Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 29 (21.8.1885)
- Date
- 1885-08-21
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Raum bleibt, eng 1mb dicht aneinander gehäuft — ein verstärktes und verdoppeltes Bild der Vergänglichkeit; denn die Steine, die das Andenken der Tobten erbalten sollten, folgen diesen nach und senken sich tiefer und tiefer in die Erde. Üeber ihnen weben im Frübling die blnthenvollen Wipfel zahlreicher Bäume, die ihre Kraft und ihren Schmuck ans der Verwesung ziehen, singt der Vögel lustiger Chor. — Das Hans be& Todes, wir Juden nennen es Bcthhackajim, HauS des Lebens; denn wir glauben׳ dass der allgütige Gott einst zum Leben wieder erweckt, zum ewigen Leben. Kttkrarijches. הגיון בכנ1ר Dichtungen von D r. I. 1111 9 e r, Nab b., 3 g I a 11, 2. Auflag e. Zu den seltensten Erscheiunngen unserer Zeit gehört eS, dajS Rabbiner sich der bebräischeu Sprache beim Briefwechsel oder bei sonstigen feierlichen Anlassen bedienen. Mit um so lebhafterem Jnteresie ist diese Sammlnng von Gedickten zu begrüßen, welche durch die Fertigkeit in der hebräischen Sprache sowohl als auch den erhabenen poetischen Sckwnng an das gleichnamige Werk Luzzatto's erinnert. Der Verfasser denkt und fühlt in der heiligen Sprache und lässt keine Gelegenheit vorübergehen, wo er nickt in ihr seiner Empfindnng den schönsten Ausdruck verleiht. Wie leicht und fließend diese ihm ist, bekundet das herrliche Gedicht עדן p. welches eine Fülle von Gedanken in den passendsten Worten wiedergibt. Auch in der Proia (Einleitung, Gebet eines Verzweifelnden) zeigt sich der Verfasser^ als Meister. Möge dieses Werkchen in den Lesern dieselbe Begeisterung für das jüdische Schristthum | entzünden, von welcher der Verfasser durckglnht ist. F. Gr. j ßen. Stand doch vor ibr ein Fräulein in eleganter Neisetoilette, mit ernstem Gesichtsaußdrucke, dass sie ihre kleine Jndit gar nicht zu erkennen glaubte. Aber Jndit bemerkte gleich, welchen fremdartigen Eindruck ihr Erscheinen auf die gnte Alte machte, trat mit ihrem herzgewinnenden Lächeln auf sie zu und sprach schmollend: ,Was da:׳' ich denn gethan, dass meine geliebte Taube so fremd lbm und mich nickt bewillkommnen will?* — Erst jetzt firn die mübsam verhaltene Zärtlichkeit der Alten zum Ausbruch. Sie streichelle und küsste die Hände und Wangen ihrer geliebten Kleinen, und nur mit Mühe vermochte Jndit das treue Herz zur Vernunft zu bringen, indem sie tröstend auf sie ein sprach, dass sie jetzt immer bei ihr bleiben werde und sie nie, nie mehr verlassen wolle. Nun eilte Taube in die Küche, um die dort vorbereiteten Speisen anfzntragen. Nach dem Mahle begab sich Jndit in ihr Zimmer, um sich dort häuslich einznrichten; sie sprach ihre Zufriedenheit über die peinliche Sauberkeit, die in ihrem trauten Heim herrschte, aus und^Tanbe, die sie hinaufbegleitet hatte, hörte schmunzelnd ihr Lob. V. Am nächsten Tage war Jndit behilflich, zum Seder die üblichen Vorbereitungen zu treffen. Alles war den Vorschriften der Hagadah gemäß wohlgeordnet aus dem Tische, und nachdem Mirjam den Eingang des Festes durch das Anzünden der Lichter geweiht, begab sie sich in den Tempel, ans welchem, sie in Begleitung ihres Bruders zurückkehrte. Dieser war allein׳- siebend, da er seine Kinder bereits in der Ferne verheiratet und seine Frau schon das Zeitliche gesegnet hatte, daher folgte er "הנרדף מארץ רוסיהג" E in Trauerspiel in 3 Au fz ü g e u als Bild der sndrußländischen Judenverfolgung. Von Osias Atlaß (1884). Dembina b. O/adow, Galizien. Als einst die Stadt Jerusalem von Feindeshand zerstört, der Tempel Gottes sammt seinen heiligen Altären entweiht und verwüstet und das Volk Israel, seines Besitzihnms beraubt, auS seiner friedlichen Heimat vertrieben oder weggefübrt wurde, da saß der edle Patriot, der göttliche Prophet Jirmijab tiefgebeugt auf den rauchenden Trümmern und weinte bitterlich, als er der Herrlichkeit Zions gedachte. Seine Hände umfassten krampfhaft die Harfe, deren Accorde früher >o oft zu frohen Hymnen, zu Fest- und Jnbelgesängen erklangen. Sein treues Herz war zerrissen, seine Seele tiefbetrübt; die Saiten seiner Lyra wurden nur noch zu Trauermelodien angestimmt. — Damals sang er die unvergänglichen tiefempfundenen ,Klagelieder', die uns noch nach Jahrtausenden mit Schmerz und Wehmuth erfüllen. — Leider war jene verhängnisvolle Tragödie nicht die letzte in der Weltgeschichte. Immer von Neuem — ja sogar bis in unsere Zeit hinein — zogen furchtbare Gewitter über das Haupt Israels sich zusammen und drohten es zu zermalmen. Kaum 5 Jahre sind verflossen, seitdem in Sndrußland die blutige Ver׳ folgung, verbunden mit Raub und Mord, stattgefunden, wo die Söhne Amaleks Tod und Verderben in die Häuser Israels brachten. Noch klingen die Jammertöne der unschuldig Gefolterten in unterm Obre nach; noch hallt der Mark und Deinerschütternde Nochschrei unserer unglücklichen Brüder in unserer Seele wieder! .... Entsetzliche, haarsträubende Scenen spielten sich dort ab. Aber selbst in der Brandung der Emente, in dem Dunkel der Leiden war die Hilfe Gottes den schwer Geprüften j nabe und sandte ihnen — oft auf wunderbarer Weise Rettung i und Linderung durch Engel in Menschengestalt. gern der Einladung seiner frommen Schwester, die Gebete der Sederabende bei ibr zu verrichten. Jndit betete aufmerksam mit und schenkte den Erklärungen, die der Großonkel über die verschiedeuen Ceremönien machte, volle Aufmerksamkeit. .Ganz besondere Mahnrufe', sprach er, ,bringt uns in der traurigen Gegenwart das Pessachfest, denn wir feiern ein Befreinngsseft, das uns in Erinnerung ruft eine Zeit der Bedrückung und Knechtjchaft, der die Israeliten durch die Hilfe des Allmächtigen entrönnen. Es spendet uns den Trost, dass der Allgütige, der den gläubigen Israeliten bei der^ Befreiung aus den Händen der Egypter so große Wunder bewiesen, auch jetzt die Vertreter der antisemitischen Bewegung zur *Einsicht und Toleranz fuhren werde.' -Auch Jndit erzählte, wie schön und einieucht״nd der Religionslehrer des Pensionates die Gebräuche am Sederabende erklärte und zauberte durch ihre Worte auf das Antlitz der Großmutter den Ausdruck innerster Zufriedenheit. Nach dem Wunsche Mirjams sollte der erste Ansgang Jndirs in ihrem Heimatsorte der Weg zum Gotteshanse sein. Großmutter und Enkelin begaben sich daher am ersten Tage des PessachsesteS festlich geschmückt in die Synagoge. Jndit wurde überrascht durch die wobltönende Stimme des Cantocs, der bei ihrem Eintritte gerade ein ergreifendes Solo sang. Ihr musikalisches Gehör sagte ihr, dass der ihr noch unbekannte junge Cantor ein aufstrebendes Talent besitze und bei regen! Fleiße eine schöne Zukunft vor sich habe. Sie lauschte seinen. Tönen, die sie zur Andacht stimmten und betete leise mit. (Fortsetzung folgt.)