Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 36 (24.10.1885)
- Date
- 1885-10-24
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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des lillgar.-ji'ikischcn Beamt!livcreines in Budapest itt Kürze gu registrireii, welche für die Collegen der anderen Neichshälste nicht ganzohne Interesse sein dü'sten. Am Vorabende der General-Versammlung u mden in dem hiezu desrgnirten Saale, nach gegenseitigen Vorstellungen, unter dem Vorsitze des Herrn V.reinspräses Obereantor Pr. Friedmann, die in der General-Versammlung der Rcihensolge nach za verhandelnden Gegenstände r׳islich b.sprachen und eventuell zur Annahme empfohlen. Dieser Vorconferenz folgte ein gemeinsames Nachtessen, das vom gemüihlichen Humor sämmtlicher Tbeilnehmer gewürzt, recht angenehm verlief, und jeder der Anwesenden die Gesellschaft in animirtester Stimmung verlieh. Am darauffolgenden Tage begann verabredetermaheu im Betlocale der ieiaelitischen Gem-indeschule p^äcise um 10 Uhr Vormittags bei Anwesenheit des Vereinsvorstandes und Theilnahme der versammelten Vereinsmitglieder die Sitzung. Nach den üblichen Formalien eröffnete Herr Präses Friedmann diese mir einer gehaltvollen Nede, worin er die Thätigkeit des Vereines im abgelanfenen Trienninm, und auch die in der Sitzung zu verhandelnden Gegenstände resumirte. Es wurden im Laufe der Sitzung über mehrere, nach der Reihenfolge der in den Vereinsstatuten präeisirten Ordnung, die Prosperirät des Vereines t'cirtff.nbeu Punkte, eingehend verhandelt und Beschlüsse gefasst, die in 6xt6Q80 zu veröffentlichen in den Bereich des Vereinsorganeö gehört. Hervorzuheben von allen anderen Beschlüssen erachte ich nur das, dass die General-Versammlung einstimmig den Beschluh fasste; nachdem die Hauptagendeu des Vereines in der Uiiterstütznug der dienstunfähigen Mitglieder, wie auch in der ergiebigen Uuterstützung derer Witwen und Waisen bestehen möge, dass in Hinkunft על בל צרה שלא תבא die Wttwe eines Vereinmitgliedes, ohne Rücksicht auf die in den Statuten zu diesem Zwecke bestimmten successive einlaufenden Gulden-Beiträge, von der Vereinseasse 200 fl. ö. W erhält. Etwaiges Deficit der nachträglich gesammelten Guldensumme wird von der Vereins-Casse gedeckt. Hernach wurde zur Wahl des Vorstandes geschritten und wurde in Anerkennung der Verdienste, welche sich der frühere Vorltand um den Verein erwarb, mit Acclamation wieder für den VerwaltungS-- cyclus 1885—1888 erwählt. Nach der Wahl von 24 Bezirksvorstehern in deu verschiedenen Gauen des llngarlaudes, deren Aufgabe es ist, die renitenten und dem Vereine noch ferne stehenden׳ Mitglieder des Kreises zur Zahlung und zurrr Anschlüsse anzueifern, wurden mehrere notable'Persönlichkeiten des Landes und Gemeinden, die sowohl durch Gründungsbeiträge, als sonstige persönliche Verdienste um deu Aufschwung dieses Vereines hervorgethan, zu Ehrenmitgliedern erworben. Der Ungar.-israel. Beamtenverein zählt gegenwärtig 250 Mitglieder, von denen aber viele in Renitenz stehen. In Anbetracht dessen, dass dieser V!reiu. wie auch jeder ähnliche in aller Herrn Ländern, dem jüdischen Beamtenstande schon wegen des einträchtigen Zusaminensteheus unverkennbare moralische Vortheile bietet, ist eS lebhaft zu bedauern, dass viele Collegen theils anS uonostslnnos, theils ans Mangel an dem collegialen esprit du Corps in Renitenz oder auch ganz ferne bleiben. Möge eS bald besser werden l Josef L ö w i n g e r, Cantor. K e s z t h e l y. den 16. Octobcr 1885. Kleine Chronik. Wien- (Orig״Corresp) Am 28. October l. I. feiert Herr Moriz Freiherr v. Königswarter seine silberne Hochzeit mit der Frau Charlotte Freiin v. Königswarter, geborene von Wertheimsteiu. Die hohe sociale Stellung, die Baron Königswarter eiunimmt, derselbe ist Comthur des FraupJosef-Ordens, Herrenhaus- Mitglied, Landtagsabgeordueter der Stadt Wien rc., die nnzäbligen Akte der Wohlthätigkeit, welche das edle Jubelpaar an den verschiedensten 580'"'“/" / s' ohne Unterschied der Confession durch viele Jahre ausüben, bringen es mit sich, dass dieser Tag, so sehr sich auch der bekannte, bescheidene Sinn der freiherrlichen Familie dagegen sträuben mag. nicht unbeachtet, nicht ohne zahlreiche Ovationen aus allen Gauen unseres Vaterlandes vorübergeheu wird. Auch wir. Worte ausbrarb: .Gebe Alexander, suche dir ein anderes Reich, | Macedvnien ist sür dicb zu klein!' I Mit derselben Würde und ähnlichem Vaterstelze blickte Neb Cbaim auf seinen Sprössling und rief ihm zu: .Geb' Awromele, such dir einen andern Kreis, der meinige ist für dich zu klein.? Arme Jakobssöhne, wer wollte es Euch verdenken, wenn Ihr, abgesondert von allen öffentlichen Berufsübungen und Ehrenstcllen, gezwungen wäret, den einzigen, Euch gelassenen Nahlungszweig, den des Handels, zu ergreifen, den Ihr dann als einzige Domäne uucb beherrschen musstet! — — Nachdem nun diese Geschäfte abgemacht waren, ging es an die Vorbereitungen zum Empfange der Sabbath-Braut. Ich will die freundlichen Leser mit der Schilderung einer solchen Zurüstuug verschonen, so gcmüthlich und anheimelnd sie immer gewesen war. Sie sind ja sattsam beschrieben worden, so dass es einer detaillirteu Darstellung nicht bedarf. Aber mit Verlaub und Einwilligung will ich Dich, liebenswürdige Leserin, indem ich mich der ersteren versichert halte, in eine einfache Hütte führen. Wie, fragst Du mit vollem Neckte, in eine Hütte? Gab cs denn in den Ghettos, so armselig sie auch in ihrer Bauconstrnction waren, auch Hütten? Fa, Hütten, traulicke, luftige Hütten, einfach gezimmert, ohne Zuhilfenahme architectonischer Anleitung, oben bedeckt mit grünem Laube, denn es war jenes schöne, herzerhebende Fest herangckommcn, das der Jude im Herbste, der Zeit der Trauer und des Absterbens de.׳ Natur, feiert, aber wo er auch Gott dankt sür die Einsammlnug der Feldesscncht und der Traube des Weinstockes, und er verlässt goltverlranend das feste, schützende Hans, um für acht Tage zu wohnen in einer schwachen, gebrechlichen Hütte! Ja, Herbsteszeit war es. Feld und Flur lagen bereits in dichtem Nebel gehüllt; zahlreiche Vögelschaaren, die uns in der schönen Jahreszeit durch ihren Gesang erfreuen, hatten bereits ihre Reise nach fernen Ländern angetreten und die allmählig zum Winter schlafe sich rüstende Natur brachte einen ernsten, schwermütbigen Eindruck auf das gefühlvolle Menschen- Herz hervor und stimmte unwillkührlich zum Nachdenken. Wie auch anders. Ist doch der Herbst mit seinen Früchten und mannigfaltigen Erträgnißen, dem falben Laube seiner Wälder, dem düstern Grau seiner Fluren, nichts anders, als eine Nemiuiscenz des vorangegangenen FrüblingS und leider nur gu bald verschwundenen Sommers. Und ist des Lebens Herbst mit seinen rauhen Stürmen und wüthenden Orkanen, seinen trüben Stnnden nicht auch eine Erinnerung, ein Versenken in die leider nur zn schnell dahingeranschte Lebensflnth der schonen, unwiderbringlichen Jugendzeit und des wirkenden, schaffenoen Mannesalters? Doch treten wir in die Hütte ein. — Es ist der erste Abend des Laubhürtenfestes. Hell und sauft strahlt das Lickt in der einfachen, doch schön geschmückten Hütte. Bunte Blätter zieren