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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-08-05 · Heft 27 (5.8.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 27 (5.8.1885)
Date
1885-08-05
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 — schalten. Nun bleibt zwar Eines immer das Beste, wer aber wollte sich anmaßen, unter zahlloi'en Fällen dieses vorauszubestimmen? Als allgemeüre und für den Vortrag jeder besonderen Gattung giltige Regeln sind folgende anzusehen: jede Ausschmückung sei sinngemäss, dem Worte, dem Charakter des Musikstückes und der jedesmaligen Lage der durch den Gesang zu schildernden Person entsprechend, und harmonisch richtig. Sie werde ferner so aukgesührt, dass man ihr ja nicht die Noth und Mühe anhöre, die ihre Erlernung dem Sänger kostete, -und um diesem Grundsätze immer treu zu sein, vermeide er Manieren, die ׳seiner Organisation nicht zusagen; denn eS ist-eine ausge׳ machte Sache, dass durch guten Unterricht und beharrliche Studien zwar die außerordentlichsten Schwierigkeiten zu besiegen sind, dass aber doch nicht alle Stimmen alle Verzierungen vollendet wiedergeben lernen. Der Sänger muss sich zwar fleißig in der Ausschmückung der Melodien üben, um sie überall mit Leichtigkeit und Eleganz anbringen zu können, aber das Erlernte nur mit großer Aus- Wahl anwenden, damit er nicbt das musikalische Verbrechen begehe, eine Melodie, deren schönster Vorzug in edler Einfachheit besteht, zu verschnörkeln. Ein Sänger, der das thut, ist aus doppeltem Grunde verwerflich, denn nicht genug, dass er eine wichtige Kunstsatzung leichtsinnig überschreitet, er stiehlt auch j dem Tonsetzer sein Verdienst, und es wäre besser, dass gediegene; Compofitionen in den Bücherschränken vermoderten, als dass sie von schlechten Sängern heilloS verpfuscht ins Leben gerufen werden. Um nie Gefahr zu laufen, gegen die Grundregeln zu verstoßen, ist es nöthig, dass der Schüler den Styl der verschiedenen Gesangsarten und die demselben entsprechende Anssührnngs- Methode kennen lerne. . Die einfachste Gesangart, welche dem gesprochenen Vortrage am meisten sich nähert und daher auch oftmals declamatorischer Gesang heißt, ist das Nccitativ. Das Necitativ ist im Grunde eine mit Noten bezeichnete Declamation, und seine Aufgabe die, singend zu ..sprechen und sprechend zu singen. Hierunter verstehen wir die Kunst, bald den Gesang, bald die Sprache vorherrschen zu lassen, niemals aber eine Stelle völlig zu sprechen. Da, wo im Nccitativ das Ten-Element das vorherrschende^ ist, wo es also darauf ankommt, durch eine vom Componisten sorgfältig vorgezeichncte Melodie zu rühren, da kann der Sanger mehr oder weniger das Portament anwenden. In demselben Falle dürfen auch nur, da das Nccitativ einfach und schmucklos sein soll, Verzierungen angebracht werden, doch müssen diese in hohem Grade bezeichnend sein. Ist der Sänger nicht im Stande, dergleichen zu erfinden, so thut er wohl, auch hier die schlichte Melodie gefühlvoll zu singen. Sehr häufig sind aber nur solche Noten von den Componisten vorgeschrieben, welche den in der Harmonie begründeten Gang der Declamtiow bezeichnen, also nur harmonische Noten; hier kann nun der Sänger, um Aumuth und Mannigfaltigkeit in den Vortrag zu bringen, melodische und metrische Abänderungen treffen, wobei er nur die harmonischen Wendungen zu berücksichtigen hat. Doch auch da, wo dis Melodie vom Tonsetzer reicher ausgestattet ist, kommen bei Schlussfällen auf den guten Takttheilen fast nur harmonische Noten vor. Diese muß der Sänger dahin abänder», dass er die erste derselben .um einen halben oder um einen ganzen Ton, oder um eine Terz oder Quarte u. s. w. höher singt als die zweite. Im Necitativ ist kein Zeitmaß der Bewegung vorgeschrieben, und diese große Ungebundenheit gibt dem wahren Sänger einen unübersehbaren Spielraum zur Schilderung wechselnder Gefühle, welcher noch dadurch erweitert wird, dass er nicht einmal an die vom Tonsetzer vorgezeichnete Takteinhaltung sich zu kehren braucht. Er kann demnach Noten verlängern oder verkürzen, Pausen vermehren oder vermindern, emhalten oder weglassen, die Bewegung des Vortrages bald hemmen, bald beflügeln, je nachdem er es für seine Absicht zweckdienlich findet. Soll eine Stelle im Necitativ in einem gewissen Takte gesungen werden, so muss beim Anfänge einer solchen Stelle ein Tempo oder auch ari08o geschrieben stehen. Bericht über die Thätigkrit der Israel. Allianz zu Wien im Jahre 1884. (Schluss.) Diese Anstalt soll vier Jahrgänge (eine Vorbereitungs- und drei weitere Classen) umfassen. Nach Absolvirung der vier Jahrgänge hat sich der Zögling der Lehrerprüfung am Pädagogium einerseits und andererseits vor einer aus Fachmännern zusammengesetzten Commission einer Prüfung aus den hebräischen und rabbinischen Fächern rc. zu unterziehen. Die vorläufigen Erhaltungskosten sind auf fl. 7410 per ammm veranschlagt. Wir haben diese Eingabe mit Freuden begrüßt und dem Lemberger Cultusrath unsere Geneigtheit, der guten Sache Opfer bringen zu wollen, kundgegeben. Es steht somit der Nealisirung des Werkes kaum ein erhebliches Hindernis mehr im Wege. Im Ganzen dürfen wir mit den bis jetzt durch unsere in Galizien gegebenen Anregungen und bereit i׳l's Leben gerufenen Schöpfungen erzielten Erfolgen zufrieden sein. Denn wie aus den zahlreichen Zuschriften, Anfragen und Anträgen, welche uns in der letzten Zeit von dort zukamen, hervorgeht, scheint in der That ein frischerer Hauch durch das bislang der Indolenz verfallen gewesene jüdische Gcmeindcwesen zu ziehen. Diese für uns höchst erfreuliche Erscheinung zeigt uns, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen und ermuthigt uns, unbeirrt denselben weiter zu verfolgen. Allerdings wird die Schaffung besserer Zustände in Galizien ganz außerordentliche Hilfsmittel in Anspruch nehmen, aber wir sind gewiss, dass unser Vercin mit seinen höheren Zielen wachsen wird, wir sind gewiss, dass unsere Leistungen uns immer mehr Freunde und Gönner Zufuhren werden, sind endlich gewiss, dass sich die Ueberzeugunz: es müsse hier Großes geschaffen werden, in den weitesten Kreis n Bahn brechen und uns die nöthigen Mittel zuführen werde. Darum werden wir auch nimmer den Muth sinken lassen und vielmehr unentwegt das uns gesteckte Ziel zu erreichen trachten! Wir kommen nun zu einem traurigen, tief traurigen Capitel, da wir über die im abgelanfenen Jahre den rumänischen Flüchtlingen geleistete Hilfe zu berichten haben. Die neueren gegen den Handel und gegen Niederlassung der Handwerker gerichteten rumänischen Gesetze haben, wie viele frühere, den Jammer und die Noth unter den dortigen Juden noch gesteigert und das Proletariat zu einer wahrhaft erschrecken» den Höhe erwachsen lassen. Die im abgelanfenen Jahre gegen den Hausierhandel erlassenen drakonischen Gesetze, von welchen

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