Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 37 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Pathe gestanden, Alle, die bis bcnte ihr warmes Jnlcresse für unsere Institution durch Wort und That manisestirteu, Alle find Theilhaber an dem Ganzen, Keiner nehme für sich ein größeres Mast in Anspruch, tie Zukunft gehört uns, uns Allen. Fast getraut m ni sich's gar nicht zu glauben, und dennoch ist es eine Tharfache, dass unser Verein und mit ihm-die Canloren-Zeirnng bereits zu den Heist Umworbenen geboren. Stetig aber doch' kommen sie jetzt ans dem Schmollwinkel hervor, sie, die so lange gezögert 'und suchen nun Anknüpsungspunkle mit dem Vereine, mir der Zeitung und gewiss, wir wollen ihnen goldene Brücken bauen. Dis Mach! der Thatsache ist eben zu grost, als dass diejenigen sich nicht unter ihr beugen müfscen, diejenigcn, die bisher kühl und beobachtend, wenn auch nicht feindlich w doch auch nicht als treue Kampfgenossen gegenüberstanden. Und wahrlich kein Kampf ein Kämpfen war und ist es heute noch um jeden Schritt nach vorwärts, um ein Terrain, das erst urbar gemach! werden mustte, sollte cs in späteren Tagen Früchte tragen. Ehrlich reichen wir darum Allen, die nunmehr zu uns gehören wollen, die Bruderhand, nickt lange mehr, aber noch ist es Zeit, unserem Vereine beizulrelen, komm! nehmt Tbeil an unseren ..Bestrebungen, an unseren Arbeiten, an unsercu Erfolgen. Neidlos wollen wir mit Allen!heilen. Grostc und schwer zu lösende Ausgaben bilden!Heils bereits den Gegenstand eingehender Verhand. lungen,!Heils werden neue Fragen mit der Zeit an uns heranlreten, zu deren Lösung Männer der Arbeit, ganze Männer nöthig sind. Gilt cs doch, unser allereigenstes Interesse zu wahren, ein theneres Gut, das wir bereits besitzen, zu bergen, in Sicherheit zu bringen. Unterstütz t wenigstens Euere Mandatare, indem Ihr öffentlich dokumentiret, dass Ihr ihre Intentionen billigt, ihre Bestrebungen und Leistungen anerkennt und würdiget, dann erst weidet Zbr auch würdig^sein, dass man für Euch die Waffe führ!. Aber Alle müssen'cs sein, Keiner von Euch darf da fehlen ans dem Plane. Und die für Euch bisher eingetreten, sie werden sich in dem Bewusstsein, aus Euch zählen zu dürfen, zu neuer, rastloser Lhätigkeir ermuntert fühlen und für Euch, für Euer Bestes einstehen, wie bisher. Zu jedcr guten Sache gebört ein gewisser Mutb, für dies selbe einznlrelen. Und diesen Mnlh haben wie bisher bewiesen, wie schwer es uns auch oft angekommen sein mag. Aber Ihr draußen seid uns den Beweis Eueres Wollens bis heute schuldig geblieben. Ihr könnet ihn nur erbringen, wenn Jbr das Versäumte, das zu Euerem eigenen Nacktheil Versäumte einbringet, indcrn Zbr Eueren Beitritt zum Vereine so schnell als möglich erkläret. Es ist dies ein Mahnwort, das au Euch ergehet, ein Mahnwort, das vom Herzen kommt. Nehmt es zu H:rzen! Adolf N o t t e r. (Schluss folgt.) Nächst e n l i e ti e. (Wie sie das Judentbnm lehrt, und wie sic eine gewisse Partei Andersgläubiger auffasst.) Es gibt im Leben nichts weiter, was wahrhaft beglückte, als Liebe, Mitleid und Mitfrcude. Die Liebe allein ist der Engel, welchen Gott dem Menschen belassen hat, als er das Paradies ihm verschlossen; sie allein macht das Leben des Leberts werrb. Obne sie sind wir alle bettelarm, verächtlich und elend. Sie allein macht die Tage der Freude schön und Hilst die der Schmerzen ertragen. Von ihr zehren wir im Glück und Unglück, im Leben und im Tode. Sie ist die Trägerin aller Gesittung und Tugend, macht fromm, gläubig, schonend, milde und zuversichtlich. Sie gibt dem Kinde den Bürgerbrief für die Erde mit und dem Greise den Ädelsbri׳s für den Himmel; ohne sie aber sind wir alle stimmt und sonders Fremdlinge hier und dort. Die wahre Liebe aber muss eine t h ä t i g e lein, wenn sie sich bandelnd nicht bekundet, bat sie ihr Dasein gelogen. Sie legt das Kind an der Mutter Brust, gib! ihm den väterlichen Schutz, gründet die Familie, gibt dem Vaterlande seine Kinder, der Menschheit ihre Glieder, der Zeit ihre Genossen und der Enigkeit ihre Engel. Das Almosen, das Dem BeNler gereicht wird, ist noch bei weitern nicht die volle Nächstenliebe, wie siedas Zudenthum lehrt, ist kaum ein Funke ans ihrem großen Fl.> oenfeuer. ,Almosen gibt man vom äußern Gut, die Liebe ab-., gibt von ihrem Sinn und Wesen selbst; Almosen braucht der Arme, Liebe aber der Reiche wie der Bettler; Almosen be- Dürfen die Lebendigen nur, Liebe aber braucht das Leben wie der Tod. Almosen ist eine Aussaat nur, deren Wachslhum nicht verbürgt ist; Liebe aber Aussaat und Ernte zugleich, und Almo!en . al endlich nur nach der Liebe Werth, die in ihm wallet.' (Sukka,- 49.) Und diese Lehre des Iudenlhnms über Nächstenliebe wird nicht nur als gewövnliche!Religioiiüsatznug betrachte!, sondern als »׳“כלל גדול בתורה , ober sl e r Gr n n d j a tz altes s l t t t l ch e n V e r Hallen s, dein andere religiöse Satzungen untergeordnet sind. Hören wir darüber, zwei der größten Schriftgelehrten des AUertbnms. Rabbi Akiba lehn: »Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst', das ist der Hanplgrundsatz der Thora. Ben Asai aber meiiu: ,,Es gäbe noch eine schönere, enthalten ln dem Bibelworte: ״ 'זה ספר• תולדות ארם״das ist das B u ch d e r E n l st e b n n g des Ni e ir s ch e n" (1. N. 5. 1.), ans diesen! Grundsätze entwickelt sich die wahre, unverfälschte, rurzweidcutige Nächstenliebe, und gilt daher auch als ,בלל גדול“ als oberster und wichli,!ler Grund!atz der mosaischen Religions- und Smenlehre (L. Ialknl zur Stelle). Hier wird der Mensch bezeichnet als ein Glied der Gattung, die den unverwischlichen Sleiupet der G o l l e s k i n d j ch a f l an sich trägt. Wer ihr angehött, ist Besitzer des unveräußerlichen Rechtes ans Achtung und Lieve. Wie seine Verhältnis;!: sich auch gestalten, welche.u Stande und Range der Zufall der Geburt ihn einverleibt; zu welchen Ansichten er sich bekennt über Dinge, die man glauben, aber nicht wissen kann; in welcher Weise er seinem Herzen ein gottesdienstliches Genüge rhn!: das kann ihn in seinem Menschenrechte eben so. wenig verkürzen, wie die Farbe seiner Haut und die Form seiner Glieder. Wer Menschen ihres Glaubens halber bceiuträchrigt, ist ein Widersacher der Religion, aber ihr heiliger Diener nicht. Die Lehre des Indenthtlms schließt keinen Menschen, keine Seele auf der weiten Erde von der Liebe ans. Das Zudenthum betrachtet Jeden für gleich und Seinesgleichen, erkennt Jedem das Recht des Daseins zu und ist bestrebt, dasselbe ibm nach Kräften zu erleichtern. Wie fasst aber eine gewisse Partei Andersgläubigen das Gebot der Nächstenliebe auf? Das werden wir gleich hören. Wobl predigten die Neligionslehrer aller Zeiten ihre Lehren unter dem Titel der Liebe, allein diese wurden nicht als בלל גדול בתודה״"» als oberstes und wichtigstes Gebot der Religion bingestellt, sondern als gewöhnlicher Glaubenssatz betrachtet. Und so kam es, dass die׳ Menschenliebe bald anderen Glaubenssätzen, die man für wichtiger hielt, deren Befolgung aber Hass und Vernichtung nach sich sübrten, weichen musste. Es. kam, dass man Scheiterhaufen errichtete, um die Herzen für die Lehre der Liebe zu erwärmen.