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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-10-08 · Heft 34 (8.10.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 34 (8.10.1885)
Date
1885-10-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— -5= — ibr ganzes geistiges Pfund, ihr ganzes Können und Wollen eingesetzt, um ibrcm heiligen Berufe Ehre zu bringen. Nun, diesen wohl unberechtigten Vorwürfen soll mann- Haft entgegen getreten werden. Wie und auf welche Weise dies nachzuweisen, sei unsere bescheidene Aufgabe im nächsten Artikel. (Fortsetzung folgt.) Ausruf der ilrael. Allianz ju Wien. Der Vorstand der isr. Allianz zu Wien hat an unsere Glaubensgenossen folgenden Aufruf ergehen lassen: Sckou seit längerer Zeit wollten wir einen Aufruf an Euch -ergeben lassen, um eine allgemeinere Mitwirkung zu den genugsam bekannten Zwecken unserer Allianz zu erlangen. Die Veranlassung hiezu ergibt sich aus der Dringlichkeit, diese Zwecke, wie sie in unseren Statuten klar vorgezeichnet sind, mit allem Nachdrucke zu verfolgen. Der Schwerpunkt unserer Thätigkeit liegt aber in der Förderung des Schulwesens, somit in der Hebung des Unterrichtes insbesondere für jenen Theil unserer Glaubensgenossen, welche durch religiöse Bedenken befangen, die Nothwendigkett des Schulzwanges nicht anerkennen und ibre Kinder von dem Besuche öffentlicher Schulen fortdauernd abhalten. Dieses Land, welches bisher mit ungewöhnlicher Hartnäckigkeit an den bisherigen Traditionen des jüdisch-landesüblichen Schulwesens festhielt, ist Galizien, wie wir dies bereits in unserem vorjäbrigen Berichte rückbaltslos geschildert haben. Wir baben uns zur Aufgabe gestellt, im Vereine mit gesinnungstüchtigen Glaubensgenossen in Galizien Alles aufzubieten um die schulpflichtige Jugend der öffentlichen Schuk zuzuführen ohne sie irgendwie dem erweiterten Unterrichte im Hebräischen zu entfremden. Um diesen angedeuteten Zweck zu erreichen, haben wir im vorigen Jabre in Lemberg unter kostspieligen Opfern eine Uebergangßsckule, für welche täglich das Oeffentlichkeitsrecht erwartet wird, errichtet. Die Resultate dieses Versuches sind zufriedenstellend. In jüngster Zeit aber sind an uns von so vielen Seiten aus Galizien dringende Anforderungen gestellt worden, dass wir mir dem besten Willen bei unseren höchst beschränkten Mitteln den Bitlen und Wünschen nicht entsprechen kennten weil wir unseren Ausgaben kein entsprechendes Aequivalent der^Einnahmen entgegenstellen können. Galizien mit seinen vielfach beilbedürftigen Zuständen hatte wohl schon seil einigen Jahren unsere wärmste Beachtung auf sich gezogen und wir hatten uns auch mit wohlgesinnten und eifrigen Männern dieses Kronlandes in Verbindung gefetzt, ja auch mit den י orgesetzten Behörden Fühlung gewonnen, um wenigstens die erftcii Einleitungen zu treffen. Allein der schwere Kampf, den wir einerseits mit Mistverständnistcn und Vorurtbeilen, anderseits mit dem Mangel an selbst für den ersten Anfang zureichenden Geldmitteln zu bestcben ballen, bereitete unserm Streben Hemmniste und Verzögerungen, und wenn gleich dasselbe schon zu^Ende des vorigen Jahres festeren Fust gefasst hatte, so nahmen wir doch Anstand, Euch für unser, wenn auch anssichtsvolles, bloßes Wollen in Anspruch zu nehmen. Das aber bat sein Gutes gehabt. Denn ans dem vorliegenden Berichte über die von uns getroffenen Einleitungen werdet Ihr hoffentlich mit Befriedigung entnehmen, dass es nicht mehr bei dem blosten Wollen geblieben ist, dass vielmehr dasselbe zu kräftigen, mit Erfolg gekrönten Resultaten, nach drei Hauptrichtnngen: Schule, Handwerk und Ackerbau geführt hat, dass die Stimmen, die mistverständlich sich erhoben hatten, nun zu unseren Gunsten ertönen, und unsere früheren Gegner zu Anbänger geworden sind, namentlich die gelammte maßgebende Presse des Landes unserem Thun und Lassen einstimmigen Beifall zollt. Ihr werdet aber auch zugleich entnehmen, dass das so dringlich angezeigte Weiterschreiten auf den eingeschlagenen Bahnen weit umfassendere Mittel beansprucht, als uns zu Gebote stehen, Mi Dijon. Skizze aus dem Deutsch-französischen Ariege! 870/7 s. Es war gegen das Ende des großen Krieges; Frankreich hatte alle seine Kräfte aufgeboten, den siegreichen Feind zurückzudrängell: vergebens. Der Muth der Verzweiflung hatte sich der tapferen Schaareu bemächtigt, die Garibaldi zu Dijon vereinigt hatle. ״Die jungen Söbne der Freiheit," wie sie ibr Führer genannt, kämpften wie Löwen, und die wüthige Erbitterung der Feinde hatte sich auch den deutschen Truppen mitgetheilt; die Kämpfe bei Dijon waren die blutigsten und entsetzensreichsten des ganzen Krieges. » Die Bewohner von Dijon, noch viel mehr aber die Bewohner der Srädtchen und Dörfer in der Nähe der Festung, befanden sich in der grauenerregendsten Lage; abgeschlossen von Außen, quälte sie der Hunger und raffte nieder, was die zerplatzenden Granaten, die einstürzenden Häuser verschonte. Eben tobte der Kampf am heftigsten um eine dieser kleinen Vorstädte, dieselbe war fast genommen und immer mehr wurden ihre tapferen Vertheidiger zurückzedrängt. Leon Blum, ein junger Kaufmann, der erst vor Kurzem dorthin gezogen war, hörte nicht auf das wilde Tosen draußen. Bleich, mit eingefallenen Wangen, ging er einher, sein eigenes Elend nicht füblend bei dem Anblick seiner schwerkranken Gattin. Esperauce war vor drei Wochen von einem gesunden Knäblsin genesen, doch Aufregung, Hunger und der Kummer, dass es ibr nicht vergönnt war, ihren erstgeborenen Sobn zur vorgeschriebenen Zeit in den Bund der Väter aufnehmeu lassen zu können, hatte die Wöchnerin auf dem Krankenlager festgehalten. Nnr drei Juden wohnten in dem Städtchen; unter ihnen war Keiner, der die Beschneidung hätte vornehmen können. Leon war hinweggegangen, eNvas Nahrung für seine Gattin zu suchen; die Kranke lag halb schlummernd, als ein Trupp feindlicher Soldaten in's Zimmer-Dürzte. ״A manger,“ brüllte Einer vdn ihnen; diese Armen ent׳- kehrten, bei der heftigsten Anstrengung, seit einem Tage selbst jeder Nahrung; der Proviantzng war ausgeblieben und die Soldaten durchsuchten das eroberte Städtchen, ob sic etwas zu essen fänden. ״Es ist kein Bissen im Hause/' erwiderte die Kranke zitternd. ״In einem solchen Hause, wie dieses, kein Bissen," entgegncte ein Anderer, ״man sagt überall, dass hier noch Vorräthe seien; gesteht, Ihr habt sie versteckt, dass wir sie nicht stnden sollen, wo habt Ihr sie?" ״Es ist wirklich Nichts hier," jammerte das kranke Weib.

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