Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 36 (24.10.1885)
- Date
- 1885-10-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische .... Pränumerations-Preis O 1• a 11 fictlncitott Kür Sereinsulitgkieder: Ganzjährig ... fl. 5.— Halbjährig ... fl• 2.SV für die Gesummt-IiitmMi! siidischer Gimtureu. ׳ Adrnirristratiorr Vierteljährig . . fl. 1.25 Monatlich - - . st- —•45 IU i mi. Kür Michtmitglieder: Ganzjährig . . . st. S — Hrscheinl jeden achten Hag. II., Novaragasfe 27. Halbjährig . fl. 2•— Vierteljährig . . fl. 1.50 Monatlich ... fl. —.50 Begründer: Dbercauror Icrkob;Bauer־. Inserat« werden billigst berechnet. Kür das Auskanp: Ganzjährig ... fl. 7.— 12 Mark oder 6 Rubel. V J Manuscriple werden nicht retournirt. --- -- Nr. 36 Wien, 24. Oktober 1885. 5. Jahrgang. Ni'tikr ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XLI. Die von uns im letzten Aufsatze dieser Besprechung klargelegte seriöse Richtung der Kaschtawschen Synagogengesänge ist das unverbrüchliche Erbgut seines Sobncs H. Weintraub geworden und dieses Gepräge besitzen auch die in dessen zweitbeiligem Werke שיריי בית יי veröffentlichten Synagogengesangs-Compositionen. Vielleicht gar nicht zum wesentlich-kunsttcrischeu Vortbeile für dasselbe, jedenfalls jedoch für die Zeichnung seiner musikalischen Gesinnung^ und individnellen Hinneigung notwendig .und bemerkeuswerth. Wir verstehen unter seriös nicht allein die große, kühn angelegt!׳ und mit ruhig-sicherer Meisterbaud äußerst geschickt ausgesührte iun-iu. sondern namentlich den ernsthaften und feierlichen Ton der Weiutraub'scheu Compositionen; die winzigste respousiv gehaltene Chorstelle wie die mit den weitgehendsten Mnsikmilteln ansgestattete Bearbeitung eines Psalms tragen diese Eigeuthümlichkeit. Auch das H. Weintraub'sche Werk beginnt nicht, wie es von einem der bedeutendsten Cantoren zu erwarten wäre, mit dem Alltags - מנהה - Gebet, sondern mit einem לכה דודי Nr. 1 in F dur 4/4 Tact. Die Composüion erringt schon deshalb unsere volle Sympathie, weil dieselbe in allen Strophen dnrchgearbeitet, also inhaltlich streng berücksichtigt erscheint; findet sich auch bei der musikalischen Wiedergabe des התנערי eine zu unliebsamer Textwiederholung zwingende Melodienfülle, so begegenen wir andererseits wieder einer solchen Opulenz beabsichtigter musikalischer Schönheiten, wie z. B. die Verwendung einer Fuge bei *?ורחקו ב ׳מבלייך wie nicht minder die blendenste Modulation von IT dur nach A dur bei den Worten בואי בשלום, die wie Sphärengesang unser Herz mächtig ergreift, wodurch wir genügend überzeugt werden, dass diese Notenköpfe nicht zufällig hingeworfen, sondern fachgemäß gefügt und an ihren Bestimmungsort gestellt wurden. Nicht minder meisterhaft ist der Zubelton bei גם בשיסחה gezeichnet, wie die ruhige, sanft hinfließende Rückleitung nach B dur vorübergehend und F dur dauernd bei בואי כלה. Wahrhaftes Interesse gewährt auch die Beobachtung wie der Componist, der selbst bei der Wiederholung des לבה חורי das Eingangsmotiv nicht beibehält, sondern die musikalische Bearbeitnng desselben der jeweiligen Situation entsprechend mannigfach gestaltet, hie und da durch den Cantor die ursprüngliche Melodie inroniren lässt, während die begleitenden Stimmen ein ganz neues Motiv vorführen. Der zweite *TH ,לבד in B dur V4 Tact führt sich am Anbeginn unscheinbar etwas frostig ein; namentlich scheint die langatbmige Melodie für einzelne Textstellcn nicht zu paffen und stimmt den Hörer verdrießlich (vielleicht war derselbe ursprünglich für die drei Wochen bestimmt —) allein schon bei שמור וזכור macht sich ein etwas natürlicher Melodien fluss bemerkbar und der musikalische Ansdruck steigert sich, um bei dem, auch contrapunktisch prächtig gelungenen, התעוררי den Höhepunkt zu erreichen. טוב להורות S. 16, zeigt sowohl im musikalischen Gepräge des Cborsatzeö wie des Cantorrecitatives ein ängstliches Anlehnen an die gleiche Piece des Schir Zion I7 so dass man, angesichts der Weintranb'schen künstlerischen Selbstständigkeit und fachmännischen Reife wirklich im Zweifel ist, ob dieses Hinneigen zur fremden Eigenart dem Componisten gut oder schlecht geschrieben werden soll.- Der darauf folgende יי מלך erscheint viel selbständiger, namentlich zeichnet das charakteristische piu lento bei נסעו נהרות die Situation iu solch' originaler Weise, die unsere volle Beachtung und unseren ungetheilten Beifall verdient. — Im ארק עולם iu Fs dur Nr. 31 erblicken wir eine stattlich aufgebaute Piece mit höchst interessanten Modulationen und nicht minder interessantem Nhytmus. Durch die Tonverwandtschaft fordert dieser ארק עולם unwillkührlich den Vergleich mit der gleichnamigen Würfel'schen Composition im Sehir Zion I heraus, und wir müssen gestehen, dass die vorliegende Weintraub'sche Bearbeitung schon deshalb den Vorzug verdient, weil dieselbe bei gleich blendender musikalischer Ausstattung dennoch viel einheitlicher in der Form gehalten, und keine einzige Stelle der Nummer jene, einerseits zu sehr gezuckerte andererseits wieder herausfordernde Eigenthümlichkeit der einer bestimmten Person auf den Leib geschriebenen stückelhaften Bearbeitung aufweist, wie es bei dem Würfel'schen ארק עולם der