Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 20 (9.6.1885)
- Date
- 1885-06-09
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Talmudische Lösung der schon so häufig und in jüngster Zeil eifrig erörterten Schulfrage: Soll der hebräische Elementar-Unterricht activ, selbstthätig, gramnratisch דייק oder in herkömmlicher Weise passiv, vor- und nachübersrtzend 21די ertbeilt werden? Von G o I b ft c i n, emeritirter Lehrer. Es ist eine nicht uninteressante geschichtliche Erscheinung, wie ein Volk überhaupt, insbesondere aber dessen Anschauung, sich im fluchenden Zeiistrome durch trübe Verbältuiße ändert und leider derart Wechsel!, dass es, wenn wir uns dasselbe in der Weise vergegenwärtigen, wie es seine unleugbaren geschichtlichen Urkunden aus der Vorzeit darttellen, unglaublich scheint, dass wir Sprößlinge jenes Volkes vor uns haben, dessen geschichtliche Documente uns zu ganz anderen Erwartungen bcrechtigen, als die Wirklichkeit sie uns bietet. Zur Erhärtung dieser Erscheinung sollen uns zwei ganz verschiedene Thatsachen aus dem unerschöpflichen Born der io trüben Geschichte Israels dienen. Freilich weiß die Geschichte kein Volk zu neunen, das, gleich Israel, weder lebt noch todt ist; denn die Nationen der Vergangenheit traten mit ihrer Besiegung vom geschichtlichen Schauplatze. Sie wurden besiegt, gingen!Heils unter, theils aber auch in den Siegern aus, sie amalgamirten sich und leben nur noch in geschichtlicher Erinnerung. Nicht also aber ist das Los Israels, dem Ieremia 46. 28 begeistert zürnst: .Du, mein Diener Jacob, fürchte nicht, ich der Herr bin mit dir, denn fallen auch alle Völker, unter die ich dich verstoßen, der V ernichtung anheim, du nicht!' Israel ist und bleibt ein uraltes, ich möchte sagen, ewiges Volk, und ewig wahr und rührend ist die Elegie Jeremias Klagelied 2, 13: ,Was soll ich für dich anführen, was dir ähnlich finden, Tochter Zeruschulaim's, was mit dir vergleichen, dass ich dich tröste, jungfräuliche Tochter Zion's, denn groß, wie das Meer, ist deine Wunde, wer wird dich heilen?' Ueberschaueu wir flüchtig die 4000jährige Geschichte unseres Volkes — des ewigen Juden — so gelangen wir einmal zu der Erkenntnis, dass Israel zwar ein trauriges, aber doch immer mehr ein seelisches als ciü irdisches Dasein in der Geschichte behauptet und darum, gleich dem Geiste, nimmer aushörl. Wir kommen aber auch zur richtigen Würdigung des Ausspruches Jeremias 2, 3:׳ ,Ein Heiligthum ist Israel dem Ewigen — Erstling seines Ertrages; alle, die es schädigen, werden cs büßen" u. s. w. Die erwähnten Erscheinungen haben zwar den Berührungs- Punkt, dass sie beide pädagogischer Art sind, jedoch von einander sehr verschieden, indem die eine kriegerischer, die andere sehr friedlicher Natur ist, und sie weichen von dem gegenwärtigen Zustande dieses Volkes im Allgemeinen dermaßen ab, sind ihm diametral so entgegen, dass deren Anführung fast gewagt und unglaublich erschiene, so nicht eine ganze Literatur meine Be-' hauptung aus das Unzweideutigste bekundete. Mil dem Buche Numeri in der Hand, wage ich bei Betrachtung einer beliebigen, polnischen Iudengemeinde die gewiss kühn ^klingende Behauptung: Israel, oder richtiger unser große Moses, ist Schöpfer und Begründer der Strategie und der militärischen Einrichtungen im Allgemeinen, trotzdem die israelitische Geschichte in den oft erwähnten eisernen Wagen, von denen Israel viel zu leiden hatte, nur schwache Spuren von Krupp'scheu Kanonen — uns überlieferte. Die Volkszählung, die Aushebung zum Eintritte in das Volksheer vom 20. Lebensjahre ab, die Formation der 4 Heeresfiügel aus je 3 Stämmen — der Ostflügel 186.400 Krieger zählend und der Fahne Judas zugetbeilt — der Südflügcl 151.400 Krieger zählend, der beim Aufbruche des Lagers den zweiten Zug bildete und der Fahne Nuben's folgte — der Westflügel mit l80.l00 Kriegern der Fahne Ephraim's zugewiesen, der beim Ansbruche den dritten Zug bildete — und endlich der Nordflügel mit 175.600 Kriegern der Fahne Dann's zugewiesen und den Wüstcnzug beschließend — also diese 695.550 Krieger, die das äußere Quarrch außer dem Stamme Lewi, der das innere Quarre um das Hciligtbum, in der Wüste bildeten, wie uns Numeri 33 sehr genau berichtet — was war und ist es anders als unsere vaterländische militärische Einrichtung, wie sie leibl und lebt im sogenannten christlichen, d. h. sein sollenden! messianischen Staate. Erwähnen wir noch der silbernen Trompeten mit den genau angegebenen Signalen zur Versammlung des ganzen Volksheeres, oder der Anführer zum Ausbruche der vier Heeresflücjei — oder lese ich Numeri 10 den ersten durch Moses auf Befehl des Herrn aus einem Wülten-Terrain, durch bäuflge feindliche U.bersälle, Wasser- und Proviant-Mangel gestört, ausgeführten Zug — 10 müssen wir entschieden Moses als den größten Heerführer, der je existin, anerkennen und mit ihm in sein Siegeslied: ,Gott der Herr ist ein Krieger׳, einstimmen. Denn nur durch göttlichen Beistandlwar die 40jährige Wüsten- Wanderung überhaupt zu ermöglichen. Was das Volksheer unter Josua, den Richtern, Königen, wider eine vollständig entartete Heiöenwelt leistete —- das erzählt uns die Bibel ziemlich aussührlich. Die heroische Widerstandskraft bei Auflösung dieses tbeokratischen Staates wirb nicht nur von einem prophetischen Zeugen mit den Worten (Klagelied 4, 12) gerühmt, die Könige > und Bewohner der Erde glaubten es nicht, dass jemals ein Dränger und Feind in die Thore Jerusalems kommen könnte, sondern die profanen Geschichtsbücher Josephus und die neuen Geschichtswcrke bekunden es aus das Unzweideutigste, dass nur Gott der Kriegsherr, der durch Moses diesen Goltesstaat geschaffen, ihn auch auslöste. Wir unsererseits sind natürlich nur insoweit Verehrer des Militarismus, als er in pädagogischer Hinsicht zur Ausbildung des Körpers den Schlussstein der Erziehung des Jünglings bildet und iisir in den Stand setzt, Recht und Ehre nöthigenfalls mit der Waffe zu vertbeidigen. Diese angeführte geschichtliche Erscheinung hinsichtlich martialer Neigung des alten Israels, wie deren Abneigung in der Gegenwart, liegt uns etwas fern; wir erwähnten ihrer nur, weil die körperliche Ausbildung. Turnen, Waffen-Handhabung rc. unbedingt zur Erziehung gehört. (Fortsetzung folgt.) Eingesendet. Geehrter Herr Nedactenr! . In Nummer 11 Ihres geschätzten Blattes wird in den vom Herrn^Oberlehrer Diamant mitgetheilten, sehr schätzenswcrthen Erläuterungen des iüd. Gottesdienstes nach ״Mekaure Hatefila“ der Beiname von Iehuda dem Makkabäe:, resp. der AuSdruck Makkabäer entsprechend dem Worte Nakarvi oder Naksvvss, welches Hammer bedeutet, erläutert; ferner heißt es im benannten Artikel, dass viele die Meinung vertreten, der Name Makkabi sei eine Abbreviatur von •'מי כמוך באלים ה. Gestatten Sie mir, dieser Ansicht eine andere Erklärung entgegenzustellen: Zunächst fühle ich mich veranlasst, zur Steuer ׳ der Wahrheit darauf aufmerksam zu machen, dass die Leseart! Nakadi nach Nskanre Hatefila keine zutreffende ist, sondern V