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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-21 · Heft 29 (21.8.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 29 (21.8.1885)
Date
1885-08-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Eine solcbc tiefer greifende Tragödie führt uns der geniale Dichter in seinem Buck mit drastischem Coloril vor. Der Schauplatz ist Krew 0 ~אל תקרא כיערו אלא םא) Der Inhalt ist folgender: ,Mirjam, bi* Tochter des reichen Aminadab in Kiew, stebr kurz vor ibrem Hochzeitstage, da wird ihr Bräutigam Don den ruffircken Antisemiten erschlagen, ihr Vater verwundet, -ausgeplündeit, mit Noch rettet sie und ihre Mutter sich aus der Gewalt der roden Horde. Da kommt Joeser, ein Jüngling ,aus Oesterreich'. als Gast zur Hochzeit in Kiew und trifft statt der Hochzeit die Notb und Jammer. -Er (der Jüngling) nimmt sich der unglücklichen Familie an, heiratet schließlich Mirjam und nimmt sie jammt den Jorigen nach Oesterreich mit.' In eckt klassischem, gediegenem Neuhebräisch, in vollendeter dichterischer Knnstform entwirft uns der Berfaffer ein wahrheitsgetreues, erschreckend ähnliches Bild; sein Styl ist elegant und gewandt, seine Dictron natürlich und leicht fließend', so dass man beim Leien seiner Werke unmöglich glauben kann, dass die hebräische Sprache längst aufgehört hat, eine ,lebendige" zu sein. Außerdem übersandte mir Herr Atlaß freundlichst ein kleines Werkchen, betitelt: 'רחש,* לב* welches in schönen Gedichten mit großer Begeisterung die seltenen Tugenden und die unermesslichen' Verdienste Sir Moses Montestore's und anderer berühmter Männer besingt. Der-Preis ist sehr niedrig und der Ertrag zu wohltdärigen Zwecken bestimmt und zwar aus Wunsch Sire M. Montestores זצ׳ל für die Armen des Heiligen Landes. Ich kann diese werthvollen Meisterwerke allen Freunden der hebräischen Sprache nur bestens empseblen. ׳ A. ß a b e cf, Cottbus. Kleine Chronik. Schaffa- Mähren. Am 17. Juli l. I. wurde hier das Schuljahr feierlich geschloffen. Um 8 Uhr Morgens versammelten sich sämmtliche Kinder der Anstalt, festlich gekleidet, im Lehrzimmer der. ersten Claffe. Als Feftgäste erschienen: S. Wolg. Herr Bürgermeister David Wallisch, S. Wolg. Herr Bernhard Kollmann, als Obmann des Ortsschulrathes und S. Ehrwürden der Herr Rabbiner. Aus Versehen wurde die Schlnssfeier nicht rechtzeitig publicirt, was eine schlechte Frequenz seitens des Publikums zur Folge hatte. Ein Schul- Mädchen begrüßte in schwungvoller Rede die Versammlung, worauf die programmmäßig sestgestellten Gesangs- und declamatorischen Vorträge zur Aufführung gelangten. Selbst das kleinste Mädchen, das jüngste Knäblein hatte ein Gedichtchen, sinniges Sprüchlein rc. in. Bereitschaft, so dass durch die vielseitige Bethätigung an der Feier. die Kindergesichter ihre innere Freude ungetrübt wiederspiegelten.- Nachdem die Volkshymne abgesungen worden war, hielt Herr Riesenfeld Rückschau über das abgelaufene Schuljahr nach Fortschritt und Gesittung. Anknüpfend an Len alten Satz: Nicht für die Schule, sondern für's Leben soll man lernen, forderte er die Schüler aus, fleißig zu lernen, 1 Stunde oder 2 während der Ferien (mm dies sine lmea), hauptsächlich aber darauf zu achten, dass das sittliche Verhalten stets gut und correct genannt werden könne. — Bei derartigen Gelegenheiten bemerkte man,-dass selbst daß verstockteste Kind den Worten des Lehrers lauscht- und gewissermaßen stillschweigend Ge׳ löbniße eingeht. Deshalb sollte der Schule eine Schlussfeier, weil sie DiLciplinaruiittel-der guten Seite in sich schließt,-nie fehlen. Freilich fehlte Heuer die Bewirthung der Schüler. -Wiesagte Einer 7 ,Kann man Ehre essen?" — Nein, nächstes Jahr, so Gott will, Kipfel und Bretzeln..— Unsere Jndustriallchrerin, Fräulein Bertha Kurz, exponirte die > während des Schuljahres zustande gebrachten Handarbeiten. Die Gruppiruug der letzteren war um so hübscher, als an jeder Leistung der Name der Verfertigerin .angeheftet worden war. Einzelne Arbeiten waren besonders schön und zeigten viel Geschmack und Fleiß. Es ist nur noch wünschenSwerth, _bafs die Theilnahme der die Mädchenarbeiten besichtigenden Damen eine regere wäre als Heuer. Dachau. Zwei Mitglieder dieser Gemeinde haben gegen den ihnen vom Cultusvorstande zugewiesenen Cultus-Beitrag eine Beschwerde bei der k. k. Bezirkshaüptmannschaft eingebrackt. Die Klage wurde einfach zurückgewiesen. Hierüber wurde von den Klägern der Recurs an die hohe k. k. Statthalterei ergriffen. Der Bescheid, den die Kläger darauf erhielten, lautet wie folgt: ,Inhaltlich des Erlasses vom 21. Mai 1885 Zahl 20157 ist die hohe k. k. Statthalterei nicht in der Lage, diesem Neeursbegehren zu willfahren, uud zwar aus folgenden Gründen: Nach § 18 des Judenpatentes für Böhmen vom Jahre 1797 besteht eine eigentliche Judengemeinde nur in der Stadt Prag, während außerhalb derselben nur freiwillige Vereinigungen zu jüdischen Cultuszwecken anerkannt sind, hinsichtlich welcher es jedem einzelnen Juden freisteht, der Vereinigung und somit der Leistung angemessener Beiträge beizutreten, oder sich davon anszuschließen. Da sonach derlei Beiträge zu israelitischen Cultuszwecken den Charakter von freiwilligen Beiträgen haben, sind die politischen Behörden zu einer Entscheidung bezüglich der Verpflichtung zur Leistung dieser Beiträge überhaupt oder bezüglich der Höhe derselben nicht competent." Dieser hohe Erlass trägt eine Doppelgestalt, die Zurückweisuug stünde einerseits im Einklänge mit den trostreichen Zusagen Ihrer Excellenzen an die Deputation der jüdischen Landesrepräsentanz, die darauf folgente Begründung hingegen bietet die geeignetesten Mittel, um die Cultusgemeittden in ihrem segensreichen Fortbestehen und Wirken vollständig zu hemmen, vielmehr zugleich aus den Fugen zu. heben. Dieser Erlass dürfte der l. Landesrepräsentanz Gelegenheit genug bieten, um sich als solche rühmlichst bewahren zu können. Obgleich es nach diesem hohen Statthalterei-Erlaffe außer. Prag gar keine anerkannte Cultusgemeinde mehr gibt, so lautet, doch die Zuschrift: ,An den geehrte» Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Tachau.' G. Z. Kger. Am 8. August veranstaltete der Cultus-Vorsteher, Herr Leopold Gottlieb, anlässlich des Hinscheidens des großen Philanthropen Sir Moses Montesiore, in hiesiger Synagoge eine Trauerandacht,' wobei Herr S. Popper, Religionslehrer und Cantor, die Gedächtnisrede hielt und das ■״EI mole rachamim“ für das Seelenheil des Verewigten in höchst ergreifender Weise vortrug. Das Xadd186st- Gebet bildete den Abschluss der Trauerfeier. WesiöttS (Podolien). Der widersinnige, herzlose Gebrauch, die Todten noch am Tage ihres Absterbens zu Grabe zu bringen, übt noch jetzt in vielen großen und?kleineren jüdischen Gemeinden unseres Landes seine verheerende Macht aus, trotz der so vielen diesen Unfug bekämpfenden Artikeln in mehreren jüdischen und he> brätschen Zeitschriften und trotz der für. diese wahrhafte ״Lebensfrage' eigens geschriebenen Brochüre: ,Eine Gabe für die Lebenden [ unter den Todten.' Ein solcher Fall ereignete sich vor Kurzem in unserer Gemeinde, der für Viele zur Warnung dienen möge. Am Vortage des verflossenen Pfingstfestes kam der Diener des hiesigen Beerdigungsvereines zum Rabbiner, um von ihm den Todtenschein für ein jüngst verstorbenes Kind ausstellen zu lassen, welches sogleich beerdigt werden sollte. Da aber der Rabbiner glücklicherweise nicht zu Hause war, so verzögerte sich die ganze Sache um einige Stunden, und als darauf der Diener wiederum, konnte er ^dem Rabbiner das Wunder erzählen, dass das todtgeglaubte Kind wieder aufgelebt sei und sich ganz wohl befinde. Das geschah nämlich auf folgende Weise: Als das Kind erkrankre, schickte seine erschrockene Mutter nach einem Arzt, der ihm einen kleinen Löffel scharfen. Weines mit etwas Arznei vermischt stündlich einzugeben verordnete. Die angstvolle, um das kostbare Leben ihres theuern Kindes SKI

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