Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 22 (25.6.1885)
- Date
- 1885-06-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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— 7׳ — Geldes uub auf ihre langjährige Despotie, die Zweiten konnten nur aus die jüdische Solidarität und die Rechtschaffenheit einiger intelligenter Polen rechnen. Bis 11'Uhr Vormittags.ging das verteufelte Werk unserer Gegner (die Byckianer) im vollen Schwünge, viele Bauern aus der Umgegend erhielten 5, 8 und auch 20 Gulden, wurden gut beköstigt und im Uebersluss mit geistigen Getränken vollgefüllt. S.ie drängten sich in roher Weise zur Wahl-Urne, die hiesige Polizei unterstützte sie, während wir Blochianer blos wehmüihig zuschauen mußten. Unter 300 Stimmen waren 200 Byck und 100 Bloch. Von 11 bis 3 Uhr haben wir, als die Miethlinge der Partei Byck bei Speise und Trank sich labten, gesucht, wenigstens 200 Stimmen, um mit den Byckianern gleichzustehen, nachznholen. Gegen 4 Uhr Nachmittags erhielten wir eine Depesche aus Sniatyn, woraus wir, nur 318 Stimmen für Bloch und 538 Stimmen für Byck, also.220 Stimmen Minorität, ersahen. Es wurde uns schlecht zu Muthe. Wir drängten uns zur Wahl-Urne, wurden aber immer von der Gegenpartei verdrängt. Inzwischen ereilten uns unglückliche Depeschen aus Buezacz. Unsere Feinde begannen schon zu trinmphireu. Sie sangen Lieder und tanzten, sie tranken die besten Weine, rauchten feine Cigarren. Sie hatten bis 2 Uhr Nachts eine Majorität von 451 Stimmen. Das Scrutininm wurde von unserem braven Herrn Bezirkshauptmann versiegelt und in Verwahrung gebracht. Wir gingen traurig und ermüdet, abgehärmt von zwanzigständigem Rennen, Zagen und Schreien, ohne.Nahrung, ausgenommen Sodawasser, zu uns genommen zu haben, vom Wahlplatze. Wir trafen unsere Weiber und Kinder vor den Thüren verschmachtet sitzen, niemand fragte uns: »Wie sieht es ans?" Ein großer Theil unserer Blochianer blieb am Wahlplatze in den Schlupfwinkeln und Gräben liegen. Die Byckianer dagegen zündeten Fackeln au vor ihren Thüren. Ihre Weiber tanzten, sie forderten von ihren Nachbarn, dass man ihnen gratuliren möge, denn der Sieg war wirklich ihrer. Gegen 4 Uhr Morgens am zweiten Tage sammelten sich die Blochianer. Unsere Dienerschaft und unsere Fuhrwerke wnrd-eu in die Vorstädte ausgeschickt, um unsere Wähler zusammen zu bringen. In den Bethäusern wurde nicht gebetet, in den Badeanstalten nicht gebadet, die Spaziergänge und der Ningplatz waren ganz menschenleer. Die Byckianer haben während der Nachtzeit Bauern von verschiedenen Dörfern, die nie in Kolomea das Wahlrecht besessen haben, zusammengetrieben. Sie trieben allerlei Spässe und wollten zu unserer Beschämung dem Byck eine starke Majorität verschaffen. Die Blochianer hielten es für uöthig, die bei ihrem Comittz aufgepflanzte Fahne, mit der Inschrift, Dr. Bloch, herunter zu nehmen. Ein toller Kampf ging los. Man bestürmte daS Bezirksrathsgebäude (dort stand die Wahlurne), Kleider wurden zerfetzt, Hüte zerdrückt. Die Soldaten hieben drein, Männer weinten laut und baten: ,Ich will stimmen." Gegen 11 Uhr waren die Blochianer. so weit vorgerückt, dass sie mit nur 161 Stimmen, nach beiläusiger Uebersicht, in der Minorität waren. Die Byckianer drangen auf Vornahme ihrer Wähler. Da aber einige als falsche Wähler von der Bezirksbehörde anerkannt wurden, so ergriffen alle ihre Miethlinge die Flucht, ans Furcht in den Kerker wandern zu müssen. Die Blochianer dagegen liefen in den Straßen und schrien laut: »Rettung, Rettung, wir gehen schmählich zu Grunde!״ Alle unsere Weiber und Kinder weinten laut, liefen in die Häuser, baten, man möge doch zur Wahlurne gehen. Manche Wähler haben aus Furcht vor den Wiukelschreibern und Denuncianten sich versteckt, ' aber ihre eigenen Weiber haben sie angezeigt. Sie wurden aus ihren Verstecken herausgeschleppt und von einer Masse Weibern und Mädchen bis zur Wahlstube begleitet. Es war ein Bild des Elends und des Jammers! Man konnte es vergleichen mit einer Zerstörung Jerusalems. Kranke wurden zur Wahl» urne gefahren, wer sein Bett nicht verlassen konnte, der hat inbrünstig gebetet. Wer nicht stimmfähig war, der ist in den Straßen gelaufen und hat um Hilfe, Rettung gerufen. Gegen 2 Uhr Nachmittags waren die Blochianer. mit beiläustg 28 Stimmen in der Majorität! Da hieß es, Herr Wiefelberg hält Reden vor seinem Hause und wirklich waren dort gezählte drei Juden und vier Christen, denen er erklärte, dass man die Candidatur Byck doch kräftig unterstützen möge, Dr. Byck, sagte er, würde für die Kolomeaer Jndeuschaft eine Syuagoge aufbauen lassen, für die Christen eine Kirche sammt Orgel und sonstige Wohlthaten l Die Bezirkshauptmannschaft hielt es für rathsam, die Abstimmung zu schließen. Und schon begann man in den Straßen zu schreien: »Vivat Bloch\* Jedoch das bessere Publikum harrte in der größten Spannung auf das gute Wort aus dem Munde des Wahleommissärs. Erst gegen 3 Uhr erschien ein Commissär und sagte, Dr, Bloch ist gewählt. Mehr wollte man nicht hören. Ein »Gott sei Dank!" ertönte, dass die Steine vom Pflaster sich lockerten, und dann ״Vivat Bloch! Vivat Bloch!" dass man es meilenweit gehört hat. Es ist Thatsache, dass kaum dreißig Juden für Dr. Byck gestimmt haben, darunter waren zehn die wirklichen Actionäre des goldenen Kalbes, die Uebrigen waren höchst gezwungen dazu. Außer diesen Inden waren lauter gekaufte Stimmen aus der christlichen niederen Bevölkerung, Leute, die nie in ihrem Leben eine Fünfgulden-Banknote im Vermögen hatten. Man ist geneigt, anzunehmen, dass während der letzten vier Wochen ein Capital von mindestens 70.000 Gulden in Kolomea selbst verspritzt wurde. In Sniatyn und Bnezaez soll ganz dasselbe Arrangement stattgefunden haben. Jerusalem. Eine Anzahl Bewohner des Dorfes Beit-Tamar hat kürzlich versucht das in der Nähe von Betlehem gelegene Grab Rachels mit Ziegelsteinen zu vermauern. Die Juden in Hebron wendeten sich Beschwerde führend an den Gouverneur von Jerusalem Neons Pascha, welcher sofort befahl, das bereits errichtete Manerftück niederzureißen und die Thäter zu verhaften. Der Pascha hat auch "Posten vor den Eingang des Grabes gestellt, damit Niemand an dem Besuch der heiligen Stelle gehindert werden könne. Dieses Grabmal unserer Stammmutter Rachel steht nicht nur bei unseren Glaubensgenoffen, welche in großer Anzahl dahin wallfahren, sondern auch bei den Muslimen und Christen in hohem Ansehen; die Beduinen bringen ihre Todten hierher, um sie in der Nähe der Grabstätte zu beerdigen, lieber dem Grabe selbst, einem weiß getünchten Sarkophag, erhebt sich ein unansehnliches Bauwerk mit einer Grabkuppel, wie sie die muslimischen Wells (Heiligeugräber) haben. Jahrhunderte lang fand man eine steinerne Pyramide über dem Grabe, angeblich aus zwölf Steinen (nach der Zahl der israelitischen Stämme) bestehend. Sic Moses Montesiore hat nach seiner zweiten Paiästina-Neise das baufällig gewordene Grabmal restanrireu und mit einer Vorhalle versehen lassen. — Uebrigens ist es zweifelhaft, ob die aus der Zeit der Kreuzfahrer stammende Neberlieferung richtig und diese Stätte wirklich das Grab der Rachel ist. Nach I Samuel X, 2, lies die Grenzlinie zwischen den Stammgebieten Judas und Benjamins an dem Grabe Rachels vorbei; das heute diesen Namen tragende liegt aber mitten im ehemaligen Stammgebiete Judas. Daher ist es wahrscheinlich, dass das Grab Rachels im Norden von Jerusalem lag, und dort hat auch der bekannte Palästinakenner, Baurath Schickl, im Jahre 1381 ein altes Grabmal entdeckt, welches Xubdst Rahil (Grab der Rachel) heißt und bei Lista, 172 Stunden nordwestlich von Jerusalem, gezeigt wird. Correspondenz der Nedaetion. N. iu L. Die Partituren an Ihre Adresse abgefendet. R. K. fn K. Wegen Auskunft über Ihre Frage wollen Sie sich direct an den Vereinsvorstand wenden. Zahlungen der Abonnements- und Jnsertionsb etrage find an die Nedaetion Wien, II., $10twra־־ gaffe Nr. 27 zu senden.