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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-06-25 · Heft 22 (25.6.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 22 (25.6.1885)
Date
1885-06-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Unrichtige GebetMlen. Bezugnehmend auf eine in dem Magdeburger Israel. Literaturblatt enthaltene Notiz, dass es nicht richtig sei, z. B. die Worte אדון עולמים zu wiederholen, und dass in Synagogen- Musikwerten sich Fehler gegen die hebräische Grammatik vorfinden, möchte ich mir erlauben, meine geschätzte Collegen darauf aufmerksam zu machen, dass in erster Reihe unsere 8idurim, denen die Musikautoren den Text erst Nachdrucken, nicht arm an Fehlern sind und demgemäß die Hauptschuld tragen. Diese Fehler haben sich von Jugend auf durch die 8idurim bei uns eingebürgert, sollten aber im Interesse eines geläuterten Gottesdienstes im Allgemeinen und unserer heiligen Sprache im Besonderen entfernt werden. Das wäre nach meiner unmaßgeblichen Meinung der erste und wichtigste Schritt zur Herstellung eines sogenannten g e re g e l t e n Gottesdienstes. . Ich führe für heute zwei Unrichtigkeiten in unseren Sidurim an. Wir lesen im letzten Traüungssegenspruche die Worte קול מצהלות חתנים (chassanim), was ein Fehler ist; bekanntlich wird התן nach dem Paradigma דבר flectirt, ׳דברים ׳דברו (deworim, deworau), also התנים ׳חתנו (chassonim chassonau). Wenn auch einige dieser Gattung mit Dagesch slectiren, wie שפנים ׳גמלים (gemalim, ZeLskamm), so sind das eben nur Ausnahmen, die jedoch auf התן keine Anwendung finden können, indem wir בעיני חתניו (chassonow) 1. M. 19 und חתנו (eliassonau) Nicht. 19. 5 finden; (gegen letzteres Wort wird namentlich Leim מי שברן״ sehr oft aber aus ב דינקותא gesündigt.) Ach führe ferner an die Worte חיים ארובים im יהי רצון zu בי החדש• Diese Stelle bedeutet offenbar ,langes Lebens denn ,gesundes Leben' drücken die später vorkommcnden Worte חיים של חלוק עצמות aus. Da ארכים der Plural von ארוך (orauek). und nicht von 01) ארוך-ueli) ist, das im Fem. ארבה (arukoh) gleich אדמה von אדום hat, so muß es zweifellos ארבים (arukim), mit Segol geschrieben, gleich ערום ערמים (oraum, arumim, nackt)׳ heißen, während ארובה (aruclioli) ein Nomen ist, und Heilung bedeutet. Auf meine diesbezügliche Replik im Israel. Literatur- Judit. Eine Erzählung von C ä c i l i e L ö w y. (Nachdruck verboten.) ' Wie oft ist der Sabbatheingang in Wort und Bild dargestellt worden, und immer behält die Schilderung dieser uralten jüdischen Gebräuche, die dem Freitag-Abend seine Weihe verleihen, ihren poetischen Reiz. Auch unsere Erzählung führt uns in das Gemach der frommen Mirjam, die heute nur für sich selbst die üblichen Vorbereitungen getroffen, und nun mit Andacht die Sabbathlichter angezündet; mit frommem Gemnth betet sie denn in ihrem sichtbar oft benutzten Gebetbnche, und heiße Thränen bethauen von Zeit zu Zeit die vergilbten Blätter, denn sie gedenkt heute, an dem Geburtstage ihrer Enkelin, mit tiefer Wehmuth der Schicksalsschläze, die ihr Herz getroffen. Früh verwitwet, fand sie Trost und Beruhigung in der Erziehung ihres einzigen Sohnes, der, geistig begabt, nicht nur jüdischtheologische Studien pflegte, sondern sich auch in allen profanen Wissenschaften hohe Bildung aneignete. Zum Jüngling herangereift, widmete er sich dem Geschäfte seiner Mutter, die sich bereits selbst durch regen Geschäftsgeist zu hohem Wohlstand ^mporgeschwungen hatte. Wie konnte es unter solchen Verhältnißen an einer passenden Partie fehlen. Bald eroberte Benjamin das Blatt schrieb mir der Nedacteur Dr. Nahmer, dass schon ר׳ יעקב צבי מעקלענבורג רב בקיק in seinem Commentar zum 8idm׳, den ich übrigens nicht besitze und trotz meiner Bemühung nicht erlangen konnte, auf die falsche Leseart ארוכים aufmerksam gemacht, . und zwar mit folgenden Worten: חיים ארכים הכף רפויה בכל הסדורים הנדפסים ויהיה מענין וארוכתך מהרה תצמח ויהי׳ מעם חיים ארוכים חיים רפואיים בלומר בריאים׳ ואין זה נראה׳ ודוחק יומר׳ לפרש מלשון ארמי (עזרא ד׳) שפירש אריך מוב יפה כשר והגון'וכף לבן יותר נבון לקרות הבן- דגושה כמו ארכה מארץ מדה׳ מלחמה ארכה׳ ומעמו חיים נמשכים והולכים בזמן ארוך. Soeben lese ich zum ersten Male in einem 8rdur des Dr. M. Sachs ויל die Worte חתנים (chassonim) u'rib ארכים T! (chajim arukim), was gewiß als סמיכה גדולה zu betrachten ist. Ich schließe mit dem Wunsche, dass meine geehrten Herren Collegen ח׳ ארכים lesen und dafür vom Herrn mit ח׳ ארכים וארוכים (ekajim arukim rvaaruebim) bedacht werden möchten. I o se f B a ß, Cantor in Neustadt O. S. Talmudische Lösung der schon so hänstg und in jüngster Zeit eifrig erörterten Schulfrage: Soll der hebräische Elementar-Unterricht activ, selbstthätig, grammatisch דייק oder in herkömmlicher Weise passiv, vor- und nachübersetzend גרים ertheilt werden? Von f}. G o l d st e in, e m e r i t i r t e r Lehrer. (Schluss.)- Nach meiner Erfahrung, die der Praxis entstammt und die 'doch nach der Lehre des Talmud's הלכה למעשה wohl zu beachten und zu würdigen ist — begehen wir in der Gegenwart eine Versündigung in des Wortes vollster Bedeutung, wenn wir den hebräischen Elementar-Unterricht passiv גרים und nicht activ דייק ertheilen. Ja, wir sündigen nicht nur gegen unsere Jugend, die bei der Hintansetzung dieses Lehrgegenstandes seitens d e Herz der vielumworbenen, schönen Judit. Sie wurde sein Weib, musste aber für die, Geburt ihres lieblichen Töchterchens ihr eigenes Leben opfern. Der Schlag traf Benjamin zu jäh und hart, sein von der Mutter ererbtes, weiches Gemüth ertrug den Verlust nicht, er brach unter der Wucht des Schmerzes zusammen, und selbst das zärtliche Lallen seines süßen Töchterchens vermochte ihn nicht mehr von seinem Schmerzenslager aufzurichten. Er starb und ließ der verzweifelten Mutter die kleine einjährige Judit. —. Diese traurigen Ereigniße zogen an jenem Freitagabende durch das Gedächtnis unserer frommen Mirjam. Ihr inbrünstiges Gebet, das sie zum Tröster der Menschen emporsandte, beschwichtigte allmälig ihr Herz, und nach Beendigung desselben sprach sie einen Segensspruch für ihre in der Ferne weilende Enkelin Judit. Obwohl Mirjam streng religiös nach den Vorschriften der jüdischen Religion lebte, fühlte sie das Bedürfnis, ihrer geliebten Enkelin, welche die Schönheit der Mutter und den lebhaften Geist des Vaters besaß, nicht nur eine häuslich fromme Erziehung zu geben, sondern auch dem Zeitgeiste Rechnung zü tragen. Sie vertraute sie der Vorsteherin eines Pensionates in Berlin an, die es sich zur Aufgabe machte, ihren Zöglingen eine vielseitige Bildung angedeihen zu lassen, sie mit den Umgangsformen der besseren Gesellschaft vertraut zu machen, und dabei auch die strenge Beobachtung der jüdischen Satzungen zu pflegen.

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