Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 27 (5.8.1885)
- Date
- 1885-08-05
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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wie bekannt, die Beschlüsse der Inden-Commission keine Anwendung finden, weil die dortigen Juden ohnehin eine gewisse Gleichberechtigung genießen. ßincinnaii. Hier wurde die neue Synagoge der Scheerith- Israel-Gemeinde eingeweiht. Zu dieser Feier wurde auch der Präsident des Staates Ohio eingeladen. Zn dem Briefe, mit welchem er sein Nichterscheinen entschuldigt, schreibt er: ,Die intimen Beziehungen, in welchen ich seil zwanzig Jahren und mehr zu Israeliten mich befunden habe, haben mir die höchste Achtung vor der Tugend, der Moral, der Tugend und der Religion der Einzelnen und der Gesannntheit eingeflößt. Ob sie je das anserwählte Volk in der Vergangenheit oder nicht waren, bleibe dahingestellt; die Principien, die sie jetzt leiten, ihren Lebenswandel einzurichten, verdienen ihnen diese Titel. Sehr wenig Israeliten sind in unseren Strafanstalten, noch weniger verlangen Unterstützung ans öffentlichen Mitteln. In Bezug ans Selbstachtung, Gewerbefleiß, Ehrgefühl und Begabung stehen die Kinder Israel jetzt unübertroffen unter allen Classen, ans denen sich unsere conglomerate Nationalität zusammensetzt .... Ich hoffe, da's Jahr nach Jahr die Mauer der Vorurtheile und deS Hasses zerfallen, und die Christen auch den realen und gegenwärtigen Werth des großen Volkes begreifen werden, welches der Welt die besten Neligionen gegeben hat, ein Volk, dessen zähe Lebenskraft seine Jndividualität zum Heile der ganzeu W.lt durch achtzehn hundert Jahre der Verfolgung erhalten hat. Genehmigen u. s. w. Georg Hoadley.' Wn karest. Am 12. August 1884 mietheten zwei Italiener einen jüdische! Kutscher, um sie uach einem bestimmten Orte zu fahren. Kaum bei einem Wächterhause in der Nähe der Fabrik angelangt, erschienen plötzlich zwei dort angrstellte, griechische Arbeiter, .warfen das Gepäck der Fahrgäste vom Magen herab, banden den Kutscher und schleppten denselben uach der Fabrik. Dort wurde er in Eisen gelegt und geprügelt, worauf mau ihm den Kopf, den Körper und selbst die Kleider mit Farbe bestrich und ihm schließlich eine spirituose Flüssigkeit in die Augen goß und ihn aus diese Weise momentan des Augenlichtes beraubte. ' Unter fortwährenden Torturen wurde er bis 11 Uhr Nachts zurückbehalten. Ais es dem Unglücklichen endlich gelang, den Händen seiner Peiniger zu entrinnen, eilte er sofort auf die Polizei und erstattete die Anzeige über das Vorgefallene, doch weigerte man sich dort, eine Untersuchung cinzuleiren. Nicht besser erging es ihm, als er sich an den Präfecten wandte, denn dieser schickte ihn zum Staatsanwalt, und als der Polizeidirector von diesen Schritten des Mißhandelten Kenntniß erlangte, ließ er ihn citiren und ihm eine Tracht Prügel verabreichen. Am 28. Februar 1885 fuhr ein 18jähriger Kutscher, Ramens Jsser, recte Jtzig Davidovitz, mit zwei Frauen uach der Papierfabrik. Da er die Oertlichkeit genau kannte, so ließ er seine Fahrgäste in der Nähe eines Wächterhauses absteigeu und wartete dort, dass man ihm den Fahrlohn übersende. Plötzlich wurde er von drei- Arbeitern überfallen, die ihn vom Kutschbock herabzerrten und ihn nach der Fabrik schleppten. Dort angelangt, wurde er zuerst in Gegenwart Pornmbars gebunden, dann geohrfeigt, zu Boden geworfen und an den Haaren herumgeschleift, worauf man ihn Hwcmg, so lauge auf den Knien zu bleiben, bis er vor Müdigkeit umfiel; schließlich machten sich die Arbeiter den Scherz sein Gesicht mit allerlei Farben zu bemalen. Pornmbar war jedoch noch nicht damit zufrieden; er befahl, dass man den Unglücklichen wasche und dann nochmals vorführe. Als dies geschehen war, stiahm er ein Papier, machte darin verschiedene Ausschnitte, wie bei einer Maske und nachdem er dieselbe an dem Gesichte seines Opfers befestigt hatte, bestrich er die zu Tage liegenden Stellen der Haut mit einer ätzenden Flüssigkert. Die hiedurch entstandenen Brandwunden -erpreßten Davidovitz ein Jammergeschrei und er bat.um Gnade, die ihm aber erst nach einer Viertelstunde zutheil ward, nachdem mau ihn vorher auf der Stirne, am Ober- und Unterkiefer, sowie auf den Wangen tätowirt und seine Brust und Kleider theilweise verbrannt hatte. Im Freien angelangt, wollte er zuerst sein Gesicht reinigen; allein die Brandwunden ließen sich eben nicht wegwaschen; darauf verfügte er sich zur Polizei, die ihn an den Stadtarzt wies, aber auch dieser nahm keine Notiz von ihm. Correspondenz der Nedaetion. B. in L. In Str. bereits ein Cantor gewählr. R. in Sch. Erwarten für nächste Nr. Ihre zugesagte Arbeit. Gruß. B. in Alth. Dieses Bild können Sie in unserer Druckerei: M. Munk, Wien, II-, Odeongsse 6 beziehen. Sin Kr. Wir erwarten bestimmt die Erfüllung Ihres Versprechens. Mandl in L. Ihr Eingesendet mußte für nächste Nr. zurückbleiben. ׳ Rab. R. in S- Ersuchen um baldige Einsendung deS Schlussartikels. L. in K. Das Eingesandte nicht verwendbar. F. in S- Bereits besetzt. Die Redaction. Zahlungen der Abonnements- und Jnfertionsbeträge find an die Nedaetion Wien- LI.- Novaragaffe Nr. 2? zn senden. זמירות לאל חי ״Semiroth l=el chaj‘4 für Cantor״Soio, Soli und Chor mit oder ohne Orgelbegleitung von Max G. Löwenstamm, weiland Ober-Gantor an der Synagoge in München. Preis des completten Werkes (4 Hefte) 15 Mark 9 fl. ö. W. Zu beziehen durch die Musikalienhandlung C. A- Andre in Frankfurt ajM., Buchhändler J. Kauffmann in Frankfurt ajM. und durch den Herausgeber Franz Josef Löwenstamm Inhaber einer k. k. autor. Gesangu. Opernschule Wien, Oper2n.g-a.sse S. NB. Den vielseitigen Wünschen entgegenkommend, ist der Herausgeber des Werkes bereit, dasselbe gegen Ratenzahlung von drei 6üblen monatlich zu versenden. ——B—I——— Offert. Offert. Für die hohen Festtage oder für die Dauer bietet ein anerkannt guter, intelligenter Vorbeter, der mit Verstandnis und wahrer Pietät sein h. Amt auszuüben versteht, würdigen Gemeinden seine Dienste an. Geneigte Anträge übernimmt aus Gefälligkeit die Redaction d. Bl. unter Chiffre B. B. 100. Der Gefertigte, ein Cantor aus der Schule Deutsch, im Besitze einer schönen Tenorstimme und mit musikalisehen Kenntnissen ausgerlistet, sucht eine entsprechende dauernde Anstellung, eventuell für die hohen Feiertage. Auskunft ertheilt die Redaction d. Bl. Israel Moldawer.