Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 25 (20.7.1885)
- Date
- 1885-07-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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— 2 — haben, unter denen das des Nabbi Jochanan ben Sakkai das berühmteste war. (Midrasch Echa.) Der Name des Gotteshauses. Der Ort, wo die Gebete abgehaltcn wurden, bekam oerschiedene Namen, je nachdem dieselben individuell, oder von einer Versammlung gemeinschaftlich verrichtet wurden. So heißt es im Talmud (Pes. 88, a.): Abraham nannte einen solchen Ort ,Berg*, Zsak uaume ivn .Feld*. Jakob nannte ihn ,Hans*. Bei der Begründung des ersten Tempels heißt er noch 'fl בית ״Haus Gottes* (1 Kön. 7, 12), wie ihn Jakob benannte. Erst nachdem das Volk sich dafistbst zum Beten versammelte, heißt er in den späteren, heiligen Schriften מועד (Versammlungsort). Klagelieder 1, 4 — und die nachepiliichcn Psalmen nannten ihre Gotteshäuser מועדי אל Versammlungsorte Gottes. (Ps. 74, 4, 8.) Der Ausdruck בית תפלה (Jsaias 56, 7) bezieht sich auf die Zukunft. Bei uns ist der talmndische Ausdruck ׳בית הכנסת welcher das hebräische מועד bezeichnet, der gebräuchlichste, und mit einem griechischen Ausdrucke Synagoge. (Fortsetzung folgt.) Voil der Erhaltung der Stimme. In der Zeit, in welcher alle unsere Co liegen in Anbetrach der bevorstehenden Festtage auf ihr Organ wohl achten müssen׳ werden ihnen die Ansichten eines alten Praktikers über Erhaltung der Stimme gewiss willkommen sein. Wir können wohl denselben nicht in jeder Beziehung beitreten, aber sie enthalten manchen wohlgemeinten Nath, der darum auch beherzigt werden soll: Wie zur Erhaltung der Gesundheit überhaupt, so dient auch zur Erhaltung der Stimme eine geregelte und mäßige Lebensweise. Diesem Grundsätze zufolge hat sich der Sänger zunächst des häusigen und starken Genußes hitziger Getränke zu enthalten. Vor Allem ist der des Bieres zu meiden, weil dieses die Stimmorgane besonders verschleimt und dadurch eine Abspannung oder Erschlaffung darin bewirkt. Der dadurch erweckte Reiz zum Husten und Spucken erzeugt überdies noch eine Art chronischer Heiserkeit, welche man wieder durch neues Trinken zu beseitigen sucht, was nicht selten Stimmverlust zur Folge hat. Viele haben überdies noch den verderblichen Wahn, dass Trinken kurz vor dem Singen und kurz nachher die Stimme stärke. Weit entfernt aber, dies zu thun, ist es vielmehr das sicherste Mittel, früher oder später die Brust assersucht bervorzubriugeu. Im Gegeutbeil bat sich der Säuger ger de zu dieser Zeit das Triukeu gäuzlich zu versagen und den Durst höchstens ׳mit etwas nicht allzukaltem Quellwasser zu löschen. Wer bei erhitztem Körper kalt trink!, sei es auch noch so wenig, der wagt allemal entweder völligen Verlust, oder miudesteus Schwächung der Stimme, sollte es auch seiner übrigen Gesundheit nicht nachtheilig sein. Allzufette Speisen sind der Stimme in keinem Falle zuträglich, und nicht minder schädlich ist das Tabakranchen. Ein Hauptmittel zu ihrer Erhaltung ist ferner, dass der Sänger Nachtschwärmen und heftige Leidenschaften meide. Man wird finden, dass nach jeder durchlebten Nacht die Stimme malt, klanglos und besonders zur Coloratur untauglich ist. Dem Säuger ist nichts nöthiger als der Schlaf vor Mitternacht. Aerger, Kummer, Sorge und jedes unaugeuehme Gefühl, sowie die durch Hazard-Spiel erzeugte Geiftesabspannnng üben einen zerstörenden Einfluss auf die Tonwerkzeuge. Der Sänger muss nie anhaltend, sondern stets mit Zwischen- Pausen studiren. Durch die unausgesetzte Beobachtung dieser Regel bekommen die Organe eine Ausdauer und Stärke, die in Erstaunen setzt. Ganz thöricht ist jene von Vielen befolgte Art des Studiums, nach welcher sie mehrere Stunden hinter einander bis zur Erschöpfung singen, um es dann Tage׳ lang wieder gänzlich zu unterlassen- - Des Morgens muss man besonders mit Vorsicht beim Singen zu Werke gehen. Dies geschieht, wenn man Anfangs nur die Mitteln, leicht anschlagenden Töne versucht, nach einer halben Stunde die tieferen, und zuletzt die hohen. Man darf Anfangs!licht mehr als täglich zwei- Stunden mit Gesangstudien zubringen, und zwar nach folgender Zeittafel . Nach dem Frühstück: 5 Minuten Scala-Singen. 15 * Pause. 10 , - Scala-Singen. 15 , Panse. 15 , Solseggiren. 30 , Panse. 30 , Solseggiren. Zwei Stunden nach Tische: 10 Minuten Scala-Singen. 10 Pause. 15 , Solseggiren. 10 , Pause. 10 r Solseggiren. 10 , Pause. 30 Solseggiren. Die Zelteintheilnug während der Unlerrichtsstunden bleibt nach den von uns ausgestellten Grundsätzen zu treffen der Einsicht des Lehrers überlassen. Ein Sänger, dem es mit seiner Ausbildung ernst ist, wird bei dieser Vorschrift Zeit genug zur Einsammlung, musikalischer und anderer Kenntniße finden. Nur rathen wir ihm. während der Pausen keine anstrengende Arbeit zu treiben. Eben so wenig darf er viel am Schreibetische sitzen oder heftig lausen. Auch ist ihm nicht erlaubt, irgend ein Saiten- Instrument, nicht einmal das Pianvsortespiet in dem Maße Zu treiben, dass er ein eigenes gründliches Studium daraus machte denn sein Körper wird durch den Gesang und die damit verbundenen musikatischen Studien dergestalt angegriffen, dass er keiner weiteren Anstrengung fähig ist. Blasinstrumente aber darf er in keinem Maße und unter keiner Bedingung üben. Dem Eindringen heftiger Kätre muss er den Mund verschließen und den schnellen Wechsel mit großer Wärme vermeiden. Verschiedenheit der Urtheile über Werke der Tonkunst. Ueber die Erzeugniße keiner Kunst wird von 10 Vielen und so verschieden geurtheilt, als über die der Ton- und Schauspielkunst. Das ist natürlich. Ihre Erzeugniße selbst sind so höchstverschieden, dass Jeder etwas für sich findet; sie werden überall öffentlich ausgestellt, und alle Welt geht hin, sich mit ihnen bekannt zu machen; mit der Zabl der Theilnehmenden an jedem Ding, da sehr Wenige sich alles Ürlheikens entschlazen, wächst die Zahl der Urtheilenden; mit ihrer und ihrer Wünsche Verschiedenheit, die Verschiedenheit ihrer Urtheile. Bei der Musik — denn bei ihr allein verweilen wir hier — kömmt nun noch der Umstand hinzu, dass sie kein Ur- und Vorbild in der Außenweit hat, das einigermaßen als Anhalts-und Vereinigungspunk^