Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 22 (25.6.1885)
- Date
- 1885-06-25
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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- Joab 1× ep/1005321
- Rashi 1× ep/1002670
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— S — Eltern ohnedies eine genügende Portion Abneigung für denselben von vornherein rnitbringt und demnach ganz , baar und leer ausgeht — sondern fehlen ganz besonders gegen den Genius der heiligen Sprache und entweihen gerade den Namen Gottes, indem wir die Bewährung der Worte Jeremias 8, 9, ,siehe das Wort Gottes germgschätzen sie, obgleich sie nur eine winzige Spur des Wissens sich angeeignet', fördern. Denn unsere Knaben, die doch größtentheils Gelegenheit, haben höhere Schulen zu besuchen und Sprachen methodisch, streng grammatisch lernen — denen erscheint diese unmethodische passive Lehrweise geradezu lächerlich. Der für's Hebräische begeisterte jüd. Lehrer, — wenigstens kann ich dies von mir behaupten — wird unwillkürlich an jene, die Herzens-Saiten erschütternde Elegie: ,O Herr, vergegenwärtige ich mir die trüben, traurigen Zustände, sehe ich jegliche Sprache mit Methode gelehrt und Spracherfolge erstrebt und nur die Sprache des Herrn durch Unmethode bei unserer Jugend entwürdigt' — erinnert. Geben nir auch gern zu, dass bei der Masse von Unterrichtsstofs und knappbemessener Zeit selbst die beste Methode nur wenig leisten kann — so wird, meiner Ueberzeugung nach, ein methodisch, grammatisch-hebräischer Unterricht wenn auch keine Hebräer der Vorzeit heraubilden, gewiß aber Verehrung und Liebe für die Ursprache der Menschheit, der Propheten der Jugend einflößen und segensreich im Allgemeinen wirken, insbesondere aber den Knaben, die sich der Wissenschaft widmen, bedeutende Vortheile gewähren und überhaupt den gesammten Elementar-Unterricht fördern, wie ich dies höheren Ortes er׳ örtert habe. Uns erübrigt noch den Nachweis zu führen, dass der Talmud factisch einen streng grammatischen Unterricht fordert und diesen dem mechanischen Uebersetzen vorzieht, ferner, dass der Gelehrtenstreit, der fast in jedem Zeitalter wiederkehrt, ob nämlich beim hebräischen Elementar-Unterricht der Tenor auf das Uebersetzen oder die Grammatik zu richten ist, bereits im talmudischen geführt, indess durch eine angeführte Thatsache entschieden wurde und seinen Abschluß" dahin gefunden, dass der grammatische Unterricht, durchaus vorzuzieheu ist. Für die, des Talmud's Unkundigen gestatte ich mir folgende wörtliche Usbert ragung. (Labs. Batra 21.) Und Raba lehrt: Von zwei Elementar-Lshrern, von denen der eine נרים ungrammatisch lehrt (Raschi erläutert: er lehrt viel ohne Beachtung der Grammat ik), der Andere hingegen die Grammatik beachtet, aber dadurch wenig übersetzt, erhält der Erftere den Vorzug; denn der grammatische Fehler wird von selbst schwinden, d. h. nur dann, wenn man so lange und so viel Hebräisch lernt wie es damals geschehen ist. Rabbi Dimi sagt, man gibt dem דייק, grammatischer Lehrer, trotz des wenigen Uebersetzens, den Vorzug und begründet seine Meinung durch die pädagogische Erfahrung, dass ein der Jugend eingeprägter Fehler nicht auszumerzen ist, vielmehr während des ganzen Lebens fortwährend Unheil stiftet. Als Beweis führt Rabbi Dimi folgende Thatsache הלכה למעשה an: Denn sechs Monate weilte Joab und ganz Israel, bis er vernichtet יכל זכר in Edom. (Könige I. 11. 16.) Als Joab nun vor seinem Kriegsherrn David erschien, frug er ihm: ,Warum Haft du so gehandelt, das männliche und nicht auch das weibliche Geschlecht Edom's vernichtet?' Worauf Joab entschuldigend antwortete: ,Du sollst vernichten das männliche Geschlecht Amalek. (Deuteron. 25.) Es las nämlich socbor. David erwiderte: ,Wir lesen doch secber Erinnerung, respective Alles männlich und weiblich.' Joab antwortete: ,Mich lehrte mein Lehrer soebor". David lud nun den Lehrer vor und frug: ,Wie Haft du gelehrt soebor oder seobsr?' Wahrheitsgetreu erwiderte der zitternde Lehrer: ,Ich habe soebor gelehrt'. Nun nahm David das Schwert, um ihn zu tödten. Der arme Rabbi frug, ob er denn wirklich ob dieses geringschätzigen Lesefehlers den Tod verdiene? Worauf ihm David erwiderte: ,Verflucht ist, wer die Gottesarbeit, respective Unterricht gewissenlos übt. (Jeremia 48.) Sie riethen dem David, den auf Grammatik so wenig Werth legenden Lehrer im verfluchten Zustande, d. h. in Acht leben zu lassen, was eigentlich lebendig todt heißt. Dagegen sträubte sich aber David's Gewissen, denn es heißt eben daselbst: ,Verflucht sei, der einen solchen Lehrer nicht tödtet.' Die Gelehrten sind zur Stelle wie gewöhnlich uneinig, ob der arme Judit war^ seit zwei Jahren in dem Pensionats des Frlns. W. und erfreute sich der Gunst ihrer Lehrer und Lehrerinnen. Ihr bescheidenes, sittsames Wesen, das sich unter der Erziehung ihrer würdigen Großmutter bildete, befähigte sie, den Lehrern die gehörige Aufmerksamkeit zuzuwenden und mit Eifer bemühte sie sich, eine der besten Schülerinnen zu werden. Sie erlangte im Elavierspiele eine bedeutende Fertigkeit und vereinigte oft das schöne Spiel mit ihrer herrlichen Altstimme. Auch für die Erlernung fremder Sprachen zeigte sie viel Talent und conversirte daher fleißig mit der französischen Lehrerin des Pensionates; die guten Berichte, welche Fräulein W. über die Fortschritte ihrer Pflegebefohlenen machte, gewährten der Großmutter die reinste Herzensfreude und träufelten Balsam in ihr wundes Herz. Die Sorge der Großmutter für die Enkelin war ohne Grenzen und, erhielt die Matrone kräftig und lebensmuthig. Ein inniges Band der Liebe und Zärtlichkeit umschlang die beiden an Jahren so Verschiedenen und, obgleich räumlich getrennt, lebten sie seelisch mit und. für einander, denn ein reger Briefwechsel, der zwischen Mirjam und Judit geführt wurde, bewirkte, dass die geheimsten Herzensregungen einander nicht verborgen blieben. Und doch war in das Herz unserer nun 16jährigen Judit nne geheime Unruhe eingezogen, die sie oft aus Gewissensscrupeln erbeben machte, oft aber ihre Seele in höhere Regionen schwang und sie in die süßesten Träumereien wiegte. Denn Judit wurde geliebt. Fräulein W. arrangirte nämlich, um ihre Zöglinge mit den gesellschaftlichen Formen vertraut zu machen, und auch um ihnen eine angenehme Abwechslung während ihrer Studienzeit zu gewähren. Tanzkränzchen, zu denen Damen und Herren aus bekannten, guten Familien eingeladen wurden. Dass bei diesen Einladungen auf die Confession keine Rücksicht geuommen wurde, war unvermeidlich, daher kam es, dass auch junge Herren christlicher Confession freundliche Aufnahme in dem Hause der wohlbekannten und allgemein geachteten Vorsteherin fanden. Judit, in ihrem einfachen, weißen Kleide, mit himmebblauer Schärpe geziert, was mit ihrem blonden Lockenhaare und dem feinen lebhaften Gesichtsausdrucke trefflich harmonirte, erregte die Aufmerksamkeit der Gäste in hohem Grade. Ihre geistreiche Unterhaltung sesselte aber mehr, als ihr liebliches Antlitz, daher gruppirten sich die jungen Studenten besonders um sie. Judit liebte die Conversatiou mehr als den Tanz, und sie sah sich daher nicht selten vereinzelt in der luftigen, dem Tanze huldigenden jungen Welt. Und doch bemerkte sie nur zu bald, dass zwei Augen unverwandt auf sie gerichtet waren, dass ein junger Mann sie von der Ferne bewunderte und es dennoch nicht wagte, an sie heranzutreten. Doch der Zufall wollte es, dass sie einander nahten, und ohne sich ihrer Situation recht ן bewusst zu werden, in eine lebhafte Unterhaltung geriethen. | (Fortsetzung folgt.)