werden konnte, wenn sich nicht vorerst ein Grab geschlossen hatte. O, und was sie dann Beide §» erdulden batten, wie namentlich Lea's strenger, hartherziger Vater tobte und schwur: Eher müsse seine Tochter ,graue Zöpfe' tragen, als dass der vielverachtete Nastali sie als Gattin heimführe! Und das treue