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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-21 · Heft 29 (21.8.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 29 (21.8.1885)
Date
1885-08-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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tenuici fügen wir bei. dass ,Golem' einen tbörichten Menschen bezeichnet. Der hohe Rabbi Lö-׳ war durch Gelehrsamkeit, Frömrnigkeit und WeiSheir im hohen Grade ausgezeichnet; aber die Zauberkünste, die man ihm nachgesagt, hat er niemals vollbracht; wohl war er ein großer Kabalist, d. h. er war ein gründlicher Kenner und Förderer jener chcoiophischen Wisseusckast. als welche die Kabala׳ bezeichnet werden kann. Ein drittes Grabmal, wohl das größte und schönste ans dem ganzen Friedhöfe, ist daß des Rabbi Mordechai Meisel. Er war es. der die Zudenstadt pflastern ließ, der das jüdische Krankenhaus gründete, der-zwei große und schöne Synagogen erbauen ließ, die nach ihm genannte Meisel-Synagoge und die Neu- Synagoge. Charakteristisch für den Mann ist die Geschichte der Erbauung des letztgenannten Gotteshauses. Meisel hat auf eigene Kosten die erstere erbauen lassen, sich selbst aber keinen Platz darin Vorbehalten. Die Plätze wurden so bald vermietbet, dass für den Erbauer und Spender keiner übrig blieb. Daher das Prager Sprichwort: .Meisel hat in seiner. Schule keinen Platz'. Als nun der woblthatige Mann sab, dass sülch ein Mangel an Synagogenplätzen war, ließ er allsobald noch ein Gotteshaus erbauen, das den Namen ,die neue Schul'' erhielt. — Auch an Mordechai Meisel bat sich die Sage geheftet und erzählt von übernatürlichen Ereignißen als Ursachen seines großen Reichlbums. Auch das Grab einer großen, berühmten Frau wollen wir besuchen: Hendel Schmielcs war die Gemalin des kaiserl. Hof* suden Zakob Bassewi Schmieles, welchen Kaiser Ferdinand _für die dem Kaiserhaufc geleisteten Dienste im Zahre 1622 in den Adelstand erhoben und dem cr den Namen ,von Treuenbnrg' verliehen hatte. Als der große Rabbi Lippmann Heller, Verfasser des berühmten Werkes .Toßapbot Zomtob', von seinen Feinden verleumdet, zum Tode verurtheilt worden, war es die.Familie von Treuenburg, die ihm treu zur Seite stand, seine Begnadigung erwirkte und die ihm auferlegten schweren Lasten tragen half. — Derselben Familie war es zu verdanken, dass beim Einzüge der Kaiserlichen nach der Schlacht am Weißen Berge (1621) die Zudenstadt von der Plünderung verschont blieb. — Der Grabstein der Frau Hendel Schmieles von Treuenburg zeigt das ihrem Hanse verliehene Wappen (ein blauer Löwe, acht rothe Sterne in blauem Felde). Es war wohl das erste Mal, dass eine jüdische Familie in den Adelstand war erhoben worden. Die Zuschrift des Grabsteines berichtet von den bohen Tugenden und der erbebenden Frömmigkeit dieser adeligen Dame. Sie versorgte Tausende von Juden in all' den Gegenden, die durch den Krieg gelitten batten, mit Gebetntensilien, als da sind: Gebetmäntel, Gebetbücher und Philakterien; auch sonst wird ihre Wohlthätigfeit sehr gerühmt. — Der Kaiser hat dem Hause von Treuenbürg das Neckt der Münzpräge verliehen, und noch heute findet man in Münzsammlungen die sogenannten ,Schmielesthaler'. Da der Friedhof fast ein Jahrtausend als Begräbnisstätte diente, so wurde er, trotz seines großen Umfanges, im Laufe der Zeiten zu klein, welchem Mangel durch vielfache Ansschnttnngen abge- Holsen wurde. Diesem Umstand verdankte der sogenannte Kinder-, berg seine Entstehung. — Gegen das Ende des vorigen Zabr- Hunderts wurde dies .Hans des Lebens' geschlossen. Rabbi Ezechiel Landau, der berühmte Prager Ober-Rabbiner des letzten Jahr- Hunderts, wurdebereits auf dem neuen Friedbose, etwa eine :'Stunde von der Stadt, zur Rübe bestattet.; Wohl selten fuhrt eine Stätte ein Bild der Vergänglichkeit in dem Grade vor, wie dicß der alte Prager Friedhof zu tbun | vermag. Ein Meer von^ Leichensteinen und übermanerten Grab-! Hügeln, zwischen denen für den Fuß des Wanderers nur wenig I u d i t. Eine Erzählung von Cäci! ie Löwy (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Es war an einem Tage vor Erew-Pessach, die Ankunft ihrer Enkelin, die eben in einem kurzen Schreiben, die bestimmte Stunde ihres Eintreffens anzezeigt hatte, erwartcte. Die Großmutter ließ es sich nicht nehmen, das lang ent-! behrte Enkelkind ans dem Bahnhofe zu empfangen und die eilfertige Taube, die ihr beim Ankleiden behilflich war, mahnte zur Eile, damit man ja nicht den Zug versäume, was das gute Kind besorgt machen könnte. Mirjam beflügelte, so weit ihr Alter es erlaubte, ihre Schritte und erreichte bald den nicht fern gelegenen Bahnhof. Hier angelangl, einen Blick aus die Uhr dass die besorgte Taube des Guten zu viel geleistet, denn sie war eine gute Stunde zu früh gekommen 1111* hatte demnach im Ueberfluße Zeit, im verlasseneu Wartesalon vom eiligen Gange auszuruhen. Nicht lange jedoch mußte ihr Blick auf leeren Tischen und Stühlen ruhen; das schöne Wetter hatte die Einwohner des kleinen Städtchens in's Freie gelockt und, wie es in allen kleinen Orten üblich, war das Ziel ihres Spazierganges der Bahnhof, wo man nicht nur einen ZmbisS nehmen, sondern auch das bunte Durcheinander der Ankommenden und Abreiseuden übersehen konnte. Unter Anderen näherten sich auch zwei junge Mädchen dem Tische, an welchem Mirjam Platz genommen hatte, die die alte Dame ehrerbietig begrüßten und die Bemerkung machten, dass dieselbe Absicht sie hierher geführt, da sie ihre Schulfremiöin Zudit von ihrer.heutigeil Ankunft benachrichtigt habe. 1 Mirjam drück!e ihre Freude über das freundschaftliche Verhält- | nis aus, das zwischen diesen beiden ibr woblbekannterr Mädchen und ihrer Enkelin bestand, und unterhielt sich recht lebhaft mit! ihnen. So verging ihr die Zeile im Fluge und bald hörten sie das Signal der baldigen Einfahrt des Zuges. Alles drängte aus den Perron und auch Mirjam und die jungen Mädchen betraten denselben im Augenblicke, als das Rauch schnaubende Ungethüm im Babnbose einfnbr und stehen blieb. Die Schaffner öffneten eilig die Coupstbnren und bald erblickten die Harrenden die elastische Gestalt Zndits, die mit sreudestrahlendem Gesichte ihrer Großmutter entgegeneilte und sie zärtlich umarmte. Die Freude des Wiedersehens überwältigte sie so sehr, dass sie, leise schluchzend, sich der Thränen nicht erwehren konnte. Auch Judits Freundinnen waren tief gerührt. Doch diese Situation dauerte nur einige Minuten, denn die willensstarke Zudit ermannte sich rasch, umarmte ihre Freundinnen s und sprach ihnen ihren herzlichen Dank für ihr Entgegenkommen aus. Dann reichte sie ihrer Großmutter den Arm und langsam spazierten sie, indem man Zudit alle Neuigkeiten, die sich während ihrer Abwesenheit in der Heimat zugetragen, erzählte, dem Städtchen zu. Vor dem Hause Mirjams angelangt, trennten sich die Freundinnen, einen baldigen Besuch versprechend, und Zudit betrat die langentbehrten Räume, die so viele Zngenderinaerungen in ihrem Gedächtniße wachriesen. Zhr erster Blick fiel aus die alte Taube, die zagend und schüchtern an der Küchenthüre stand und ihre steif gebügelte Schürze mit der flachen Hand glättend, nicht den Muth zu haben schien, die mit so großer Ungeduld Erwartete zu begrüals Mirjam! läuten, überzeugte sie sich durch >

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