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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-09-17 · Heft 32 (17.9.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 32 (17.9.1885)
Date
1885-09-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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— 3 — Ist im vergangenen Jahre wegen staatlicher Anerkennung des Cantorenstandev eine Thätigkeit eingeleitet worden, welche die diesbezügliche Ansicht der Negierung sondirte? In Frankreich ist der Cantor als mivistre oküciante Staatsbeamter, der sein Gehalt von der Steuercassa erhält und eine hochgeachtete Stellung einnimmt; in Württemberg is! der Vorsänger offizielle Personlichkeit, und der Stuttgarter Obercantor hat Sitz im Kirchenrathe; im deutschen Elsaß-Lothringen ist die Stellung der Cantoren die alte wie unter französischer Herrschaft geblieben, wie mir Obercantor Drcyfuß in Mühlhausen versichert. Wir verlangen vom Staate keine materielle Unterstützung, obwohl wir auch eine Congrua-Vorlage benöthigten, wir beansprnchen staatliche Anerkennung a) als Mitglieder der Seelsorge, b) als Cultusfunctionnäre, c) als Gemeindebeamten. Wir müssen die staatliche Anerkennung zu erreichen trachten und nicht ruhen bis sie erlangt, das wird unserem Stande in den Augen der Gemeinden ein neues Relief geben. Eine Bezirkshauptmannschaft kennt entweder den Cantor als Herrn Lehrer, oder sie stellt sich ihn als Kirchensänger und Vorbeter vor, wie bei einer protestantischen Gemeinde. Rabbiner und'Lehrer sind Leute des Staates, der Cantor ist eine für die offizielle Welt nicht gekannte, nickt vorhandene Persönlichkeit. Der Cantor fungirt das ganze Jahr, er betet als Erwählter und Abgesandter für die Gemeinde, hat Functionen von der Geburt seines Glaubensgenossen bis zum Grabe, er liest die Thora, giebt den Neugeborenen den hebräischen Namen, sprickt den Segen für Kranke und Constrmanden, betet für Verstorbene und am Grabe des Verblichenen , nimmt die Eheo.'.kündigung vor, vertritt oft Rabbiner und Prediger, und das sollte nicht anerkannt werden? Ja, der Staat müsste in kleineren Gemeinden das Vorhandensein des Cantors als voll׳ kommen genügend anerkennen, wenn dieser den Religionsunterricht zu ertheilen im Stande ist, und so wie in Deutschland, in der Rhein-Pfalz sich mit einem Landesrabbiner, der die Aufsicht führt, begnügen. Welche freudige Aufregung erregte in den kleinen Ge׳ meinden Böhmens der Ausspruch des Verwaltungsgerichtshofes in der Znaimer Rabbiner Affaire, dass nicht jede Gemeinde einen Rabbiner haben müsse! Früher war man der Ansicht, dass jede Cultusgemeinde einer Rabbiner haben müsse, und schon sehen wir Eger, Marienbad, Schüttenhofen, Horacdelowitz nur von Cantoren besetzt, die auch den Religionsunterricht ertheilen, und bald wird eine größere Gemeinde diesem Beispiele folgen, wie auch in Znaim statt Herrn Dr. Grün, der in Hohenems amtirt, ein würdiger College die Znaimer Cultusfunctionen ver׳ sieht. Wenn nun die hohe Regierung im Administrativwege den Cantoren die Anerkennung, als zur Seelsorge gehörig, ertheilt, dann wird zur Norm, was heute nur im Wege der Gnade und durch Bitten des betreffenden Cultus-Vorstandes und Protection des Bezirksrabbiners mit vieler Mühe erreichbar ist. Die Regierung wird sich an den Cantor ebenso gewöhnen, wie sie bis jetzt gewöhnt ist, im Rabbiner allein den jüdischen Clerus vertreten zu sehen. Es ist keineswegs meine Absicht, gegen die Herren Rabbiner etwa Front zu machen, ich bin im Gegentheil ein Verehrer des ehrwürdigen Rabbinerstandes und eben darum hege ich auch die vollste Zuversicht, dass diese hochgeschätzten Herren unsere Bestrebungen unterstützen und uns in denselben förderlich sein werden. Emil Fränkel, Strakonitz. Notyen über R. Jochmmn den Sakai. Von I. Steiner in Leva. (Sckluss.) Wir kennen die Bedeutung der Namen: Jackin, Boas nicht, nock wissen wir. welches Motiv zur Wabl derselben führte. Es hat sich wohl um die Lösung oiescs Näthsels eine kleine Lineratur gebildet, aber die gegebenen Erklärungen sind mehr als Versuche denn Erklärungen anznseben. Raschi, dieser klardenkende, feinfühlende Commentator, übergehr die Stelle im Buche der Könige mit Stillschweigen, nicht so der ihm zuzeschriebene Commentar zur Chronik. Hier werden zwei Erklärungen gegeben, ein sicherer Beweis, dass diese Schriften nicht von einem und demselben Verfasser berrühren. Im Sinne der einen Erklärung wäre Jachin und Boas auf Grund einer, nicht gerade einleuchtenden Deduclion auf Sonne und Mond, als Embleme der davidischen Dynastie, zurückzuführen; die andere Erklärung, die auf noch schwächeren Stützpunkten ruht, will die beiden Säulen nach den Urahnen der beiden Tempeierbauer benannt wissen, u. zw. Jachin nach dem Ahnen Chirams (Simson), der den Dagontempel durch Erschütterung seiner beiden Säulen zum Sturze brachte, und Boas nach dem Vater des Obed. Nach Nedak bedeutet יכין : dieses Haus wird ewiglich besteben, und בועז in zwei Wörter zerlegt: Gott verleihe ihm Mackt. Beftändigkeit. Graetz nennt diese Ethymologie abgeschmackt. (Geschichte der Juden I., 315.) Andere sehen in beiden Namen bcrvorragende Zeitgenossen verewigt. Wie die Verfasser der großen englischen Universalgeschichte vermulhen, sollen sich auf beiden Säulen Inschriften befunden haben, und soll die eine Inschrift mit .Jachin', die andere mit .Boas' begonnen haben. Dem widerspricht aber der Wortlaut der heiligen Schrift, wo es heißt: .Er errichtete die rechte Säule und nannte ihren Namen ..." Auch über den Zweck dieser Säulen ließ sich eine Meinung vernehmen. Nach Michaelis sollen sie mit ihren Ketten und Knäufen Blitzableiterdienste geleistet haben. (A. Humboldt, Kosmos II., 417.) Man sieht, dass die Bedeutung dieser Namen ein Geheimnis ist und bleiben wird, und dass es ein vergebliches Bemühen wäre, den Schleier desselben zu lüften. Etwas anderes ist es mit dem Motive, das Salomo bewogen haben mag, diese zwei reichlich verzierten und mit vielem Kunstsinn ausgeführten Säulen zu errichten. Bei Eruiruug diefes Motives soll uns die aus Berachoth angeführte Anrede als Stützpunkt dienen. Salomo erbat sich von Gott Weisheit, Gott aber belohnte seine Bescheidenheit und verlieh ihm Weisheit und Reichthum.' Ich glaube, dass der König durch die beiden mehrfach erwähnten Säulen diesen zweifachen Segen Gottes zum Ausdruck bringen wollte. Zunächst muß bemerkt werden, dass Ausdrücke, wie ,rechte, linke" bei Sänlen nicht gut anwendbar sind, denn, was dem Kommenden rechts, ist dem Weggehenden links und vice versa. Ich verstehe vielmehr unter עמוד הימני die nach Süden, und unter עמוד השמאלי die nach Norden zu stehende Säule. Rechts und links werden im Hebräischen öfters als Be- Zeichnungen für Süd und Nord gebraucht. So übersetzt Mendelssohn den Satz צפון וימין אתה בראתם (Psalm 89,13.) ״Du schufest Mitternacht und M l t t a g", so gibt Onkelos:אשר משמאל לדמשק (Gen. 14,15) folgerichtig mit די מציפונא לדמשק wieder. Im Alterthume dachte man sich den Süden als den Sitz der Wahrheit und den Norden als den des Reichth ums. Darum

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