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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-06-09 · Heft 20 (9.6.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 20 (9.6.1885)
Date
1885-06-09
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 - sicb um die Abwehr ungerechtfertigter Angriffe auf das Cantorenthum oder um die Klarlegung seiner Bedeutung . für .den jüdischen Gottesdienst bandelte, in Zukunft mehr Ausmerkiamkeit zuzuwenden. Nur durch stetigen und regen Gedankenaustausch kann jene Apathie gebannt werden, die jo Manchen befangen zu haben scheint. Künstliche Belcbnngsmittel, wie die möglichst rasche Einberufung eines C ruorentages, die von einer Seite vorgeschlagen wurde, werden dagegen vergeblich ankämpten, denn wer bis jetzt noch nicht vvn der großen Bedeutung und der Nolh- Wendigkeit des Cantorenvereines vollauf überzeugt ist, wer bisher sich noch nicht dessen bewusst ist, was er seinem Stande gegenüber schuldet, bei dem ist jedes Gefühl für die gemeinsame Sache abgestumpft und der wird niemals für dieselbe gewonnen werden können. ■ , Cantor-Frage. Vom Bezirksrabbiner A. Noth in Sziklos. IX. Wenn auch Gesang und Musik vvn vielen Rabbinen, als Aenßernng der Freude und des Frohsinnes, wegen der Zerstörung des Tempels perhorresciit wurde '), so wurde doch im Cultus der Singsang geduldet. .Singet ihm ein Lied, schlaget - vor ibm das Sai'euspicl, dienet Gott in Freudigkeit, tretet ein vor ibm mit jauchzendem Frohlocken*, wurde täglich wiederholt, weil der Gesang die große Gewalt ist, welche segnend und entzückend auf das menschliche Gemütb wirkt ׳), er verklärt die Freude, er läutert den Schmerz. Der Mensch bedarf nur zu oft solcher erbebender und stärkender Mittel, wenn sein Geist und Herz nicht ganz vertrockne und hinwelke; denn die Zeit, innerhalb welcher unser Lebensstrom über die Erde sich binwegzieht, um dem Himmel zuzueilen,'ist so reich von Alltäglichkeiten, zeigt so viele Verflachungen und Gemeinplätze so viele dunkle, seichte und gefährliche Stellen, dass wir wahrlich des Gesanges, dieser HimmelSwcbler, vedürsen, welche die Letter bildet, ans welcher der Geist sich emporschwingt hoch über der Erde Grenzen. Der Gelang ergreif 1 mit unwiderstehlichem Zauber unser Herz und vestügell den Geist. Diese seröne und herrliche Gnadengabe, der Gesang, sagt der Mecsler der Beredsamkeit. Herr Dr. Zellinek, bat Gott seinem Volke in reichem Maße verliehen! Seil Moses und Israel das er Ne Lied augestimmt haben, ist es in Jakobs Wohnungen helmilw geworden, schmückt unser Volk ein herrlicher Kranz von Dlckterrr und Sängern. Als cs ans vareriichem Boden frei lebte, und als es reru von Zion in der Fremde berumirrle, am Hellen Lage wie rn dunklen Nächten, immer imite das Lied in seiner Mule, baid rn lauten und srödlichen Wersen bald in gedämpften, duneren Äccoiden. Weich und rübrend, sagt ferner Dr. Jellknek, kttngl das £nö Israels, wie der Gesairg aus zartem Kinder׳ ') In!״כ• Miscknah zu Sola 48 beißt es: משבטלה קסנהדריץ 31 -בטלה השיר בבית ד משתאות ch De•״ Courmeuraloren sind nur profane Lred.r ver Voten vei Mablzeiren zu singe», aber gobes- und Dankgesänge sind erlaubt, si.be Ginn 7 und Maba׳scha Daselbst. Samuel Zdeles klagt sehr, D&U» es Coasauiin gibt, welche von Mablzeik zu Mablzeir gehen und in ihrem beeau'cbren Zuslande die Gesänge profauiren. Siehe Mavarscha zu Tanith 1b. Im Luche De. Frommen vom Rabbi.Zehuda Hacbasid heißt es: Einer gebiauchre beim ׳^orrrage eines Hochzeitliedes mehrere Male die Worte Le dieux r^i (cs tollte heißen roij un er wurde von einem Frommen jedesmal deshalb ve:w»ntcbr. (!08.'».) 2) Unter die Drei Dinge, wclcte 2ימשיבי^ ה?!ת1 של אר dhden Mensct'en erheitern, ge örr nacd Talmud Verachoth 57, das קול. munde, wenn es die Gnade und die Barmherzigkeit seines Gottes rühmt, beruhigend und beschwichtigend tönt das Lied Israels, wenn es die unerschütterliche Treue seines Gottes bekennt, furchtbar und erschütternd wirkt das Lied Israels, wenn es das Strafgericht seines Gottes schildert und uns die Wellenschläge des Meeres hören läset, die mit furchtbarem Getöse den racheschnaubenden Feind verschlingen. Und wodurch, fragt Dr. Jellinek. könnten die Verehrer des einig einzigen Gottes, die Bekenner Adonai's, dcs ewigen, reinen, göttlichen Seins ibn würdiger preisen, als durch Lied und Gesang? Das Jndentbum besitzt vermöge seines reinen und lauteren Gottesglanbens keine Gemälde und keine Statuen, um auch mittelst des Sinnen׳ eindruckes aus das Herz des Gläubigen einznwirken. Nur der׳ jenige Thei! der Kunst, welcher das Ohr trifft und durch das Obr den Weg zum Herzen sich bahnt, nur der Gesang ward Israel gegeben, und in der That ist der melodische Ton. das geistige Element gleichsam unter allen Künsten, der passendste Ausdruck der jüdischen Gottesverehrnng und entspricht einer Neligion des Geistes und des Herzens 3). Weil also de: Cbasan durch seinen Gesang eine bezaubernde Macht auf Gemüth und Geist des Znbörers ausübte, wurde er von großen Capacitäten protegirt, dies beweist unter mehreren der Bescheid, welchen der gefeierte R. Salomo b. Addeneth in Barcellona der jüdischen Gemeinde zu Hueska in Arragonien crtheilte. Die Hueskaner nahmen nämlich Anstoß an dem selbstgefälligen Vortrage ihres Vorbeters, wie nicht minder an der Zeitdauer, welche der Gottesdienst in Folge dessen in Anspruch nahm. N. Salomo, an den sie sich wendeten, schrieb ihnen wie folgt: In diesen Dingen kömmt Alles auf die Gesinnung an, freut sich der Vorbeter in seinem Herzen, dass es ihm gegönnt ist, sich seiner angenehmen Stimme zum Preise Gottes zu bedienen, so sei er gesegnet! Fordert ja schon der Talmud, dass der Vorbeter eine angenehme Stimme habe. (Fortsetzung folgt.) 3) Die Predigt: ,Der religiöse Gesang" von Dr. Zellinek in den Sieben bei verschiedenen Gelegenheiten Seite 52, ist ein Meisterstück in optima forma Ueber das Gehör und die Tonempfindnng. VI. (Schluss.) Es scheint, dass die Verschiedenheit zwischen musikalischen und nicht musikalischen Menschen, das beißt zwischen solchen, die musikalische Anlagen haben, und solchen, die keine besitzen, auf der Art und Weise beruht, wie sie die Tonempsindungen ansfassen, und davon abhängt, welchen Eindrücken sie mit ihrer Aufmerksamkeit folgen. Die musikalischen Menschen folgen wesentlich den Bewegungen des Grundtones, und diese prägen sich ihrem Gedächnlniße) ein. Die Nichtmusikalischen richten ihre Aufmerksamkeit mebr auf die Klangfarbe; für diese ist ein Ton, wenn er eine andere Klangfarbe hat, etwas Anderes, etwas Neues. Sie unterscheiden die Qualität der Töne nicht nach ihrem Platze in der Tonleiter, sondern nach der qualitativen Empsindung, die dadurch ibrem Ohre entsteht. Damit hängt es wahrscheinlich auch zusammen, dass ausgezeichnete Schauspieler, die die feinste Empfindung für die geringste) Veränderung in der Klangfarbe der Stimme habei^ die die Wirkung der Affecte auf dieselbe aus das Allerfeinste und Schönste wiederzugeben wissen, oft gänzlich unmusikalisch sind, und im Gegentheile wieder sehr musikalische

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