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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-10-08 · Heft 34 (8.10.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 34 (8.10.1885)
Date
1885-10-08
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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der Zweck aber, unsere, gewiss nach allen Richtungen befähigten galizischen Glaubensgenossen gemeinnützigen Existenzen zuzuführen, allseiliger Milwikung werth ist. Darum lasst unseren Aufruf nicht vergeblich verhallen: Es biete ein Jeder sein Schärflein,. ׳ cs gebe ein Zeder, je nachdem ibm gegeben! Aus diesem Grunde wenden wir uns an Euch, um.uns in unserem gemeinnützigen Streben, das in reiner Menschenliebe und dem Ge.iste wahren Gemeinsinnes und echter Zusammengehörigkeit wurzelt, unterstützen zu wollen. — Ein Verein vermag Vieles, aber Alles vermögen nur Alle. — Wir wenden uns an alle bestehenden jüdischen Vereine, an alle Gemeindevertretungen, an alle» Körperschaften, an alle Lehrer und Prediger, an die Frauen und Mädchen, die sich berufen fühlen, uns neue Mitglieder zuznführen, unsere Bestrebungen überall und jederzeit fördern zu wollen. Die Zahl der Mitglieder unserer Allianz steht noch im großen Mißverhältnis zur jüdischen Seelenanzahl in der österr.- Ungar. Monarchie und zu den Aufgaben, welche unserem Vereine obliegen. Durch den vorliegenden Aufruf wollen wir Denen, welche die Tragweite dieser Aufgaben erkennen, die Anregung bieten, fick mit uns zum gemeinsamen Wirken zu verbinden, um der Cultur unter unseren Glaubensgenossen zum Besten Aller und des Staateganzen immer weitere Bahnen zu öffnen. Wo eine größere Anzahl von Mitgliedern sich meldet, können nach Maßgabe unserer Statuten Filialen errichtet, oder cs können jene Herren, welche die Vermittlung des Verkehres zwischen Centrale und Mitgliedern zu übernehmen geneigt sind, als cv.rrespondirende Mitglieder bestellt werden. Der Vorstand ist darauf bedacht, auch die leistungsfähigen Kreise in Galizien für das Hilfswerk materiell heranzuziehen Der Jahresbeitrag eines Mitgliedes beträgt mindestens drei Gulden ö. W. Mehrbeiträge, ebenso Schenkungen zum Vereinsfonde werben dankend entgegengenommen und nebst den Jahres׳ beitragen in den Publicationen des Vereines ausgewiesen. Wir schließen ein Beitrittsformukar bei und stellen weitere gerne zur Verfügung. Allen, die uns werkthätig und helfend zur Seite stehen, im Voraus wämsten und besten Dank! Wien, im September 1885. Kleine Chronik. Wien. Der geschätzte Mitarbeiter unseres Blattes, Herr Dr. Rüben Vierer, königl. Bezirksarzt in Dlasotynce (Serbien), seinerzeit k. k. Gerichtsarzt in Lemberg, mo er auch an den Bestrebungen der dortigen jüdisch-nationalen Partei hervorragenden Antheil nahm, ist vom König Milan zum königlichen Stadtarzt in Belgrad ernannt worden. Da Herr Dr. Vierer stets nicht nur als Arzt, sondern cnyh als g.'setzestreuer Jude gewirkt hat, rufen wir-ihm zur Erhöhung seiner Stellung und Vergrößerung seines Wirkungskreises nach beiden Richtungen ein doppeltes Nasol tow zu. Wien. Das Bulletin der geograph. Gesellschaft in Marseille für den Monat Juni enthält einen Artikel über die dermalige jüdische Bevölkerung der Erde und gibt Zahlen, welche der muth׳ maßlichen Kopfzahl der Israeliten in den verschiedenen Ländern angeblich am nächsten kommen. Darnach zählt man: In Europa: Deutschland 561612. England 60000, Oesterr.- Ungarn 1643768, Belgien 3000, Dänemark 3946, Spanien 1900, Frankreich 70000, Griechenland 2652, Schweiz 7373, Holland 81693, Italien 36209. Luxemburg 600, Portugal 200, Rumänien 260000, Rußland 2552145, Serbien 3492, Schweden u. Norwegen 3000, Europäische Türkei 116000; in Asien: Türkei (Palästina), Syrien, Kleinasien, Arabien 150000. Persicn 15000, Asiatisches Rußland 47000, Turkeftan, Afghanistan 14000, Indien und China 19000; in Afrika: Algerien 35000, Marokko 100000. Sahara 8000, Tunis 55000, Tripolis 6000, Abessinien 200000, Kap der guten Hoffnung 1000. Egypten 8000; in Amerika 300000; in Oceauieu 12000. Wir haben also in Europa 5407000, in Asien 245000, in Afrika 413000, in Amerika 300000, in Oceanien 12000, im Ganzen 6377000. Da erblickte er das Kind in der Wiege und nahm es auf seinen Arm. ״Wir werden schon einen Tisch zedrckt bekommen, Kämeraden!'י rief er den Seinen zu, und zu dem ^-eibe gewendet, sagte ec rauh : ״Willst Du uns jetzt auflrageu, oder, lei Gott, ich spieße diesen dickköpsigen Wicht auf die Spitze meines ׳ Gewehresund er näherte zum Scheine den Kleinen seinem Bajonnelle. ״Mein Kind, mein Kind!" kreischte die Unglückliche auf, ,,hilf und errette Gott, unser Gott! Chamaul Umazil Adonoi, Adonenu; gebt mir mein Kind zurück!" ״Erst gib uns zu essen," sagte der Mann barsch. Die Kranke sprang ans dem Bette und stürzte dem Krie׳ ger zu Füßen. ״Lieber, guter Mann," flehte sie, ״lobtet mein Kind nicht, was hat Euch mein armes, unschuldiges Kind gethan? Allgütiger Gott, sie-.wollen mein Kind lödlen, und noch eh' es aufgeuommen ist in deinen heiligen Bund! Mordet mich, aber lasst mein Kind in Rübe!" und sich zu dem kleinen Schreier wendend, bedeckte sie seine Stirne mit tausend Küssen. ״Sollst nicht sterben, armer Sohn, wenigstens nicht allein sterben; deine Mutter stirbt mit dir. Leon, mein Gatte, leb' wohl!" ״Treib' es nicht zu weit, Kamerad." sagte Einer der Soldateu gerührt; ״lass uns weiter gehen, die arme Frau scheint ׳wirklich nichts zu essen zu haben." Jener schwieg beschämt; — auch ihm hatte sich eine kleine Tbräne aus den blauen Augen gestohlen bei dem Jammer der unglücklichen Mutter; noch eine Minute, und die Soldaten hatten sich bis auf Einen, es war der, der zuletzt gesprochen, das Haus verlassen. ,.Sie sind Jüdin, liebe Frau," sagte er. Jene bejahte furchtsam. ״Was verlangen Sie von mir?" fragte sie, noch immer am ganzen Körper bebend. ״Auch ich bin Jude. Sagten Sie nicht, Ihr Kind sei noch nicht ausgenommen in den Bund unserer Väter?" ״Ack, Gott straft uns schwer!" seufzte die Frau. ״Uns, die wir uns stets bemüht, alle Gebote Gottes zu halten, muss das geschehen. Und wer weiß, wann dieser unglückliche Krieg beendet ist. Armes Kind, wann wird es dir vergönnt sein. Jude zu werden. Gott erbarme sich unser!" ״Gott hat sich erbarmt," sagte der Manu; ״morgen Mittag komme ich wieder, wenn es mir erlaubt wird; Mohel bin ich seit meinem dreizehnten Jahre und habe bereits viele Mohelschaften vollzogen." Der Generalmarsch wurde geschlagen, und der Soldat eilte von hinnen. Der Hauptmann war ein braver Mann, der dem tüchtigen Soldaten gern seine Bitte erfüllte; doch stellte er die Bedingung, dass Wolf sich noch 10 Mann als Bedeckung mitnehme.

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