Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 36 (24.10.1885)
- Date
- 1885-10-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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die ®autoreu Oesterreich-NngarnS, verehren in Baron Königswarter den Begründer unseres VereinsfondeS; denn er war der Erste, der durch eine mnnisicente Spende und durch wolwollende Fürsprache unser schönes Werk förderte. Und so wollen wir au dein Tage, an welchem Herr Baron Königswarter dieses schöne Familienfest begeht, ein inbrünstiges Gebet zu Gott, dem Allmächtigen, emporsenden und uns alle in dem Wunsche vereinigen, das edle Zubelpaar möge noch viele Jahre die Früchte seines segensreichen Wirkens genießen und noch lange Zeit zur Zierde des Judenthums und zum Wohle der Menschheit erhalten bleiben. Wien. (Orig.-Corresp). Wir sind heute in der für uns sowohl als auch für alle Cantoren Oesterreich-Ungarns gewiss erfreu» lichen Lage, die uns von sonst vertrauenswürdiger Seite mitgetheilte und in voriger Nummer veröffentlichte Nachricht, dass College E. Eibenschütz in Debreczin gestorben sei, widerrufen zu können. Wie uns Obercant'or E. -Eibenschütz anzeigt, war er wohl längere Zeit er» krankt, ist jedoch jetzt vollkommen genesen. Das Sprüchwort sagt, dass einmal Todtgesagten ein recht langes Leben beschieden ist. Wir wünschen aus tiefstem Herzen, dass dieses Sprüchwort sich an unserem Collegen Eibenschütz bewahrheiten möge. Aeusoht. (Orig.-Corresp.) Als aufmerksamer Leser Ihres geschätzten Blattes habe ich die Wahrnehmung gemacht, dass die Herreu Canioreu recht oft darüber Klage führen, dass sie der Willkühr der Gemeinden preisgegeben sind. Es ist in der That bedauerlich, wenn nicht die Gesetzgebung bisher dafür gesorgt hat, dass die Cantoren ebenso wie Lehrer und Rabbiner nach abgelegtem Provisorium ein Desinitivum erhalten, nichts desto weniger tragen in vielen Fällen die Herren Cantoren die Schuld, wenn sie oft ihrem Posten valet sagen müffen. Zur Jllustraiiou meiner ausgestellten Behauptung erlaube ich mir folgendes Factum anzuführen: In unserer Gemeinde, die bekanntlich eine sehr intelligente ist, war der Cantorpofteu fast jedes Jahr zu besetzen, und Jedermann, der mit Aufmerksamkeit die diesbezüglichen Concurse verfolgte, hatte unwillkürlich glauben müssen, dass die Neusohler-Gemeinde Schuld daran tragt. Endlich vor 3 Jahren wurde der Agramer Cantor, Herr Jakob Großkopf auf den die hölzernen Wände, mannigfach gewundene Kränze aus rolhblinkendem Hagedorn mit weißen, in Quadratform geschnittenen Papierchen, zwischen welchen in abgemessenen Zwischenräumen in Goldschaum gefüllte Nüsse und Aepfeln blickten ,׳ ein hübscher ,Magen David' prangte an der Misrachfeite und durch das dunkelgrün glitzernde Laub funkelten die Sterne so freundlich, als ob eben so viele Gottesaugen segnend auf diese Hütte, einem scheinbaren Asyle stillen, häuslichen Friedens herabblicken würden. Ja wohl ,scheinbaren', doch greifen wir nicht vor und fahren wir in unserer Erzählung fort. Ungefähr in .der Mitte der Laubhütte, dort wo das Bild des unvergesslichen Mähr. Landesrabbiners, des Herrn Markus Benedikt, hing, saß, die Hände fest ineinander geschlungen, ein ehrwürdiges, greises Paar, beide an der Grenze des menschlichen Lebensalters stehend, aber noch rüstig und von der Last der Jahre schier ungebeugt. Wohl war das Antlitz gefurcht, und so mancher, der sich auf die Sprache der Physiognomik verstand, hätte in diesen Gesichtsrnnzeln jene Schrift gelesen, welche schmerzliche Erfahrungen, ausgestandenes Leid u. dal. mit unauslöschlichen Zügen in diese Wangen geprägt, aber im Ganzen lag über das Wesen der beiden Alten eine stille, gottergebene Ruhe, jene stille Resignation, die nur ein gottvertrauendes, gottergebenes Gemüth gewährt. Und heute war Feiertag. (Fortsetzung folgt.) hiesigen Obercantor-Poiten berufen. Seine damalige Wahl legte der Gemeinde große Opfer auf, und viele Gemeindemitglieder waren damit nicht einverstanden, indem sie meinten, er werde ohnedies nicht lange hier bleiben. Bereits 3 Jahre sind verflossen, dass Herr Cantor Jakob Großkopf in unsere Gemeinde wirkt, und während dieser Zeit ist es ihm gelungen, sich die Sympathien der ganzen Gemeinde zu erwerben. Herr Großkopf hat sich um die Regelung des Gottesdienstes hier große Verdienste erworben. Seinem unermüdlichen Fleiße und feiner Ausdauer ijr es gelungen, dass wir heute einen geregelten Gottesdienst mit Chor und Orgel haben. Da die VertragSzeit im vorigen Monate abgelauteu war, wurde er in der am 27. September abgehaltenen Repräsentanten-Sitzung auf weitere 6 Jahre mit nam- Hafter Gehaltserhöhnng acceptirt. Wenn es Herrn Großkopf gelungen, sich hier allgemein Sympathien zu erwerben, so ist dies nicht nur feinen schönen, musikalischen Kenntnißen, sondern auch feinem charaktervollen Benehmen znzuschreiben. A n m e r k u u g d e r R e d a c t i o n Dieser Fall ist gewiss ein eclatanter Beweis dafür, dass eifrige Pflichterfüllung und ernstes Streben zumeist nicht ohne Anerkeilllnng bleiben, aber keineswegs erhärtet er die Behauptung des geehrten Einsenders, dass die Cantoren hauptsächlich an dem häufigen Stellenwechsel Schuld tragen. Wenn die Gemeinde Neusohl, die der Einsender als intelligente und opferwillige Gemeinde schildert, mit den Leistuugen ihres Functionärs vollkommen zufrieden ist und ihm trotzdem nach abgelegter Probezeit das Desinitivum vorenthält, sondern nur den Vertrag auf eine gewisse Zeit erneuert, so müssen wir unwillkürlich zu dem Schluffe gelangen, dass nicht die Cantoren, sondem die eigenthümlichen Verhältniße in den Provinzgemeinden den häufigen Wechsel veranlassen. Vereinsnachrichteu. 1. Ausweis über die in den provinzgemeinden eingeleiteten Sammlungen zu Gunsten des österr.-ungar. Gantoren-Vereines. Dank den Bestrebungen zweier wackerer Collegen sind wir schtzn heute, also kurz nach Aussendung der Sammelbögeu, in der erfreulichen Lage, unseren Mitgliedern günstige Ergebniße mittheilen zu können. Die Collegen L. Auspitz in Horic und M. Rosenfeld in Pisek haben sofort mit lobenswerthem Eifer die Sammlungen in Angriff genommen und reckt schöne Resultäte erzielt. Namentlich die Wirksamkeit des Collegen Aufpitz verdient nach der einen Richeung hin besondere Beachtung, als es ihm gelungen ist — wie seinerzeit dem Collegen Kraus in Planian, der schon vor 2 Jahren bei seiner Gemeinde einen Jahresbeitrag von 10 fl. ö. W. für den Cantorenverein erwirkte — die Cult usge mein de in Horic sowie bieChewra Kadischa daselbst zu jährlichen Beiträgen zu veranlassen. Wir ersuchen die Herren Collegen, auf dieses Moment besondere Rücksicht zu nehmen und das Gleiche in ihrer Gemeinde anzustreben. Indem wir in Nachfolgendem die Namen der Spender veröffentlichen, statten wir den wohllöblichen Gemeinden Horic und Pisek, der löbl. Chewra Kadischs in Horic, sowie den hochgeehrten Mitgliedern dieser Gemeinden, die unser gemeinnütziges Unternehmen durch Jahresbeiträge- oder einmalige Spenden förderten, den tiefgesühlte» Dank des Vorstandes sowie der Mitglieder des österr.-ung. Cantorenvereines ab. MS