Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 20 (9.6.1885)
- Date
- 1885-06-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumerations-Preis Kür ■gtvtinsmititieber: Ganzjädriz ... fl. s — Halb'jLhrig ... fl- 5.S0 Vierteljährig . fl. l״as Monatlich ... fl. —.45 Kür Mchtmitgtteder: Ganzjährig ... st. e — Halbjährig ... st. 3.— Vierteliährig . . fl. 1•*° Monatlich . . . fl- —•SO Kür das Ausland: Ganziährig . . . fl. ז.— 12 Mark oder 6 Rubel. für die d - Zeiius O r 2 a n GkZMiilil-Interessen jüdischer Caiitortn. ErsÄeint jeden achten Hag. Begründer: Cbfrcantor ^Berner. ^eilueiion Administration Ul i tu. II., Novaragaffe 27. Inserat« werden billigst berechnet. V. Manufcripte werden nicht retournirt. Nr. 20 Wien, 9. Juni 1885. 5. Jahrgang Wien, am 9. Juni 1885. 15־in Zeitraum von drei Zähren ist verstricken seit jenem in der Geschickte des Cantorenthums denkwürdigen Tage, an welchem sich eine imposante Collegenschaar aus allen Gauen unseres großen Vaterlandes zum ersten Male znsammenfand, um mit jugendsrischer Begeisterung und vereinten Kräften an die Gründung des österr.-ungar. Canloren-Vereines zu schreiten. Jedermann, der an den damaligen Berathungeu theilnahm, musste sich die Ueberzeugung aufdrängen, dass das Cantorenthum am Beginne einer neuen Aera stand, dass es einer schöneren, glückverheißenden Zukunft enlgcgenging, die jedoch nur durch einmüthiges Zusammenstehen Älter, durch unermüdliche Thätigkeit jedes Einzelnen herveigefühn werden kann. Mir Feuereifer wurde nun an die Berathung der Statuten gegangen, Zeder versprach auch in Zukunft alt' seine Kräfte für den Verein einzusetzen und mit dem frohen Zurufe: ,Auf Wiedersehen in drei Zähren 1* ging die Versammlung auseinander. Drei Zahre sind nun verflossen, aber das Wiedersehen können wir nicht feiern. Was ist die Ursache? Warum ist der zweite Cautorentag im heurigen Zahre nicht einberufen worden? Die Frage könnte sehr leicht formell beantwortet werden. Der factische Bestand des österreichisch-ungarischen Cantoren-VereineS datiri erst von dem Lage, au welchem die behördlich genehmigten Statuten in Kraft getreten sind und der definitiv gewählte Vorstand seine Wirksamkeit begonnen hat, d. i. vom Tage der Constituiruug des Vereines am 22. Februar 1883. Somit wäre das dritte Vereinßjahr noch nicht vollendet und der in den Vereinsstatuten bestimmte Termin für die Einberufung eines Cantyrentages noch nicht fällig. Wir würden jedoch nur uns selbst täuschen, wollten wir annehmeu, dass dieser Umstand allein für die Verschiebung des Cantorentages maßgebend war, ein viel wichtigerer Grund hat vielmehr den Vorstand dazu bewogen, die Vereiusmitglieder in dem heurigen Zahre nicht zu gemeinsamer Berathung zusammenzurusen, und dieser Grund ist die Ueberzeugung, dass ein Cautorentag in diesem Jahre seinen Zweck nicht erfüllen würde. Die Fragen, über welche derselbe zu entscheiden haben wird, sind von so größer Wichtigkeit, dass es ein Leichtsinn wäre, an die Lösung derselben zu schreiten, bevor nickt jedes Vereinsmitglied sich die vollste Klarheit und die g.-naueste Einsicht in die Verhältniße verschafft hat. Die Vcreinssrakuten, die am Cantorentage mit großer Hast durchberathen worden sind haben sich in vielen Beziehungen mangelhaft, in mancher Hinfickt sogar der Entwicklung des Vereines hinderlick erwiesen, sie müssen daher einer eingehenden Revision und Verbefferung un terworfen werden. Die Gründung eines Pensions- oder Unterstützungsfondes aus Vereinsmitteln ist in diesen Blättern zu wiederholter Malen angeregt worden, aber an an der Passivität der Mitglieder ist jede Discussion über diese Angelegenheit gescheitert. Verschiedene Fragen, die sociale Hebung des Cantorenstaudes betreffend, find trotz eingehender Berathungen in den Vorstandssitzungen heule noch nicht spruchreif, und so würden wir ohne ein feste? Programm Zusammenkommen und ohne Resultat aussiuandergehen. Unter solchen Verhältnißen musste es dem Vereinsvorstände als zweckmäßiger erscheinen, seine vorbereitende Thätigkeit noch weiter fortzusetzen und den Cautorentag erst im nächsten Jahre einznberufen. Bis dahin wird auch der Vereinsfond hoffentlich in der Weise gewachsen sein, dass die Zinsen desselben dem in den Statuten angedeuteten Zwecke zugeführt, werden können. Soll aber dieses Ziel erreicht werden, soll es gelingen, dem Vereine bis zum nächsten Cantorentage eine feste und sichere Grundlage zu verschaffen, so müssen die einzelnen Mitglieder bestrebt sein, das Wirken des Vorstandes zu unterstützen. Was bisher geschehen ist, haben wir einzig und allein der Initiative des Vorstandes zu verdanken, und wir können den Vorwurf nicht zurückhalten, dass die Vereinsmitglieder ihrer Pflicht im Allgemeinen nicht nachgekommen sind. Wer der Ansicht ist, dass er mit der Einzahlung des Jahresbeitrages genug gethan hat, steht auf einem sehr falschen Standpunkte, das allgemeine Interesse erheischt es vielmehr, dass jedes Mitglied mit Leib und Seele für den Cantorenverein eintrete und ihn auf jede mögliche Weise durch Wort und Thal zu fördern suche. Besonders eindringlich müssen wir unsere Collegen ermahnen, jenen Fragen, die theils in den Vorstandssitzungen, theils in diesen Blättern angeregt wurden, und in welchen es