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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-06-25 · Heft 22 (25.6.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 22 (25.6.1885)
Date
1885-06-25
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— e -t- Schulmeister mit dem nackten Leben davon kam — und als Verfluchter, Geächteter sein dürftiges Leben fristete, oder wirklich dem Tode, seines ungrammatischen Unterrichts wegen anbcimfiel. Maimonides, der das talmndische Unterrichtsgefetz Hilchoth Talmud Thora, Abschnitt H, §. 6 bereits im 12. Jahrhundert flx und fertig machte, entscheidet sich in seiner fcrupulösen Gewissen Hastigkeit, trotz angeführter הלכה למעשה, die sonst in der talmudischen Casuistik immer maßgebend ist — nicht für Rabbi Dimi und scheint, wie Keseph Mischneh zur Stelle bemerkt, nur dem Lcbrer, der Beides vereint ׳גרים ודייק viel und gründlich lehrt, was eigentlich unausführbar ist — den Vorzug zu geben. Jndess bei Beachtung gegenwärtiger Zustände, wo nur noch in dieser Beziehung ein הצלה פורטא zu ermöglichen, würden die beiden Heroen jüdischer Wissenschaft einräumen, dass Nabbi Dinü's Behauptung, durch die angeführte הלכה למעשה erhärtet, maßgebend und vorzuziehen ist. Also die Herren Dr. Duner und Kurrein uriheilen in dieser wichtigen, heiklen Angelegenheit wie Nabbi Dimi, Dr. Frankl דצוק״ל und Dr. Frank נ״י עב״י wie Rabah und beide Parteien sind nach talmndischcr Weise, wie gewöhnlich über das Wort des lebendigen Gottes uneinig. Vereinsnachrichten. In der Mittwoch den 24. Juni stattgefundenen Vorstandssitzung wurde beschlossen, die Jahrcssitznng zur Ablegung des Rechenschaftsberichtes über das abgclanfene Vcreinsjahr vom 1. Juli 1884 bis 30. Juni 1885 für Mittwoch den 1. Juli 1885 einzubcrufen. Die R. T. Vereinsmitglieder, welche an derselben theilnehmen wollen, werden hiemit höflichst eingeladen. Der Nechenschaftsbericht wird in der nächsten Nummer der Cautoren - Zeitung veröffentlicht und an alle Mitglieder versendet werden. Gleichzeitig wurde auch die Absendung eines Circulares zum Beschluss erhoben, in welchem die einzelnen Mitglieder aufgefordert und ermächtigt werden, in ihren Gemeinden Sammlungen für den Vereinsfond einzuleiten. Ueber die näheren Modalitäten wird in dem Circulare Aufschluß gegeben werden. Aer Worstand des österr.-ung. Cantoren-Vereines. Kleine Chronik. Budapest. (Orig.-Corresp.) Die au der hiesigen Rombachschule vacant gewesene Stelle eines polnischen Chasans ist nun besetzt worden, da Herr Obercautor I. Bachmann aus Odessa für diesen Posten auf 3 Jahre acceptirt worden ist. Die Unterzeichnung des Vertrages soll in Kurzem erfolgen. Wien. Der Judenfreffer Wittmann, welcher sich im Hietzing er Landgemeinde-Bezirke um das erledigte Mandat bewirbt, hatte für jüngst eine Wählerversammlung in das Gasthaus ,zum Adler' einberufen, für welche er zwar eine Anzahl von Parteigenossen aus Wien mitgebracht hatte die aber trotzdem mit einer empfindlichen Schlappe für ihn endete. Die Caudidatenrede Wittmann's richtete sich gegen mofaifche Moral, römisches Rrcht und englische Wirthschafispolitik, ,diese Bestien, die Bürger und Bauersmann erwürgen wollen'. Aus derlei theoretischen Erwägungen wurde der Candidat auf den Boden der praktischen Verhältniße zurnckgctzührt durch das Auftreten eines gegnerischen Redners, des Notars Dr. v. Böhm, der sich selbst als gewesenen Caudidaten des Bezirkes vorstellte, aber zu Gunsten Fischer's zurückzutreten erklärte. ,Ich bitte deshalb', so fuhr Dr .Böhm fort, ,die Wahlmänner des Gerichtsbezirkes Purkersdorf, die meine Candidatur einhellig acceptirt haben, dem Herrn Fischer ihre Stimmen zu geben, damit derselbe nicht bloß mit Majorität, sondern mit^ imvosanter Majorität gewählt werde und der Bezirk trotz der leider jetzt herrschenden Verhältniße unentwegt eintrete für Deutschthum, Fortschritt und Freiheit, und zwar für die Freiheit nicht nur im Allgemeinen, sondern insbesondere auch für die Freiheit der Confessionen. Bezüglich der Candidatur Wittmann will ich den Fundamentalsatz, welchen das Comite der Vertrauensmänner am 12. Juni 1885 aufzustelleil für gut fand, ins Gedächtnis rufen: Wir wählen nur einen im Wahlbezirk Einheimischen! Denn die Gerichtsbezirke Hietzing, Mödling, Pnrkersborf, Bruck, Schwechat, Hainburg besitzen Tausende von Einheimischen, die ihr 'Charakter, ihre Gesinnung und Vertrauenswürdigkeit zum NeichSraihsmandat befähigt, und Hunderte, die dieser Aufgabe durch Bildung, Schlagfertigkeit und Redegewandtheit gewachsen sind. Diese sechs Gerichtsbezirke würden sich also selbst ein Armuthszeugiüß ausstellen, würden sich als geistig impotent erweisen, wenn sie die Colportage eines auswärtigen Candidaten förderten. Aber abgesehen von dem Allen kann ich Namens des Gerichtsbezirkes PnrkerSdorf coustatiren, daß die Gesinnung des Candidaten Witlmann mit der dieses Bezirkes im schneidendsten Widerspräche steht. Man ist hier der Ansicht, dass im geschäftlichen Verkehr — und um diesen handelt cs sich hier — die Confession oder Race soviel als nichts bedeute. Wir machen zwischen anständigen Christen und anständigen Juden keinen Unterschied. ׳ Uns nützt der Mensch, keineswegs seine Confession. Wir betrachten den Antisemitismus als einen entschiedenen Rückschritt,' weil er mit der Einengnng einer freien Confession im freien Staate identisch, mit der Freiheit Aller also im Widerspruche ist. Wir betrachten den Antisemitismus als ein Hineinzerren des Mittelalters in unsere modernen Verhältniße, als ein fruchtloscs Heranfbeschwören von Gespenstern, die das Tageslicht nicht vertragen und deshalb besser begraben blieben. Wir betrachten den Antisemitismus als ein auf die Dauer erfolgloses Ringen gegen die allmächtige und unwiderstehliche Strömung des Zeitgeistes. Vor Hundert Jahren gab cs Einen, der das leise Rauschen der Quelle, die heute zum Strome geworden, verstand. Das war Kaiser Joseph, der Unvergessene und Unvergeßliche. Sein Leben, seine Thnten sind unsere Devise: ״Freiheit für Alle!' Und da mir wissen, dass di e Antisemiten dem Juden den gelben Lappen wieder auf den Aennel heften wollen, dcn Kaiser Joseph beseitigt, deshalb heißt unsere Parole: .Fifchcr, nicht Wittmann!' Während dieser Rede hatte sich die Versammlung zu einer sehr erregten gestaltet. In dem verhältnismäßig engen, überfüllten Raume mischten sich die Beifallsäußerungen und Gegen-Demonstrationen stellenweise zu wahrem Tumulte. Wähler Granadia fordert die Entfernung von überlauten Nichtwählern. Jnvcctiven fliegen hinüber und herüber. In den Lärm, kräftig accompagnirt von seinen Anhängern, schreit Wittmanu seine Entgegnung hinein und citirt eine Stelle ans dem josephinischen Loleranz-Edicte, wonach die Emancipaiion der Juden nach des Kaisers Intentionen vornehmlich den Zweck gehabt hat, die Juden zur Arbeit, zu Ackerbau und Gewerbe anzuhalten. Negiernngsrath Legard spricht die Ansicht aus, daß es keines neuen Candidaten mehr bedürfe, nachdem in der Vertrauensmänner - Versammlung vom 12. Juni Fischer ausgestellt sei. Nach einem Schlußworte Wittmann's schließt Bürgermeister Kurz die Versammlung nach 1'/2stündiger Dauer, ohne daß eine Kundgebung für den Candidaten der Judenfreffer-Partei erfolgt wäre. Wien. Von einem Anhänger Dr. Bl o ch's erhält die ,österr. Wochenschrift' aus Kolcmea folgenden Bericht über die daselbst stattgefundene NeichSrathswahl: Am 8. Juni l. I., Morgens um 9 Uhr, schritten beide Parteien, die Byckianer und die Blochianer, zur Wahl. Beide waren voller Zuversicht. Die Ersten auf ihre ungeheuere Masse Agitatoren, auf ihre von Dr. Byck zur Verfügung gestellte Summe

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