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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-10-16 · Heft 35 (16.10.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 35 (16.10.1885)
Date
1885-10-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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- S — Seide, Baumwolle und Galläpfel. Unter seinen sechs Waarenmagazinen (Khan) trägt das bedeutendste den Namen ,frauzösiches'. Die Franzoseu hatten nämlich früher in Sidon eine Factorei. Die Ueberreste des Alterthüms sind von nicht hoher Bedeutung. Es sind zumal Gräber alter sidouischer Könige. Der merkwürdigste Fund in neuerer Zeit ist der Marmorsarg des Königs Eschmunazar, welcher im Jahre 1855 von Franzosen unter Renan in einem aus gemauerten Felsengrab gemacht wurde, und der nun im Louvre uutergebracht ist. In der Grabschrift fordert der König unter Hinweis auf seine Verdienste nm den sitonischen Staat und unter Androhung der Rache der Götter, dass man seine Gebeine in diesem Sarg ungestört rithen lasse. Dieser König Kat wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Ehr. regiert. T y r u s, einst die ,Königin der Meere' genannt, weil es zur Zeit des phönizischen Alterthums die Beherrscherin des Handels gewesen ist, ist sttzt unter dem arabischen Namen Sür (der hebräische Name ist Zor, d r assyrische Surru) eine bedeutende -Handelsstadt, doch auch seit neuerer Zeit wie Sidon stark im Aufschwung begriffen. Die ursprüngliche Stadt, Palätyrus, auf dem festen Lande gestanden, ist spurlos verschwunden. Sie ist vielleicht in der Nähe der Quelle Ras-el-ain zu suchen. An diese Altstadt hatte sich bald als Neustadt die prächtige durch Meer und Felsen. wohlbeschützte Jnselstadt gereiht. Die heutige Stadt ist eine Halbinselstadt, da das Meer vermittelst eines Dammes mit dem Feftlande verbunden wurde; sie steht da, wo die Insel und die Landenge zusammenstoßen, auf dem östlicheu Theile der früheren Hauptinsel. Die Hauptausfuhr des Platzes besteht in Tabak, Baumwolle. Holzkohlen und Holz. Was der unansehnlichen Stadt einige Zierde verleiht, sind die darin bestndlichen ziemlich zahlreichen Palmbäume. In Bethlehem sind in neuerer Zeit auf einem der zwei Hügel so viele neue Häuser, sämmtliche von Stein und mit platten Dächern versehen, erbaut worden, baß man von einem Neu-Bethlehem sprechen kann. Am westlichen Ende der Stadt, ganz auf der Höhe, weshalb cine prächtige Rundschau bietend, ist das evangelische Missionshans mit Schule und Kirche, das der Berliner Jerusalems- Verein hat erbauen lasten. Die im Jahre 1873 vorgekommenen, wiederholten blutigen Reibereien in der Geburtskirche zwischen Mönchen des lateinischen und des griechischen Ritus haben zur Erbauung einer türkischen Caserne in der Nähe dieser Kirche, der ältesten Basilika der Welt, Veranlassung gegeben. Seit dieser Zeit wissen die Mönche sich in den Schranken der Ordnung zu halte». Wie früher, ist die Beschäftigung der Bethlemiten immer noch neben Feldbau und Viehzucht die Verfertigung von allerlei Kuuftgegenständen aus Perlmutter und Asphalt und von Rosenkränzen allerlei Art. Die Fabricaiion der letzteren wird vorzugsweise von Frauen und Kindern auf offener Straße vor den Hausthüreu betrieben. Nicht unbedeutend ist in Bethlehem die Bienenzucht. Aus den Trauben Bethlehems wird ein sehr gewürziger und starker Wein gewonnen. Hebron hat von jeher als eine besonders fanatische Stadt gegolten; sie ist mit ihren 17.000 bis 18.000 Mohammedanern für Christen bisher als unnahbar erschienen. Man mußte sein Absteigequartier bei den Juden, von denen gegen 1000 dort wohnen, suchen, wenn man nicht Zelte bei sich führte, um in denselben, die man auf dem heiligen Gebiete der uralten Abrahamseiche ausschlageu kann, zu wohnen. Es ist etwas besser geworden, die Mohammedaner lind nicht mehr so seindselig und aggressiv wie vor 20 Jahren. So konnte denn im vorigen Jahre in Hebron eine Missionsstation von einem Deutschen errichtet werden. Die Missionsthätigkeit daselbst wird vorerst von einem Arzt und einem Lehrer ausgeübt. Beide sind gebereue Araber, die in den christlichen Lehranstalten Beiruts ihre Bildung erhalten haben. In der Klinik des Arztes haben sich bald hilfesuchende Mohammedaner nicht wenige eingestellt. Die Schule zählt bis jetzt sechs Kinder. Die Beziehungen des Arztes und Lehrers zu den maßgebenden Persönlichkeiten in der. Stadt haben sich freund-, lich gestaltet. Was bis jetzt in Hebron fabrizirt wurde, waren Glaswaaren, namentlich gläserne Arm- und Fingerringe für die Weiber und Kinder von Fellachen, und Wasserschläuche. Zu diesen Manufacturen sind nun auch Töpfereien gekommen, wie sie schon seit längerer Zeit in Gaza bestehe». Wie die Töpfer von Gaza, verfertige» die von Hebron Trinkkrüge aller Art, Wasserkrüge, die von den Frauen aus dem Kopie getraaen werden, Bruunenkrüge, Schüsseln n. s. w. I e r n s a l e nt wird immer mehr eine viel ausgesuchte Stadt. Der langjährige amerikanische Reise-Unternehmer Cook hat auf die, Ofterzeit dieses Jahres׳ über 200 Fremde gebracht, der Berliner Stange auch eine ansehnliche Zahl. Andere Fremde kamen unter der Buchführung der neuen Reise-Unternehmer Howards und Floyd. Die Zahl der frommen Pilger aus Frankreich, Deutschland n. s. f. wird jedes Jahr größer. Das größte Cvntigent solcher Pilger liefert Rußland. Die Vorstadt Jerusalems vor dem Jaffathor erweitert sich immermehr. Viele der neuen, staatlichen Häuser vetdankew ihren Ausbau jüdischer Industrie. Der Besitzer des ersten ,Gasthofes, des ,Mediter:anean-Hotel', hat weitere Wohnungsräume für seine Gäste in dem seinem Gasthcf gegenüberliegenden Hanse (das einst Bischof Gobat und nach ihm Bischof Barclay bewohnt haben) eingerichtet. Wo sich das neue deutsche Consolatsgebände erheben und wann zur Erbauung desselben geschritten werden wild, lässt sich noch nicht sagen.. Das frühere, durch den Consul Dr. Schultz erworbene und dann durch feinen Nachfolger Dr. Rosen verschönerte ist in. den Besitz eines Juden übergangen. Kleine Chrinttk. Wie». Dem ,Wiener Abendbatt' berichtet mau folgende Begebenheit: ,Im Eisenbahncoups faß neben einem katholischen Geistlichen ein deutscher.Rabbiner und diesem gegenüber ein proteftanticher Missionär, letzterer, ergriff das Wort und sprach: ,Das trifft sich ja schön, ein Rabbiner, ein protestantischer Missionär und ein katholischer Geistlicher sitzen zusammen. Wer von uns Dreien mag wohl im Besitze der Wahrheit feilt?' Der katholische Geistliche wollte in ein anderes Coups sich begeben, da er diese Frage sehr unpassend fand; aber der Rabbiner hielt ihn zurück, und sprach lächelnd-: ,Bitce, bleiben sie nur, ich will die Frage beantworten. Dann wendete er sich an den Missionär und sagte: ,Wenn der Messias schon gekommen ist, so hat der hochwürdige Herr hier Recht; wenn er noch nicht gekommen ist, dann habe ich Recht, aber in jedem Falle haben Sie Unrecht.' Der Missionär konnte seinen Aerger nichr verbeißen und wollte sich rächen. Er wendete sich an den Hund, den der Rabbiner mit sich führte und fragte ihn spöttisch: Bist du vielleicht auch ein Jude?' ,Nein' antwortete der Rabbiner, ,er frisst Schweinefleisch deshalb ist er kein Jude; er frisst auch am Freitag Fleisch, ist des-- halb kein Katholik; der Hund muss also wohl ein Protestant sein.' Der protestantische Prediger musste.die Sache ausgeben und zog esvor, zu schweigen'. Wien. (Orig.-Corresp.) Der Herausgeber des bekannten Synagogeu-Gesangswerkes ,Semirotli 1661 ehaj', Herr Gesangspro- Professor Fran; Joses Löwenstamm, ist von 2 Gesangsvereinen, dem Neubauer und Leopoldstädter Männergesangsvereine zum Chormeister erwählt worden. Aeürezin (Orig.-Corresp.) Wieder ist ein College in seinem schönsten Mannesalter, milten in seinem erfolgreichen Wirken vom. Tcde dahingerasst worden. Vorige Woche׳ ist nämlich der hiesige Obercantor, Herr Eisik Eibenschütz nach längerer Krankheit im Alter׳ von 38 Jahren gestorben. ת״נ״צ״ב״ה

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