Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 34 (8.10.1885)
- Date
- 1885-10-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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© — Maja. (Qrig.^Corrcsp.) Die kiesige Gemeinde feierte am 1. d. M. das 25jährige Amlsjubiläum ihres hochverehrten und geachteten Obercantor's Jeremias Mandl. Die Gemeinde, die Amtscollegen, die Bekannten und Verwandten wetteiferten darin, ibm die gebührende Würdigung und Anerkennung zu zollen. Es bedarf nicht erst meiner Feder, die vorzüglichen Eigenschaften dieses Mannes hervorzuheben, die vielen Gratulationen von Nah und Fern sind sprechende Zeugen seiner Biederkeit und seines Edelsinnes, daher will ich mich Klos auf die Schilderung der Feier beschränken. Am 1. d. M. a. «.Nachmittags, wurde der Jubilar durch eine Deputation abgehvlt und nach dem Gemein behause, wo die Repräsentanz seiner Ankunft harrte, geführt. Herr Prof. Mor. Nosenberg überreichte ihm außer dem Ehrengeschenke, ein silberner Becher, das Protokoll, in welchem die Anerkennung seineS!reuen und eifrigen Dienstes ihren Ausdruck fand. Herr Dr. Lemberger hielt hierauf eine gediegene Ansprache an den - Jubilar, in der er dessen Leistungsfähigkeit und seine treue Hingebung an den Gottesdienst betonte. Hierauf überreichte er eine Adresie vom Ungar. Landes-Bcamtenverein. Tiefgerührt antwortele der Jubilar unter Freudenthränen, wie sehr cs ihm zu wohlthuender Befriedigung gereiche, da er sehe, dass seine Leistungen seitens der Gemeinde Würdigung und Anerkennung fänden, und er dankte mit der Versicherung, dass er auch in der ferneren Zeit bestrebt sein werde, in seiner Amtsthätigkeit die Zufriedenheit und Anerkennung derselben zu erwerben. Am Livreüas-'I'üora-Feste wurde der Tempel zu Ehren des Jubilars hell beleuchtet. Durch den II. Cantor I. Braunfeld wurde er zu Naktir in feierlicher Weise mit Chorbegleitung aufgerufen; nach Abfiugung des Psalm לדוד מזמור/ sprach Herr Rabbiner Adler einen zu dieser Feier verfassten מי שברך der vom Publikum stehend angehört wurde. Der Gottesdienst wurde vom Inbilar versehen und zumeist durch eigene Compositionen verherlicht. Nachmittags brachten ihm der Frauenverein durch eine in Silber gefasste Gratulations- und Anerkennungsadresse, der Chor, der Wer war froher als dieser; nun war auch für Minjan gesorgt. Zehn jüdische Soldaten waren bald gefunden, und nun rückte die kleine Truppen-Abtheilung in das feindliche Städtchen, doch kein Blut deS Krieges, das Blut der Miloh sollte vergossen werden. Ein Musketier brachte das Kind, ein anderer saß zu Gevatter und Musketier Wolf vollzog kunstgerecht die Operation. Gerührt sah Blum ihnen zu und mit bewegter Stimme sprach er: ״Ge'obt sei Golt, der Wunder thut zu jeder Zeit!" Auch der Proviantzug war am Morgen eingetroffen und die Soldaten brachten Speise und Trank in ihren Tornistern mit sich. Und so feierten die Feinde zusammen das frohe Fest; das Gebot GotleS batte sie versöhnt. * * * Der Banquier Wolf in D. saß im traulichen Familienkreise, sein ältestes Töchterchen plauderte fröhlich neben ihm, als ein Wagen vorfuhr und ein Herr, eine Dame und ein bildhübscher Knabe von fünfzehn Jahren ausstiegen. Wer die Fremden waren und wie sie empfangen wurden, ich brauche es nicht zu sagen. Viele Wochen verbrachten die beiden Familien in Heiterkeit und Frohsinn zusammen, und wenn ein Glaubensgenosse in D. die fröhliche Bella mit dem jungen Blum gehen sah, so blieb er sicher stehen und sagte: ״Das sind sie; wer weiß, was noch im Schoße der Zeiten ruht!" M. Israel. Beamtenlörper durch Ueberreichung eines prächtigen Gebetbuches, Tags darauf der Lehrkörper ihre Ovationen. Den Beamtenkörper dankte der Jubilar mit der Versicherung, auch ferner für das Wohl der Cnltusbeamten sein Sckärstein beitragen zu wollen. Im Laufe der Nachmittags liefen Depeschen und Gratulationsbriefe von allen Tbeilen des Landes ja auch vom Auslande ein, und zwar vom Ungar, israel. Cultusbeamtenverein eine Allerkennungsadresse, ferner von den Co liegen: Friedmann und Suschny in Pest, Rabbiner Dr. Goldberg, Dr. Kohn. Sjnger Wien, Bauer Wien, Baer Gothenburg, Moor Prag, weiteres von Arad, Temecvar, Kanizsa, Miskolcz. Essegg, Ketschkemet, Fünfkircken rc. Posen. Zur Unterstützung der unglücklichen jüdischen AuSgewiesenen hat sich in Posen nach dem Vorbilde der Polen ein jüdisches Comit« gebildet, das aus Männern aller religiösen Parteischattirungen zusammengesetzt ist' und bereits mit anerkennenswertber Energi und warmem Eifer seine Thätigkeit begönnen hat. Zunächst gilt es, die unbemittelten Vertriebenen mit einigen Mitteln zur Auswanderung zu versehen, ferner manchen derselben, die bis zum 1. October unmöglich ihre Verhäitniße geordnet haben können, Prolongationen der Frist zu erwirken und ihnen in der Regulirung ihrer Verhältniße beizustehen, endlich aber auch den nun Heimatlosen in anderen wirthlichen Gegenden Unterkommen und Existenz zu verschaffen. Die Erreichung des letzteren Zweckes könnten unsere Glaubensgenossen in der Ferne wesentlich erleichtern, indem sie die Vertriebenen freundlich aufnehmen und ihre Unterbringung in geeigneter Weise oder ihre Weiterbeförderung veranlassen wollten. Es ist dies thatsächlich eine mizwöh, wie sie selten geboten wird; es sind buchstäblich gerim, Dürftige, Witwen und Waisen zu unterstützen und es ist unglücklichen Verbannten eine Heimat zu schaffen. Zur Erlangung näherer Auskunft wolle man sich gütigst an die Comitemilglieder Herrn Rabbiner Dr. Feilchenfeld und Fabriksbesitzer Dr. Samuel Papilsky wenden. Bemerkt wird noch, dass das Comite sich nur für solche verwendet, die im Besitze von Prima-Referenzen sind und für deren moralische Würdigkeit man einstehen kann. Werv-Aork. Am 16. August wurde die neue Synagoge der Congregation Beth-Hamidrasch-Hagodol feierlich ihrer Bestimmung übergeben. Am 7. d. M. nahm die Gemeinde B'nai Israel (Russisch jüdische Gemeinde) in Baltimore die Einweihung ihres Gotteshauses vor, wobei Herr Dr. Schueeberger die Festrede hielt. Das Gebäude enthält im ersten Stock eine Schule, im zweiten die für tausend Personen berechnete Synogoge. In Reading endlich wurde der jüdische Tempel Oheb-Scholom eingeweiht. Die russisch-polnischen Juden in Montreal (Canada) Haben am 1. August ihren Friedhof eingeweiht. Herr Taxe sprach hierbei einige'Worte in deutscher Sprache, worauf Neb Marks die Weihrede hielt. Die russisch-polnischen Juden besitzen bereits eine eigene Synagoge und haben eine Unterstützungs-Gesellschaft gebildet. Livorno. Unter den Juden Italiens und nicht minder unter clerikalgesinnten Katholiken des Landes erregte ein Artikel der ultramontanen ,Ilrrita catolica* * in Turin vom 29. v. M. großes Aufsehen. Dieser an leitender Stelle gebrachte Artikel behandelt die Stellung des General-Directors im Ministerium -des Auswärtigen in Rom, Comendatore Giaeomo Malvano. ^Das Jesuitenblatt lobt den betreffenden Heirn, seine Fähigkeiten und Leistungen ungemein und spricht die Hoffnung aus, er werde sich noch einst in den Schoß der katholischen Kirche aufnehmen lassen (sie!) Inzwischen ist es der Unita catolica aber schrecklich, einen Juden an die Spitze des Auswärtigen Amtes zu wissen, und sie schildert seinen Einfluss dahin, dass die Diplomaten sich an ihn, den Juden, zu wenden hab en, wenn sie auswärtige Angelegenheiten besprechen wollen; ihm wurde die ma-