Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-09-17 · Heft 32 (17.9.1885) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 32 (17.9.1885)
Date
1885-09-17
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/1304829-3452999-3453031--1485-3455631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

sagt Zeremias: ״האין עוד חכמה בתימן י. Ist denn keine Weisbeit in Tbrman mebr? Der Profct leite! seine an Edom gerichtete Nede mit einem gelungenen Worspiele ein, die Pointe liegt in dem Worte .Theman', welches die Hauptstadt Jdumäas, ursprünglich aber Süden bedeutet. (Jerem. 49, 7.) In Hiob beißt es deutlich- ,מצפון זהב יאתה Von Norden kommt Gold' (37, 22). Der Talmud lehrt ebenso: ,Wer weise will werden, wende sich nach Süden, (d. b. nach der Erklärung des Aruch, er gebe zu den Weisen im Süden und lerne von ihnen, weise sein) wer reich werden will, wende sich nach Norden. (B. bathra 25, b.) Der Weisen des Südens wird im Talmud zu wiederholten Malen Erwähnung gethan, so z. B. gibt ihnen Alexander von Macedonien zehn versängliche Fragen zum Lösen aus. (Tr. Tamid 32) . Aus dem bisher Gesagten geht hervor, dass die alten Hebräer sich die Weisbeit als von Süden, den Reichthum als von Norden kommend dachten. Salomo war von Gott mit beiden Gütern bedacht׳worden, er wollte diese besondere Gnade Gottes durch ein sichtbares Zeichen im Tempel verewigen. Darum errichtete er in der Vorhalle zwei Säulen: eine gegen Süden, die aus die Weisheit, und eine gegen Norden, die aus den Reichlhum hindeuten sollte. Der Schlüssel zur richtigen Lösung dieser Frage liegt also in den Wörtern ״hajemini, haszemoli*‘, die sicherlich nicht ohne Grund in den Büchern der ׳Könige und der Chronik hervorgehoben werden. Die Namen Jachin und Boas, mit Lenen die Säulen benannt wurden, bestärken uns noch in dieser Anssassung, denn eS werden in der heiligen Schrift nur solche Dinge mit Namen benannt, die als Erinnerungszeicheu dienen sollten, wie dies aus dem Steindenkmaie Jakots und Labans und dem von Moses erbauten Altar (Exod. 17, 16.) genügend ersichtlich ist. Wohl ist uns die Bedeutung dieser Namen unbekannt, und vergebens spüren wir dem Causalneruß nach. Verwendete Salomo Namen seiner Ahnen, oder seiner Zeitgenossen? Oder ist Zachin, BoaS tendenziös zu deuten wie etwa: יבין er (der Weise) wird errichten, בועז in ihm (dem Reichen) ist Macht? Dieses muss dahingestellt bleiben, uns ge- - nügt die Kenntnis des Grundes, der Salomo zur Errichtung der Denkmäler veranlasst hat. Und nun wenden wir uns zu der anJocbanan gerichteten Anrede. Die Schüler gebrauchten den Ausdruck: הימיני־ Raschi weiß denselben nicht anders zu erklären, als indem er bemerkt: Die Rechte ist immer der Linken vorzuziehen. Die Richtigkeit dieser Bemerkung zugegeben, welche Bewandtnis hat es hier mit der- Säule überhaupt? Die Antwort ist nach unserer Auffassung leicht gegeben. Die Schüler sahen in Jocbanan nicht nur den großen Schriftgelebrten, sondern auch den weitschenden W e i s e n. Sie waren ibm diese Erklärung schuldig, weil man aus dem Berichte in Gittin 56, b. schließen könnte, dass die Einsicht des Meisters in deffen Alter abgenommen babe. Bildlich ausgedrückt konnten sie keine passendere Bezeichnung, als das von Salomo der Weisheit geweihte Symbol wählen. עמוד הימיני ift dahei io viel als: südliche Säule, großer Weise. Aus unserer Erklärung folgt, dass die Bedeutung dieser Denkmäler Salomo's unmittelbar nach der Zerstörung des zweiten Tempels dem Gedäcktniße noch nicht entschwunden war, denn nur so konnte die hier gekennzeichnete Anrede als das gelten, was sie wirklich sein wollte, nämlich als ein Herzenserguss der Schüler gegenüber ihrem Meister. Wir schließen unsere Erörterung mit dem Ausspruche Rabbi Josna's: ,Der Mensch wende sich immerhin nach Süden, denn wenn er weise wird, wird er auch reich werden!' Wer weise ist, wird auch zufrieden sein, und der Zufriedene kann wohl reich genannt werden. Die Juden in England. Aus der ״Bohemia". (Fortsetzung.) Sehr wunderbar wird der Deutsche durch eine Bewegung berührt, die seit fünf oder sechs Jahren g׳׳oße Kreise durchzogen hat. In einer Zeit, deren Strömung auf dem Continent den Juden so sehr entgegen ist, hat nämlich in England ein Mr. Eine Episode aus dem Leben eines Cantors. Von W. Wntner, Cantor und Lehrer, Bunzlan, Preußen. ,Gott sei Dank! Mein Examen als Cantor und Lehrer habe ich glücklich überstanden, die Zeit der Entbehrungen ist vorüber, ich bin ein gemachter Mann!' So sprach voll Entzücken, die Zeitung vor sich haltend, Herr Hammerstein. ,Sieh' da — in P. wird ein Cantor und Lehrer gesucht, 300 Thaler Gehalt, aber die Nebenämter und die Nebenbedingungen: Bchochet, Baal Kore, Baal-Tokea, Regenschori, Gemeindeschreibet: und Nikvve-Verwalter rc., intermistische Anstellung und keine Reisespesen. Ja, die Gemeinden wissen wirklich nicht inehr, was sie wollen, noch was sie sollen — und für 300 Thaler Gehalt 1' Trotzdem reicht H. seine Bewerbung ein und wird zur Probe berufen. Woher das Reisegeld nehmen? — Unser Freund schlägt nun alles Entbehrliche und Unentbehrliche zu Gelde, benutzt den nächsten Bahnzug und glücklich langt er in P. an. Wer kennt nicht all die Mühseligkeiten, welche eine solche Probefahrt mit sich bringt. Besuche abstatten, Chor einüben, mit den Minhagim der Gemeinde sich vertraut machen und womöglich noch einen homiletischen Vortrag studiren. Alle Vorkehrungen waren getroffen, die entscheidende Stunde gekommen. Zur größten Zufriedenheit hatte H. gesungen, gelesen, gepredigt, | geschrieben, und gelehrt und eine provisorische Vocation unterzeichnet. Pro studio et labore. Zum Glücke war eine Rückreise nicht erforderlich, denn das Amt war sofort zu besetzen; auch hatte H. alle seine Habseligkeiten in einem Handkoffer mitgebracht. Nun hieß es sparen; alte Rückstände mussten beglichen werden, denn wenn es auch heißt: al tiskor lonu awonos rischonim, so achten die Menschenkinder auf solche Schmerzenslaute dennoch nicht. Der Zwang ' zum häuslichen Leben lag also schon in der beständigen Ebbe des Geldbeutels, da die p a a r Thaler immer gleich von der Miethe und den dringendsten Schulden aufgezehrt wurden, und es konnte nicht Wunder nehmen, dass Herr Hammerstein sehr solide war und bald auch in der ganzen Kebila deswegen gerühmt wurde. Namentlich hatte sein Wirth. der Dajin Reb Veitel, eine rechte Freude an dem fleißigen Cantor und ergriff gerne jede Gelegenheit, mit ihm ein gelehrte Unterhaltung zu pflegen, denn Reb Veitel liebte auch die moderne Wissenschaft und war kein Heuchler/ Eines Abends — Reb Veitel saß bei der Gremarah, seine biedere Frau und sein achtzehnjähriges Töchterlein waren mit Handarbeiten beschäftigt — klopfte es an der Thüre und auf ein mehrstimmiges ,Herein׳ trat Herr H. ein. Als er jedoch dieses schöne, patriarchalische Bild sah, wollte er sich mit den Worten: ,O, ich störe' entfernen, das litten aber die freundlichen Leute nicht und holten den bescheidenen Mann von der Thür zurück:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.