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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-05 · Heft 27 (5.8.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 27 (5.8.1885)
Date
1885-08-05
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— S — in eleganter Tcilctte. Einige Herren der Gesellschaft hatten bemerkt, dass ein Fremder, an dessen Gehaben mau den arroganten Junker erkannte, die unter den Collouadeu fitzende Gruppe mit seinen Blicken ׳ gemustert hatte. Ter Fremde ging dicht an die Gesellschaft vorbei und sprach so laut, dass eS jeder hören konnte: ,Ich habe geglaubt ich bin in FranzenSbad; hier ist cs aber wie in Baden-Baden lauter Jude» und Cccottenl* Nach diesen Worten sprangen die Herren der Gesellschaft aus, drangen auf den Fremden ein und ver- , langten Satisfaction für die Beleidigung. Der Unbekannte verweigerte die geforderte Genugthuung und benahm sich in so ungebührlicher Weise, dass die Assistenz eines Wachmannes gerufen werden mußte. Auch der Aufforderung des behördlichen Organes, ihm auf das Cvmmisseriat zu folgen, leistete der Fremde keine Folge, er vergriff sich vielmehr an dem Wachmann und würgte ihn am Halse. Endlich wurde der rabiate Fremde doch zur Polizei gebracht, und dort entpuppte er sich als ein — preußischer Osficicr. Da das Benehmen des Officiers ans dem Ccmmisseriate selbst ein sehr unanständiges gc- Wesen, wurde er, weil gegen ihn die Anklage wegen öffentlicher Gewaltthatigkeit, Woche- und Ehrenbeleidigung erhoben werden wird, dem Kreisgerichte Eger eingeliefert. Uatar-Wazardjik. Am Dienstag den 9. Jnni erschien bei einem jüdischen Kaufmanne, Namens Samuel Semo, ein Polizeibeamter in Begleitung einer bulgarischen Frau und eines Mädchens. DaS Mädchen erklärt-.׳, daß ein Mann, den sie an seinem rothen Bart und weiten Hose» für einen Juden erkannt habe, sie beim Arm gefaßt, um sie in ein Haus zu stoßen. Ihren Aeußeruugen nach, wäre dies vor dem Hanse Semo's geschehen, jedoch angesichts desselben, gab sie zu, daß er nicht der Manu sei, der sie festgehalten. Einige Stunden später wurde Semo auf die Polizei bestellt. Er fand dort den Sandal.nhändler Elia Aladjem, welchen das junge Mädchen als denjenigen bezeichnete, welcher den^ Mordversuch an ihr verübt hätte. Nach einer langen Sitzung wurde Semo und Aladjem gleichfalls nach zweistündiger Haft freigelassen. Die Freilassung der beiden Angeklagten zeigte zur Evidenz, daß die Sache ohne alle Wichtigkeit sei. Aber die Bulgaren verbreiteten das Gerücht, ״dass die Juden rs versucht hätten, sich des jungen Mädchens zu bemächtigen, um es zu tödten, dass die Statt Tatarhinter Scbränken und andern Möbelstücken bleiben, denn die gute Hausfrau hat für Sauberkeit ein prüfendes Auge, und die I treue Taube will ihre Herrin, wie immer, auch heute befriedigen. Aber nicht nur die -Räume, welcbe Myrjam bewohnt, werden dies eine Mal einer gründlichen Säuberung unterworfen, sondern auch das geräumige;Gemach im oberu Steck, das an die einstige Wohnung der Eltern Judits grenzt, soll ausschließlich unter den Händen der guten Taube für ihr Herzblättchcu hcrgcrichtct werden. Sie bat die kleine Judit auf ihren Händen getragen, sie gepflegt und gewartet und tröstend der / Großmutter über die schwere Zeit des tiefsten Schmerzes hinweggebolfeu. So weh der alten Taube bei der Erinnerung au all' das Traurige, das sie in diesem Hause erlebte, auch run's Herz wird, io beflügelt doch heute die herzliche Freude über die baldige Ankunft ihrer süßen, kleinen Judith ihre schwachen Füße. Sie eilte Trepp' aus Trepp' ab und achtete kaum aus den warnenden Zuruf ihrer Herrin, die drohend zur Vorsicht mahnt. Wie blank auch schon der Fußboden ist, und wie wohl geordnet die Decken ans den Möbeln liegen und die vom Staube gcreinigten Bücher auf der Schwelle stehen, immer findet die treue Taube noch etwas auszusctzeu, bis sic endlich selbstbefriedigt die Thüre schließt und Hinunter eilt. (Fortsetzung folgt). Bazardjik durch das Los als diejenige bezeichnet worden wäre, welche das zur Zubereitung der ungesäuerten Brote für das Jahr 1886 erforderliche Blut zu beschaffen hätte*. Glücklicherweise hat diese sinnlose Anklage keine bedauerlichen Folgen gehabt, wie dies nur zu oft geschieht, nnd die einen Augenblick überreizten Gemüther haben sich bald beruhigt. Das Comit« der Allianz zu Tatar-Bazardjik hat bei den Civil- und geistlichen Behörden Schritte gethan, damit eine Untersuchung den Fall aufkläre. Der Präfeet machte alsbald den Staatsanwalt mit diesen bedauerlichen Vorgängen bekannt. Der Bischof Msgr. Todoraki Tyloff war abwesend; bald nach seiner Rückkehr berief er die bulgarische Gemeinde zusammen nnd wies in einer glänzenden Rede auf die Sinnlosigk-.it der Bluianklage hin. Außerdem ließ er die Vertreter einer jeden Corporation zu sich entbieten, um ihnen klar zu machen, wie falsch, ungerecht und schamlos eine solche Anklage fei. «London, 31. Jvli. Das Leichenbegängnis Sir Moses Montesiere'S fand heute Nachmittags um V;3 Uhr von Cast Cliff ausunter großer Bethriligung statt. -Der Sarg wurde von den nächsten Verwandten getragen, Deputirte aller Jsraeliten-Gemeinden Englands, sowie vieler städtischer Corporationen, ferner Vertreter der Freimaurer- Logen und anderen Corporationen, Lord Nosebery, Baron Worms, Oberrabbiner Dr. Adler, sowie mehrere protestantische und katholische Geistliche waren bei der Leichenfeier anwesend. Eine große Anzahl von Kränzen war im Trauerhause niedergelegt worden. Der Sarg, in welchem sich neben der Leiche ein Kranz rvn Olivenzweigen befindet, der seit einer der Palästina-Reisen Montesiore's über,seinem Bette hing, wurde zuerst in der Synagoge von NamSgate und nach Verrichtung der Trauergebete zum Friedhofe gebracht, wo die Leiche neben Lady Montefiore bestattet wurde. Das Mausoleum ist dem Grabe Nahel's in Betlehem nachgebildet. Auf Wunsch des Verstorbenen wurde keine Grabrede gehalten. Das Testament wurde nochnicht eröffnet. Inaris. Aus Algier wüv berichtet, dass dort kürzlich wieder ein Jntencrawall stattgefunden hat. Tie Veranlassung dazu war solgende gewesen: In einem Theater sollte ein Luslspi-.l ausgesührk werden, worin eine lächerliche jüdische Figur vorkömmt. Der Maire, Bürgermeister, war eben abwesend, als der Director um die nöthige Erlaubnis ansrrchte, und der erste Adjuuct glaubte wohl zu ihun, indem er sie verweigerte. In Folge dessen entstand ein ungeheuerer Krawall. Da die Polizei nicht einschrilt, mu'sten Militär-Patrollen organisirt werden, und ihr energisch, s Auftreten b.schrvichtigten die Aufwiegler. Damit hätte der Krawall be'zelegi sein können, wenn nicht der indessen zuriickgekehrte Maire die.verweigerte Erlaubnis ertheilte, und dadurch zu neuer Aufregung Ursache gegeben hätte. ^etersöurg. Die unter Vorsitz sdes Grasen Pahlen tagende Inden-Ccirunission hat ihre Arbeiten fast beendet und dürste bei ihrem Zusammentritte im September der Negierung ihre endgiltigen Vorschlage unterbreiten. Gewöhnlich gut unterrichtete Blätter theileu auch die wichtigsten Punkte dieser Vorschläge, betreffend das Ansiedlungsrecht der Inden in ganz Rußland, mit. Bekannlich ist den Inden in den rein russischen Gouvernements die Ansiedelung verboten. Die Inden-Commission stellt nun nachstehende Anträge: ,Es sei den Juden, die Niederlassung in ganz Rußland unter folgenden Beschränkungen zu gestatten: 1. dass sie mit dem Staate keine Geschäfte machen; 2. dass ihnen die Erzeugung undder Handel mit Getränken verboten wird und 3. dass sie keinen Geldhandel treiben, noch an demselben theilnehmen. Diese Beschränkungen sollen auch auf getaufte Inden,, nicht aber auf deren Kinder Anwendung finden.* Sollten diese Anträge der Inden-Commission von der Negierung genehmigt werden, so wäre der erste Schritt zur Gleichberechtigung der russischen Juden, geschahen. Auf Congreß-Polen, Littauen und die übrigen südwestlichen, b cm rhfinaligen Königreiche Polen angehörendcn Gouvernements werden vs->x&. j

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