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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-21 · Heft 29 (21.8.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 29 (21.8.1885)
Date
1885-08-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 können, gerade wie es nur einzelnen Rednern gegönnt ist, ex abrupto in des Wortes eigentlicher Bedeutung oratoriscbe Leistunzen aufzuweisen. Nach dieser Richtung hin hatte^ich Gelegenheit, den Begründer dieses Blattes zu hören und zu bewundern. Der Präses des Cantorenvereines. Herr Obercantor I. Singer in Wien, hat in seiner geistvollen und gelehrten, höchst instructiven Artikelserie von einem deutschen, polnischen und traditionellen Recitativ gesprochen; mancher Cantor kennt eine .vierte Dimension' und recitirt bei den feierlichsten Anlässen, z. Bbei einem Trauungsacte, so langweilig, dass man fürchtet, jeden Augenblick hypnotisirt zu werden. Man studire also ein ordentliches, gesetztes oder mündlich tradirtes Recitativ und bringe dies dann erst auf den Markt. Rücksichtlich des bemängelten zweiten Punktes wird Niemand Ln Abrede stellen, dass es seitens eines Cantors nicht angänzlich erscheint, eines der wichtigsten Stücke, z. B. אתה נגלת ׳נתנה תוקף mehrere אלהינו ואלה׳ וכר u. s. ®., beim Hockzeiismahle vorzustngen, noch obendrein als ימי שכרך der dem Cantor vom כעל הכית ein blankes Viertelguldenltück eintragcn kann. Derartige Vorgänge prosauiren den Gottesdienst, entwürdigen den Cantor. Will dieser bei einem Hochzeitsschmause singen, wähle er sich der animirren, weinseligen Stimmung des Publikums entsprechende Lehrte. In Gasthäusern singen wegen einer Bagatelle, kauuböchstens dem fahrenden Säuger, niemals aber dem stabilen Cantor gestaltet sein. Dass auch die äußere Haltung eines Cantors, sein Auftreten, seine Kleidung eine dem Stande angepassre sei« soll, darf doch wohl als selbstverständlich angenommen werden. Traurig genug, dass nicht allerorten der חון vom שוחט getrennt ist, man könnte fast sagen: <לא תעלה במעלות על מוכח; (שלחן דומה למובח כי חרכן(סכין) הנפת׳ ותחללה. Doch überall und an jedem Orte muss der שוהט seine blurbesteckte Kleidung wechseln, so er sich zum עמוד begibt. Zu uuserem Aufsatze, .Der Cantor' betitelt, ließe sich i» Bezug auf dessen inrellecruelle und mpr^lische Qualificakion so manches anführen, doch nun zu unserem T e m p e l ch o r e. Nach dieser Richtung hin leistet die Großstadt, namentlich Wien, Merkwürdiges. Wir vom Lande staunen über die Sicherheit, Exacchcit uno Harmonie de» großstädtischen ChoreS. Zn der Thal gewabrte ich Wiener Zudcn in den Tempeln andächtig im höchsten Grade, oft Individuen, die mir rücksichtlich der Neligrosität als indifferent bekannt waren. Hingegen hatte ich vor einigen Zähren das Vergnügen, eine schöne, bedeutende Landeshauptstadt zu besuchen, deren Tempelchor nicht besonders ansprach. Wie denn anders? Der ganze Chor bestand aus 3 — 4 Knaben, welche miserabel und elend sangen, ja spottschlecht.׳ Uebrigens vielleicht waren diese unartikulirten Töne die Folgen des auszestandenen Schreckens. Acht Tage vor meinem Zusammentreffen mit der holden Sängerschaar soll sich ein Probeeantor beim Reeitiren des ה׳ מלך am Freitag» Abend Lu so hohen Lagen producirt haben, dass die armen Choristen gezwungen waren, etwa im hohen einzusetzen, was natürlich allgemeine Heiterkeit hervorrief, den betreffenden Candidaten auf .halb Wegs' verwies und die Zungen um ihren guten Ruf, den sie bisher durch anständiges Schweigen treu bewahrt, urplötzlich gebracht. Seit dieser Zeit ist schon viel Wasser der Donau entlang geronnen, vielleicht ist's heute schon besser. Ohne Chor kein ordentlicher Gesang. Auch die Landgemein, den können, ja müssen einen Tempelchor haben. Allerdings ist die Sache nicht so leicht, alS man für den ersten Augenblick annehmen möchte. Die Landgemeinden, resp. deren Steuerträger, sind oft stark belastet, und vom Cantor kann doch brlligerweise nicht verlangt werden, auf eigene Kosten einen Cbor in Stand zu halten. Doch jede Gemeinde muis in dieser Beziehung Opfer bringen. Es ist ein עולת הוכה. Vor Allem sollten stimmbegäbte Private, namentlich Leute ledigen Standes, freiwillig, unentgeltlick in den Chor eintreten — wie dies in kleineren Gemeinden auck öfters der Fall ist. Schämt, man sich aber dessen oder glaubt man, damit ein Stündchen Zeit vergeben zu müssen, so tritr an die Gemeinde die Pflicht heran, einen zu besoldenden Chor zu organisiren und zu erhalten, einen Chor mit fixem Ge-, halte. Der nervus rerum — das Geld wird schon Kräfte sammellt כטף יענה הכל. Der Chorist muss das ־שנדר® elb nur als UN» bedeutende Sporteln ansehen und findet seine Entlohnung nach dem Grade seiner Leistungsfähigkeit. Wird den Kindern gezahlt, werden sie sich willig den Anordnungen des Cantors fügen, nicht mit dem Austritte droben oder gar jede Minute die Kutte zurückstellen. 1^2־תלמ1ד תודה^ sollten von Seite der Cultus- Vorsteher gezwungen werden können, während der Zeit der Partizipirung am unentgeltlichen bebräischen Unterrichte dem Chore anzugehören. Der Cborrepetitor — der in größeren Gemeinden nie fehlt — muis die anfzuführenden Piece« fleißig einnben, und zwar mir Zuhilfenahme des ClavierS oder zunr mindesten einer Violine; denn das oftmalige Vorsingen muss für das Organ des Betreffenden eine furchtbare Gymnastik bilden. Aus dem Lande stolpert man leider des Oettern über die Grundprincipien des regulären Gesanges und eS ist wirklich für diese Verhältniße nicht überflüssig, wenn man daran erinnert, dass beim vollendeten Gesänge drei Elemente zu berücksichtigen sind: Tonhöhe lmelodtsches), Tondauer (rhytmisches). Tonstärke (dynamisches). Das Versteigen über den Stimmumfangs des Carnors oder des Chores ringt sogar dem Laien ein Lachen ab und ist aus dem Lande nur Einem gestattet: Einem כעל תפלה (Laien), der schon 16 Zahre dilettirt, namentlich an den ימיט ׳נוראים in dessen kreischenden, weinerlich angehauchten Tonfizuren man das Gurgeln eines Truthahnes zu vernehmen glaubt. Unverzeihlich bleibt das ungesetzliche, dem Tempo zuwiderlausende Ausbalten eines. Tones (auch ohne corona), so dass z. B. aus einer kalben Note drei halbe werden, ebenso das schleppende, langgezogene Tempo im Allgemeinen, das dem Publikum die Langeweile vor die Stirne rippelt. Das ungleichmäßige Beginnen und Schließen des Chores ergibt öfters ein mehrfaches Echo und beleidigt das Ohr. Also nochmals, einen Cbor, einen ordentlichen Cbor verlangen wir für jede Gemeinde. Ein geregelter Gesang wird zur Ruhe, zur Wohlanständigkeit im Tempel wesentlich beitragen; das ästhetisch Schöne erzeugt Verseiuerung der Auffassung, Gesang veredelt das Gemütb, und speziell der religiöse Gesang lässt den Dichtersatz zur-Wahr-, heit werden: ,So rafft von jeder eitel» Bürde, Wenn deS Gesanges Nus erschallt. Der Mensch sich auf zur Geisterwürde Und tritt in heilige Gewalt.' 8. R. Betrachtungen über Sprache und Schritt. Wie schon der aufrechte Gang, die edle Bildung des Gesichtes und vor Allem das seelenvolle Auge den Menschen vor jedem Thiere auszeichnet, ^so erhebt ibn vorzüglich die Gabe der Sprache in eine höhere Reihe der Geschöpfe. Die Ausbildung einer so vorzüglichen Anlage muss jedem Menschen eine Sache von höchster Wichtigkeit sein. Die Bibelstelle: ויהי האדם לנפש

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