Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 35 (16.10.1885)
- Date
- 1885-10-16
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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*7 - ^ölhenönrg. (Ong.-Corr.) Es dürfte für die Leser Ihrer geschätzten Zeitung von Interesse sein, die folgende Mittheilung über einen Fall zu vernehmen, der von überaus zarter Rücksicht seitens einer Hochgestellten Persönlichkeit zeigt. Unser geschätzter College Herr Obercantor G. Rosenberger ^in Stockholm ist nicht nur als ausgezeichneter Cantor und Liedersänger allgeniein bekannt und hochgeschätzt, sondern auch als Lehrer der deutschen Sprache selbst in den höchsten aristokratischen Kreisen der Hauptstadt sehr beliebt. Officiere in glänzenden Uniformen gehen täglich bei ihm ein und ans, er zählt Generäle, Oberste in der Armee zu seinen Schülern. Einer der letzteren, Herr Gras C. A. Löuen, ans altadeligrr Familie Officier im Generalstabe, gab vor Kurzem ein großes Diner für seine Kameraden und lud dazu auch׳ unfern Collegen ein. Dieser hielt es für geboten, im Voraus mitzntheilen. dass er ans religiösen Gründen nicht mitesseu dürfe und erklärte dem Grafen die jüdischen Speisegesetze, von denen letzterer früher nichts gehört hatte. Der Graf bat indeß dringend, dass Cantor S. doch kommen möge, und vor dem Diner überreichte er unserm Collegen ein Bittet des In- Halts: »Dass Herr Graf Löwen beute 7 Pfund Koscher-Fteisch gekauft, bescheinigte, Stockholm, den 31. Juli 1885. Dr. L. Meyers Eine jüdische Köchin bereitete das Fleisch in der gräflichen Küche zu. und einer der aufwartenden Bedienten war beauftragt, die koscheren- Speisen so zu dirigiren, dass sie unserem College» servirt wurden. In Deutschland ist wohl Aehnliches nicht denkbar und der Fatt ehrt nicht allein unseren Collegen, sondern noch vielmehr den wahrhaft toleranten Offizier. A. B. Aerkin. Die Zeitungen Deutschlands erzählen jetzt folgende Begebenheit, welche in den Archiven der Stadt Wesel zum ewigen Gedächtniße verzeichnet ist: In den vierziger Jahren kam König Friedrich Wilhelm IV. zu kurzem Aufenthalt nach Wesel. Nach der Parade blieb der König noch eine halbe Stunde bis zur Abreise. Womit sollte sich der König unterhalten? Der Stadt-Commandant hatte plötzlich eine Idee und sprach zum König: .Majestät, der älteste Mann der Monarchie lebt hier in Wesel.' Der König wollte ihn sehen. Der hochbetagte Mann war ein Jude, es war der damals 106 Jahre alte Gomperz. Gewöhnlich saß er rauchend in seinem Lehnstuhl. Man batte ihm den Besuch des Königs gemeldet, und er erhob sich beim Eintritt des Monarchen. Der König nöthigte ihn, s Platz zu behalten und erkundigte sich nach den Privatangelegenheiten und der Gesundheit des alten Mannes, der seinerseits ohne die geringste Befangenheit die an ihn gestellten Fragen beantwortete; seine Pfeife behielt er dabri im Munde. »Ich möchte Euch gern ein Andenken hinterlassen', sagte der König beim Abschied, erzählt mir doch einmal, was wünscht ihr Euch?" .Herr König.' erwiderte ihm der Alte, ich danke Euch schön für die gute Absicht; aber ich besitze alles,! waß ich brauche und habe keinen besonder« Wunsch.' So was war . dem König noch nicht vorgekommen; erstaunt näherte er sich noch! einmal dem ruhig dasitzenden Greise. »Wie, Ihr haltet keinen einzigen! Wunsch! Unmöglich —!besinnt Euch; kein Sterblicher ist ohne Wunsch.'! Das Äuge dcs Alten blickt auf das Gefolge des Königs, man sieht ihm an — er hat doch einen Wunsch, den' er endlich vorbringt. .Herr König' sagt er stammelnd, ,mein Docror will, dass ich täglich eine Stunde auf den Festungswällen spazieren gehe. Auf diesem Wege komme ich einige Schritte vor dem Pulverschuppen vorüber; jedesmal rutt mir der Posten schon von weitem zu: »Die Pfeife weg!' Und da ich nur langsam vorwärts komme, so geht mir regelmäßig die Pfeife aus. Wollet Ihr mir eine Gnade erzeugen, so befehlet doch dem Soldaten; der dort auf dem Posten steht, dass er mich weiter -rauchen lässt — ganz vorsichtig, nur dass die Pfeife nicht ausgeht. Rauchen war von jeher mein einziges Vergnügen.' — Der König ist starr vor Erstaunen über diese merkwürdige Bitte. — »Das ist ulso Euer einziger Wunsch? »Ja, Herr König, ich wäre glücklich, wenn Ihr ihn erfüllen möchtet!' Seit jenem Tage durfte der alte Gomperz auf seinem Spaziergang unbehindert rauchen. Er hat diese Vergünstigung noch zwei Jahre genossen und ist dann im Alter von 108 Jahren sanft und selig gestorben, die Pfeife neben seinem Bette. Gründlings- und Vereinsbeiträge. I. Körner, Smichow, halbjährigen Beitrag. Ad. Klein, Bars, St. Benedek, vierteljährigen Beitrag. D. Baß. Münchengrätz, vierteljährigen Beitrag. S. Schischa. Kirchberg a. Wagram, vierteljährigen Beitrag. L. Weiß, Simontornia, vierteljährigen Beitrag. C. Grünfeld, Gaudenzdorf, halbjährigen Beitrag. M. Rosenfeld, Pissek. viert»ljährigeu Beitrag. L. Rosenberger. Komotau, vierteljährigen Beitrag. F. Teltsch, Stockerau. halbjährigen Beitrag. F. Nähnadl, Libochowitz, vierteljährigen Beilrag. M. Grünberger, Prerau, ganzjährigen Beierag. H, Bermann, Böhm-Leipa, vierteljährigen Beitrag. I. Epstein, Proßnitz, halbjährigen Beitrags L. Friedländer. Szil-Balhas, vierteljährigen Beitrag. A. Fischer, Veretnscassier. Correspondenz der Nedaction. M. in Sch., Kr. in Pt-, P. in W. Rechnung stimmt vollkommen. B. in G. Besten Dank. Ihr gewünschtes Conto erfolgt briestich. Besten Gruß. A. K. in Kul. Ihr Anerbieten nehmen wir an, und erwarten Pünktlichkeit. L. in Br. Sie senden in jedem Quartale um 25 kr. zu wenig ein» Bitten um Nachtrag. Vorst. XL. in And. Ihren gesandten Betrag für Abonnement bis Ende Juni gutgebucht. G. in Sieinam. Herzliches מזל טוב. Gruß Kin St. Abr. Sind noch für das laufende Quartal im Saldo. U. in W. Es steht jedem Cantor frei, am benannten Festtage nach Belieben diese Piece aufzufnhren. L. in Eib. Gesandten Betrag haben wir für den Rest 1884 gutgebucht und 1 fl. per 1885 gutgcschrieben. Wir erwarten die Nachsendung des Restes. Rin B. Ihr Saldo beträgt bis 31. Dec. fl. 1. Gruß. B. in Au. Bewusste Beilage ist irrthnmlich an Sie gelangt. Gruß. D. R. in Pr. Ihr Abonnement ist bis Ende Dezemb. beglichen. Gruß- Z. in K. C- Ihr Rest beträgt bis Ende Tecember 4 fl. 25 kr. Das Andere wollen wir in W. besprechen. Jene geehrten Herren Collegen, welche mit dem Abonnem entsbetrage für die früheren Quartale oder für das laufende Quartal noch im Rückstände sind, werden nochmals an die mit voriger Nummer ausgesandie Beilage erinnert und dringendst ersucht, den Abonnementsbetrag umgehend einzusenden. Die Redaction. Abonnements- und Insertionsbeträge sind in der Nedaction, Wien, II., Novaragaffe Nr. zahlbar. j^EGlNE AUER pBERCANTOR ^VL jaOLDSTEIN Verlobte. JSt EIN AMAN GBR, /M JOCTOBER 1885.