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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-29 · Heft 30 (29.8.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 30 (29.8.1885)
Date
1885-08-29
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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ten Lichte nnserem geistigen Auge vorbält, so dass ibr Abglanz auf unsere Herzen fällt. Sie weckt und nnfait und kräftigt in uns besonders die Liebe zum ibeucren Vaterland und mit ibr die treue Anhänglichkeit an den angestammten Mouarcken, indem sie in unvergänglichen Bildern die Helden preist, die für Kaiser und Vaterland gekämpft und gelitten,; indem sie in wundersam liebticven Farben die beimattlcheu Gefielde uns malt, wo wir die erste Blume gepflückt, die erste Freude ge-׳ noffen, wo uns zuerst die neue Hand des Vaters geführt, die herzliche Li.be der Mutter bewacht, wo durch weise Lehren in Tempel, Schule und Haus die ersten Keime des Guten zu unfercm zeitlichen und ewigen Glücke in unser Znneres gepflanzt wurden, wo unser Herz zuerst in zartem Empfinden sich der Freundschaft geöffnet hat. Dr. YV.1\ Die Entwicklung -er Volksschule. Studie von S. Hliesenfeld in Schaffa. Das Ziel der Bilonng und der Wissenschaft ist die Sittlichkeit. Gott und Meulch sind zwei incommeniurable Größen und werden iusolangc nicht in Einklang gebracht werden können, als man die Mlssion des Menschen ans Erden nicht richtig aufzufassen weiß. Wir können uns dann als Ebenbild Gottes geriren, wenn uns das ernste Streben durchürinzt, in ethischer Hinsicht dem höchsten Wesen ähnlich zu werden, dessen Eigenschäften nur annäherungsweise an uns zu bringen; der Besitz eines Schattens dieser Eigenschaften lässt uns die höchste Stufe menschlicher Vollkommenheit erreichen. Da aber der Endzweck menscvllchen Strebens nur durch Erziehung vermittelt werden kann, ist cs gerathen, von Zeit zu Zeit.Umschau über das Erziehuugswcsen im Allgemeinen zu halten, es in seinen verschicdenen Pbasen zu beleuchten und ein Streiflicht auf ältere und neuere Epochen zu werfen. Im griechischen Älterthume waren cs insbesondere Spana und Athen, die frühzeitig in das Rad der Geschichte cingriffen; in beiden Staaten war die Erziehung ein Gegenstand ernsten Nachdenkens und reiflicher Ueberlegung, nur mit dem Unterschiede, dass man in Spaita den Staat über das Zndividuum stellte, während Athen die Ausbildung des einzelnen Bürgers, eingedenk der menschlichen Würde und des Selbstbestimmnngsrechtes, um dessentwillen bewerkstelligte. Die Erziebung war dort demnach Zweck nicht Mittel. In Athen war die Bildung des Geistes vorherrschend, hingegen in Sparta die Ausbildung des Körpers, hier wurde die kriegerische Tüchligkeit hervorgekehrt. So.stand das musische Element dem gymnastischen gegenüber. Bis zum 7. Lebensjahr; blieb das Kind im elterlichen Hause, nachher wurde es in Sparta in's K n a b e n h a u s, in Athen in's Pädagogium gegeben, Anstalten, welche eine gemein״ schastliche Erziehung ermöglichten. Die Knabenführer (Pädagogen) waren in der Regel Sklaven, daher ist mit größter Wahlscheinlichkeit anzunehmen, das Pädagogium sei außerhalb der staats lichen Verwaltung gestanden. Jn's Gymnasium ging der Knabe nach zurückgelegtem 12. Lebensjahre. Hier wurde ansänglich — wie schon der Name besagt— Gymnastik getrieben, allein in Athen entwickelten sich diese Anstalten zu einer Stätte geistiger Cultur, sa einzelne konnten den Rang einer Hochschule für sich in Anspruch nehmen. Sparta war allerdings kein Boden für die Pflege höherer Wissenschaften; Rhetorik und Dramatik waren ausdrücklich verboten, als Compensation hierfür hatte man den Diebstahl für harmlos erklärt — freilich mjr unter gewissen Umständen. Solon wusste, der Bestand eines Staates hänge von der Beschaffenheit seiner Bürger ab und drang daher auf Aneignung elementarer Wissenschaften. - Selbst die Armen mussten S ch w i m m e n und Lese 11 lernen; im Anschlüsse Landbau oder ein Handwerk. Den Neichen empfahl ec: Musik, .Poesie, Mathematik und Philosophie. Thaisächlich war in der Blürhezeit Athens, die Volksbildung eine allgemeine und keine Stadt der Welt hat für die Veredlung des Menschengeschlechtes so viel ge» leistet wie Athen. Im römischen Älterthume war der Vater Lehrer seiner Kinder, seine Ausgabe ar, das Kind zum praktilchen Geschäfte, sowie zu einem ehreubasleu Verhallen im öffentlichen Leben anzuhatten. In vornehmen Häusern hielt mau: eustos, com68 und pädagogos. Nach der Verbreitung des Christenthums halte das Kaicchnmenat für die Beibringung christlichen Glaubens zu sorgen, während der weliliche Iugendnnterricht im ganzen christlichen Alterlhnme den Ellern und Hauslehrern überlassen direb. Zm Mittelalter entstanden Kloster-. Dom- und Parochialschulen. Das Lebrsystem der Klosterschulen gliederte sich, zum mindenen principieli, in die sieben freie Künste. Das populäre trivium wurde wahrscheinlich besser eingebalten und Hane solgendeö Schema: 1) Religion 2) lese n, schreiben (Grammatik) 3) N e ch 11 e 11 (Arithmerikj, Gesang. Die Kiosteischnlen waren der Mittelpunkt regster Gelehrsamkeit und müssen injolange als hochachtbare Lehrveranstaltungen angesehen werden, als sie ihrer eigentlichen Bestimmung, Bildung und Wissen zu verbreiten, vollauf gerecht wurden; von der Stunde aber, da in dem Boden der Klosterschulen die Scholastik Wurzel fasste, erlitten sie in ihrem Ansehen bedeutende Einbuße. Wie denn anders? — Ei!! Lebrversahren, das in Spitzfindigkeiten gipfelt, ein System, welches die blinde Autoritär, das Dogma zur Voraussetzung hat, kann auf die Dauer unmöglich floriren. Die. berühmtesten Klosterschulen fanden sich in St. Gallen K 11 l d a und Reichenau am Bodensee. ״ ׳ Die D 0 m schul eu (Stists-Kalhedralschulen) Waren ltrsprünglich geistliche Seminare an Bischofssitzen (Salzburg, Regensbura, Passau, Worms und Mainz). Sie konnten sich nie zur Höhe der Klosterschulen emporschwingen. Die niedrigste Abstnsnng war die P farr s ch 11 (e. Bis auf Kail den Großen haben die Landpfarrer für den Unierricht wenig geiban; in ihrer Lethargie wurden sie von einem großen Tbeile des Adels unterstützt, der die Schiilkenntniße unmännlich fand und selbe sogar verachtete. Kart der Große hingegen verwies sogar die Elemente der Bildung: Leien, Rechnen 2c. in die Räume der Kloster- und Domschnlen. Sein Eifer musste aber ohne Nachhalt bleiben, weil man einerseils die Gelehrsamkeit nur in engeren Kreisen pflegte, andererseits das Bestreben prävalirte, Machlsragen zu lösen, mitnichten aber Culiur» fragen. Um diese Zeit beschäftigten sich mit dem Elemeniarnnterrichte die Ben e d i c t i n e r, im 13. Jahrhunderte die Franziskaner und Dominikaner. Allgemein und wohl organisirt war dieser Ordeiisunterricht allerdings nichl.— Die eisten Bürgerschulen waren in Hamburg und Lübek (12. Jahrhiinderr), in Breslau (13. Jahrhundert), in Süddeutschland: Augsvurg und Nürnberg: sie hießen auch Lateinschulen, S ch r e i b s ch u l e n. Diese Bürgerschulen, anfänglich nur für Knaben bestimmt, bildeten fortwährend den Zankapfel zwischen den Magistraten und Prälaten. Die Unterrichtssprache war lateinisch, ein Factum, welches den volkslhümlichen Charakter der Anstalten in bedeutendem Grade beeinträchtigte. Wo die städtische Obrigkeit d as Patronat behauptete

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