Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 22 (25.6.1885)
- Date
- 1885-06-25
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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größer, indem sie die Comödien in dem gottgeweihten Hause, in der Stätte der Andacht und während des Gottesdienstes, aufführen lassen ׳). Man erzählt, dass einst Fürst Gortschakoff eine polnische Synagoge besuchte, La hörte er die Keduschoh nach einer russischen Melodie singen, er freute sich sehr über die rusiischen. Sympathien der Synagogenbesucher, seine Freude wurde aber gleich gestört, als er später das bald folgende Tikantoh in einer polnischen Nationalmelodis singen hörte 3). R. Efraim Lenschitz, Schüler des N. Salomon Lursoh sagte und klagte: Die Chasanim singen zu viel und dehnen jedes Wort aus; auch bekennen sie es ganz offen, dass sie während des Gesanges Künstler, aber keine Vorbeter sein wollen. Denn die Meisten derselben Haschen blos nach Beifall und streben blos dahin,! dass die Leute ausrufen sollen: Welch' eine gewaltige Stimme, welch' ein prächtiger Tenor! 4) Und so haben die größten Autoritäten Jahrhunderte hindurch über den in den Synagogen üblichen figurirten Gesang das Vcrdammungsurtheil ausgesprochen, sie haben über die herkömmliche Maltretirung der liturgischen Texte, wie über die mit dem 8chu1chau-A1׳uch eollidirenden Gesänge Zeter geschrien; aber ihre Worte fanden keinen Anklang und keine Berücksichtigung, es wurden noch weiter in den Synagogen die Menuetten, Ländler, Polkas, Csaräas, und Märsche mit besonderer Bravonr von dem Triumvirat, Chasan, Bassist und Tenor, aufgeführt; die Stimmen der Vorbeter haben, wie der selige Oberrabbiner Löw 5) so treffend sagte, die Stimmen der Nabbinen übertönt; als später die Nabbinen sahen, dass ihre Worte erfolglos bleiben und die Worte des Weisen: טוב לשמוע גערת חכם משמוע שיר כסילים keinen Anklang finden, so verhielten sie sich passiv; denn dort, wo die Dummheit und Geschmacklosigkeit sich eingewurzelt hat, kämpfen selbst Götter vergebens. (Schluss folgt.) 2) Beclior Schorr Tanith 16. 3) Ben Cliananjah, Jahrgang 6, Seite 456. 4) Arande Sehescli. 5) B. Cbananjab 260. Erläuterungen des M. Gottesdienstes nach Nekoi-6 Hatephilla mitgetheilt von Simon Diamant, Oberlehrer in Austerlitz. (Fortsetzung.) .מנהג כברות J 21m Morgen vor dem Versöhnungstazc pflegt man für jede Mannsperson im Hause einen Hahn und für jede Weibs- Person eine Henne zu schlachten und vor dem Schlachten die üblichen Verse zu sprechen. Vergleicht man die Stetten: ״Wer die schädlichen Geister kennen will, der nehme heiße Asche und! lege sie auf's Bett, des Morgens wird er sehen wie Hühnerfüße', (Berach 6. a.) ״Jene Völker, welche 8auch61ib nach Lamaria versetzte, dienten einem, der Henne ähnlichen Götzen', (8auh. . £3, C.) ,Denn heute darf man keinen weißen Hahn verkaufen, weil er ihn abgöttisch verehrt' Mhoäa Sara 13, C.), so scheint <111§ allen diesen Stetten hervorzugehen, dass bei manchen orientalischen Völkern der Hahn wahrscheinlich, weil seine Stimme in der späten Nachtstunde vernommen n׳ird, als eine Gottheit der Finsternis, oder als deren Symbol betrachtet und wohl auch angebetct wurde.*) Vielleicht haben die Nabbinen den in Nede stehenden Gebrauch darum cingeführt, um zu beweisen, dass der Hahn nicht angebctet wird. Darum sotten wir ihn gerade an dem Tage schlachten, wo wir uns vorbereiten,Uns mit dem einig einzigen Gotte auszusöhnen, den attein wir anbeten, sowie einst die J'raeliten das Lamm schlachteten, welches die Egypter als heilig verehrten. : Nichtsdestoweniger hat schon ein in der rabbinischen Literatur hochzefeierter Mann, Salomo ben 2ldereth,(רשבא) geft. .1320 in Barcelona diesen Niuhag abgeschafft, weil er heidnisch zu sein scheint. (Dschuhoth Baschho Gutachten 395.) Josef Karo, der große und erleuchtete Denker im',1.6. Jahrhundert, recipirte diese Ansicht und stellte sie7 im Schulchan Avuch als feste Norm auf, mit den Worten: יש למנוע המגהג. Diesem folgte sodann der scharfsinnige Verfasser des Prichadosch, der die Abhandlung über diesen Gegenstand mit folgenden Worten schließt: ״Uebrigens ist kein Zweifel, dass es recht und bittig ist, diesen Minhag ab׳ zustetten, da er ein heidnisches Gepräge an sich trägt, und wir den tiefen Sinn des heiligen Schriftverses zu beherzigen haben: ,Ganz sottst du sein.mit dem Ewigen, deinem Gotte'. ״: . Von den alten heidnischen Ezyptern erzählt der berühmte Geschichtsschreiber Herodot (1il>6o II. 35.): ״Ueber dem Kopfe des Opferthieres sprach der Opfernde folgende Formel:. Wenn mir oder dem Lande Egypten ein Unglück bevorstehe,' so möge es über dieses Haupt kommen!' In der That ist dieser Usus schon in vielen Gemeinden abgeschafft. Einiges über die Pijutim. Sie enthalten dichterische Betrachtungen theils über geschichtliche Ereigniße, theiis über religiöse Ceremonien, sowie auch Herzensergüsse der frommen Betenden. Die Gesänge der Dichter halten sanftere Sitten verbreitet, die leicht empfindliche Gemüthsart der Juden, atte ihre Empfin׳ düngen, insbesondere der Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, ihren Wohlthäter, gesteigert. Sie zeigen, wie in den langen Zeiten der häufig wiederkehrenden Barbarei gegen die Juden begeisterte. und edelgesinnte Männer Gelegenheit genug fanden, durch Bekämpfung mannigfaltiger Bedrängniße sich um ihre Glaubensgenossen verdient zu machen. Der Name Pijut kommt vom griechischen Poiesis, Dichtkunst, und der Verfasser heißt Paitan, vom griechischen Poietes, Dichter. Der bedeutendste und beliebteste Paitan war Nabbi Elieser Hakalir, aus Cagliari im Königreiche Sicilien, im 10. Jahrhunderte. מחוור Cyklus, Umlauf, Umkreis, umfasst nur die Pijutim im engeren Sinne, die nur für die Festtage bestimmt sind. יוצרות Frühgebets-Poesien, so benannt von dem Morgengebete .יוצר אור אחכה hat seinen Namen von dem Morgengebete .אהבה רכה אופן von dem Morgengebete .והאבנים מאורה von dem htzten Worte im Segensspruche יוצר . .המאורות זולת von dem letzten Worte in dem Gebetsstücke .אמת ויציב קרובות von קרב hintreten, darbringen, sind solche Pijutim, die beim Necitiren des ש״ע gebetet werden. Die Verfasser derselben hießen בעלי קרובות. (WajikraRabba Cap. 19.) Nabbi Elieser, Sohn des Nabbi Simeon, wurde von seinen Zeitgenossen בעל קרובות genannt. (Nicki8 .׳ch. hasch.). Abtheilungen von dieser Pijut-Gattung sind: *) Diese Ansicht ist wohl nicht ganz acceptabel, da der Hahn das Morgengrauen verkündet und als Symbol der Wachsamkeit gilt.