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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-10-24 · Heft 36 (24.10.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 36 (24.10.1885)
Date
1885-10-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Fall ist. Die Fuge der gleichnamigen Wnrfel'schen Piece, jedoch erweist, sich etwas' wirkungsvoller, als die der Weint! anb'schen; dessenungeachtet muss die Nummer als eine im großen Style gearbeitete Compositiou hingestellt werden, die bei besonders feierlichen Gelegenbeiien gewiss ihre Schuldigkeit thuu. wird. Der zweite אלון עולם in 6-dur Tact Nr. 32 ist eine für gewöhnliche Ausführnngszwecke berechnete Nummer, die bei der scheinbar leichtesten Bearbeitung dennoch' in jeden! Tacte die Kraft und die Gewandtheit des gediegenen Musikers verrätb; hauptsächlich intercssirt ein leichtfüßiges, in drei Perioden gegliedertes Motiv, welches vom Tenor bei den Worten wehu echod anfgenommen und vom Sopran in! zweiten Tacte weitergeführt wird, während All und Bass in kurzer Aufeinanderfolge ein selbständiges Motiv vorfübren und im Zusammeukliuzen eine wahrhaft allerliebste Wirkung erzielen. Der weitere Inhalt des Werkes gewährt die Ueberzeugunz, dass auch bei den übrigen größeren Sabbatgesäugen wie ׳אין כנמוך 2 לך יי הגדולה ׳ויהי בנסועc. jene eminente musikalische Beherrschnng des Stoffes vorherrschend ist, und dass selbst bei Bearbeitung der kleinsten Chorltclle die zwcckoicnliche, fachmännische Beachtung nicht vorenthalten blieb. Erwähnenswertv erscheint noch der in E8 dur geschriebene הבו Nr. 81 und eine Nummer כרחם אב für Knabenconfirmation בר מצבה in Es-dar Nr. 89, bei welchem der Tenor dominirend polnische Gesangsanklänge bören lässt. Von Casual- Gesängen müssen wir des מהרה in Es-dur Nr. 92 deshalb Erwähnung ihun, weil uns die, meistens nach Noll hinneigenden Harmonien bei einem Hocbzeitsgesange etwas verfänglich vorkommen und namentlich die im 13. Tacte bei den Worten rnv6eha208 z6r118eh0I0zim beginnende und durch drei volle Tacte streng festgehaltene Harmonisirung von D, 068, Ges und As mit der nur vorübergehenden Auflösung von 668 nach F geradezu unbegreiflich erscheim. — Auch die folgenden Gesänge für ברית מילה sprecyen leider nicht an. Die Melodie bei אלי צק erscheint in 4 Lacten durch die fremdartige Ueberleitung nach E, anstatt nach C־du1* geradezu verunglimpft; auch den kleinen Gcsangßeinschaltungen für die מגילה können wir unsere Sympathie nicht;uwenden, wie uns die בלבה beim Chanukka- Lichtanzünden. durch ein Soloquartetl vorgetrageu, keineswegs behagen will. Einen ganz eizenthümlichen Eindruck macht die musikalische Bearbeitung der Nummer 71 .Er, von dem der Könige Heil kommt". Betrachten wir die Nummer vom rein musikalischeu Standpunkte, d. h. mit Hinweglaflung des Textes, so müssen wir dieselbe als künstlerisch vollwenhig den anderen Weinlraubscheu Composiponen anreihen; dieselbe erscheint uns jedoch geradezu als Spielerei mit Tönen, wenn wir hiebei auch den selbstverständlich wesentlichen deutschen Text berücksichtigen. Die Piece scheint ursprünglich für den hebräischen Text הנותן תשועה bestimmt gewesen zu sein, und süblt sich in dieser Gewandung ganz ungezwungen und wohl, obzwar schon die Zdee den הגותן תשועה mehrstimmig singen zu lassen, noch zu sehr an die N6- 8ohor6rim Periode streift. Allein die gewaltsame Unterschiebung des deutschen Wortes, welches in prosodischer und declamatorischer Beziehung wirklich verunstaltet erscheint, muss als großer Misgrisf hingestellt werden-; auch die mit deutschen Textesworten componirren Cousirmaiionsgesäuge Nr. 103, deren langathmige Kirchentöne wre die in Unterbrechungen vom Prediger zu sprechendenWorie wirklich allzusehr an eine kirchliche Dominus vohiscmn-Scene, erinnern, können unsere Sympathie nicht erringen. Das Bemerkcnswertbeste bei diesen Gesängen, welches uns in unserer Annahme bestärkt, dass auch Weintraub dem svwvbl-,zw jener Zeit wie noch beute so sehr beliebten Coguettireu mit dem'Kirch'eügesangsstyle buldigte. ist die an der Spitze des mit dentschem Texte bearbeiteten יוצר אור und אלון אולם .gestellte Bezeichnung ״Choral“. Wir haben diesem Vorkommniße gegenüber nichts weiter zu bemerken, als die schon einmal gestellte Frage zu wiederholen: ,Was bat. der Choral inder Synagoge zu schaffen?" — Diese Collection mit deutschem Texte componirter Gesänge batten wir sebr gerne im Werke vermisst, weil dieselbe als Ablchluss des ersten Theiles des Weuitraub'scheu Werkes den günstigen Eindruck der früheren Compositiou verwischt Und-das unbehagliche Gefühl der Unznsriedenheit in uns wachruft. (Fortsetzung folgt.) Synagoge und Schule. Von A. Kohn, Cantor in Kula. Die Synagoge war der einzige Besitz, welcher dem Gelammt» Judenlhume angehörle. Sie war ein Zufluchtsort, ein עיר מקלם in den Zeiltn der grausamen Verfolgungen; denn der Bedrängte fühlte sich sicherer, gleichsam näher der rettenden Gottheit, wenn er ihren beiligen Boden betrat. Sie war aber auch, in den besseren Tagen, eine Stätte der Erbauung und des Tbora-Studiüms. Ihre Mission ist noch nicht beendig!; noch heute soll sie das Herz des gläubigen Juden seinem Gotte näher bringen; sott ihm die Worte der Wahrbcit laut verkünden. Aber wie anders geschah Lies früher, und wie anders g schieb! es bente. Damit sei aber nicht die Art und Weise des Gottesdienstes gemeint, denn letzterer bedurfte der Reformation, und ist auch diese denjenigen Gemeinden, welche im Bilde gesprochen, das Kind nicht mit dem Bade ausschütteten, gelungen, sondern der Einfluß desselben auf das religiöse Leben des Einzelnen. Vormals hielt es jeder Vater für seine heilige Pflicht, seinen Sohn indie ,Schul" zu sühren, mit ihm אמן und ,דושו״^ nachzusagen, und so wurde bei dem Knaben Gewohnheit zur Natur- Jetzt werden zwar auch die Kinder angehalten ins Gotteshaus zu gehen, aber da sehen sie außer den Cultus-Beamten nur einige alte Männer oder die sogenannten zehn Müßiggänger עשרה בטלנים, die für den Tempelbesnch be« zahl! werden, und da wahrlich können sie nicht sonderlich erbaut' werden. Man meint dem Uebet dadurch abzuhelfen, und der Synagoge Besucher zuzuführcn, wenn man die Gebete und die Wuchcnabschnitte der Thora abkürzt. Abgesehen davon, dass damit nichts gewonnen ist, denn der Nichlbesucher der Synagoge wird dennoch fern bleiben, wenn er auch die Versicherung bat weniger beten zu müssen, so ist diese Maßregel andererseits nicht zweckdienlich. Der ganze Mussaf- Gottesdienst z. B. dauert eine Stunde; wer nun e i n e Stunde in der Woche nicht der gemeinschastlichcn Andacht opfern kann oder will, den wird auch die Abkürzung der Gebete nicht herbeilocken. Es gibt überhaupt kein Mittel, wodurch der Synagoge Proselyten gemacht werden sollen; denn weder thatsächlicher noch moralischer Zwang hätte einen Erfolg. Ein einziges, aber heilsames und erfolgreiches Mittel gegen den religiösen Jndifferentismus bleibt uns noch immer, und dies ist: die Erz reh u n g d e r I u g e n d הבאים ישרש יעקב. In künftiger Zeit soll Jacob Wurzel schlagen. Und diese heilige > Aufgabe, die Jugend für die Neligiou zu begeistern, dem Glauben der Väter wahre Anhänger zu bilden, ist der Schule Vorbehalten. Ja, die Schule bleibt unsere Hoffnung, dass durch sie die Religiosität in Israel noch erhalten wird.

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