Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 37 (1.11.1885)
- Date
- 1885-11-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/1304829-3452999-3453036--1527-3455678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Oesterreichisch-ungarische ר I Pränumerations-Preis Kür Aereinsmitgkieder: Ganzjährig ... st. Halbjährig ... st. S.SO Vierteljährig . . st. 1-25 Monatlich ... fl. —•45 Kür Mchltnitgkieder: Ganzjährig . . . st. 6.— Halbjährig ... st. S-— Viertellährig . . fl. 1.50 Dtonatlich . . - fl- —■50 Kür das Ausland: Ganzjährig . . . st. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. »- Zcitun ■■■•׳־־ ':1 O 1• «: a 11 die Gesummt-Intel essen indischer Gnntoren. Srscheint jederr achten Hag. Begründer: Odercaulor Icrkob jßeilneiiati ן i״c J '■?ifcmtmftrrttioJi IU i e n. II., Novaragosse 27. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 37 Wien, 1. November 1885. 5. Jahrgang. Cmttorentag 1. Ueber kurz oder lang werden die Cantoren Oesterreick-Ungarus hier gnfanmieiitreten, um das Gebäude, das vor drei Jabreu gegründet wurde, eiuzuweiheu, und über die Verwendung der einzelnen Theile desselben zu beschließen. Und da ilt es gewiss schon jetzt an der Zeit, Ziel und Zweck unserer diesfälligeu Bestrebungen zrr besprechen icnd diese Zeilen sollen hierzu die Anregung geben. Fänger! wir darum von vorne au. Trübe, finstere Nacht herrschte in unserer Welt. Jeder Einzelne war aus sich selbst angewiesen, keine Berbindung, kein Zusamweuhalt, Einer wusste nichts vom Andern, wollte auch von ihm nichts wissen, Jeder seufzte nur für sich und die Wenigen, die nicht seufzen mu ten, denen fiel es auch gar nicht ein, welch' schweres Vergehen sie sich zu schulden kommen ließen, indem sie an die ,Kleinen* tief unten gänzlich vergaßen. Oder haben sie ihrer gar nie gedacht? Tempi passati, wir wollen darum an diese Thatsache auch nicht weiter denken, denn es kam dennoch der Tag des Auferstehens. Viag fein, dass meine Auffassung stets etwas sentimental angehaucht ist, aber ich;chäme michl nicht einzugestehen. dass der erste österr.-ungar- Cantorentaz auf mich einen geradezu überwältigenden Eindruck machte. Vom idealen Streber mit hochgclragenem lockigem Haupte bis zum ergrauten Dulder kamen sie von nah und fern, eine Jeder seine Geschichte im Gesichte, Alle aber einig in dem Bewusstsein, dass von dem Erfolge ihrer Berathung ihr und ihrer Familien künftiges Wohl und Wehe abhänge. Was Wunder, wenn unter solchen Umständen Jeder das Beste wollte, Keiner aber das Richtige wusste, es war gleichsam ein greller Lichtschein, der die dichte Finsternis in unseren Verhältnißen umso schärfer hervortreten ließ. Viele kamen auch mit dem Vorurtheil im Herzen, daß aus Mangel an geeigneten Personen aus der Sache selbst nichts werden könne. Andere wieder rieben sich aus der Ferne schadenfroh die Hände und meinten, die Blamage sei fix und fertig NoE Andere, denen es ernst um die Sache war, sahen voll Herzensleid, daß eine große schöne Idee durch kleinliche Umstände im Keime zu ersticken drohe. Aber das Merkwürdigste und am wenigsten Erwartete geschah, der Cantorenvereiu wurds gegründet. Diese eine Tbatiache bat den Männer», die sich seinerzeit der Angelegenheit so warm annabmen, ein dauerndes Denkmal in unseren Herzen gesetzt. Es wird die Zeit nickt ausbleiben, und sie ist nicht fern, wo das Werk selbst, das sie an. regten und schaffen halfen, ihr Verdienst am lautesten preisen wird. Allein, so schön auch die Idee war und so rasch sie auch zur Lhat wurd, sie trug nickt nur den Fehler deS Ueberhasteten an sich, sondern ein noch größeres Uebel drohte den Lebeusfaden zu unterbinden, und das war der Mangel eines festen Zieles, der Mangel bestimmter Grundsätze eines einbeitlickeus Vorgehens, der Mangel einer sichern, strammen Leitung. Ich will damit. Gott behüte. Niemandem nahe treten, allein man kann, wie schon das Sprichwort sagt, ein sehr guter Mensch und dennoch ein schlechter Musikant sein. Es waren die Kinderkrankbeiten, die erst durchgemacht werden mussten. Zerfahrenheit war eingerissen, die Ungeduldigen wollten den Himmel stürmen, über Nacht sollte die Seele einen Leib erhalten, und beinahe wäre der armen Seele von ihren besten Freunden das Lebenslicht ausgeblasen, das Kind mit dem Bade verschüttet worden. Und wieder kam es besser; die auigeregten Wogen gingen ruhiger, es kam endlich die Erkenntnis, dass zur Schaffung eines für die Dauer bestimmten Werkes nicht nur ein eifriges, sondern in erster Linie ein zielbewusstes Streben nöthig sei. Arbeit, emsige Arbeit mußte nunmehr das Losunzswort sein. Sind wir ehrlich! Wenn wir heute, nach den ersten drei Jahren unseres Bestehens, denn in Wahrheit datirt unser, der Cantoren, Bestand seit dieser Zeit, wenn wir heute objectiv die ablaufende erste Periode unseres Vereines überblicken und unbefangen das Geschaffene beurtheilen, so können!vir mit gerechtem Stolze auf große Errungenschaften Hinweisen. Fest und lebenskräftig steht unser Verein heute da und trägt bereits die sichere Bürgschaft nicht nur seines Bestandes, sondern auch die sichere Gewähr, Bedeutendes für uns zu leisten, in sich. Ein Zeichen großer Engherzigkeit wäre es darum, heute zu untersuchen, wem ein größeres Verdienst um die Schaffung des Werkes gebühre. Alle die Großen und Kleinen, die mit.