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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-06-01 · Heft 19 (1.6.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 19 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Nun denke man sich, es befanden sich in unserem Obre auch dergleichen mittönendc Körper und diese stünden in Verbindung mit Nervenfasern, und zwar jeder mit anderen, so wird, wenn ein reiner Ton von pendelartigen Schwingungen unser Ohr trifft, eine Gruppe von Nervenfasern stark erregt werden, die Fasern, die in Verbindung stehen mit demjenigen Theile der stark mittönt. Andere werden noch schwach erregt werden, weil. die mit ihnen zusammenhängenden Theile noch schwach millönen, : die übrigen aber werden nicht erregt werden. Wenn aber an unser Ohr eine Klangmasse gelangt, die miirönende Körper zerlegen müssen in verschiedene Systeme von pendelartigen Schwingüugen, dann wird nicht nur eine Gruppe von Nervenfasern, es werden verschiedene Gruppen von Nervenfasern erregt, und die verschiedenen Tonempfindungen werden im Bewusstsein eben zu der Empfindung eines Klanges zusammengesetzt. ״ Das was man Klangfarbe nennt, ist das Resultat des Grundtones in der Zusammensetzung mit seinen verschiedenen Obertonen, es ist die Modisication, welche der Grundlon durch das gleichzeitige Erklingen der Obertöne erfährt. Wenn wir einer Melodie nach-, gehen, so folgen wir mit unserem Ohre den Bewegungen des Grundtones nach auswärts und abwärts. Daneben geht aber^ etwas Linderes her, wir unterscheiden nämlich auch die Qualität des Tones, sowie die qualitativen Veränderungen des Tones während des Singens, und diese qualitativen Veränderungen des Tones beziehen sich aus den Wechsel der harmonischen Obertöne, welcher ׳ entsteht, je nachdem sich die Klangfarbe der Stimme beim Heraufgehen oder beim Heruntergehen des letzteren verändert. (Schluss folgt.) Kleine Chronik. Wien. (Die neue Tisza-Eszlar-Affaire.) Am 18. April kam die damals bei dem Kaufmaniie Joseph Ehrlich bedienstete Magd Marie Li'.chka zum Commissariat Landstraße und machte daselbst die Meldung, dass ste in der Nacht von der Tochter ihres Dienstgebers mit einem Messer überfallen und an der Brust leicht verletzt worden sei. Das Dienstmädchen wies dem amtirenden Commiffär als Corpus delicti ein blutbeflecktes Küchenmeffer vor, und thatsächlich constatine man, dass sie an der Brust eine Verletzung, die mit einem spitzen Instrumente beigebracht sein musste, erlitten habe. Die Art und Weise jedoch, wie Marie Lischka die näheren Umstände des Falles dem Commiffär mittheilte, erweckten in demselben den Verdacht, dass die Anzeigeriu entweder überireibe oder aber in Allem gelogen habe. Das Letztere stellte sich denn auch bald als unzweiselhafi heraus. Marie Lischka hatte nämlich darnach gestrebt, ihren Dienst- Platz verlassen zu können, ehe ihre Kündigungsfrist abgelaufen war, tats bei den Behörden bezeichnet/Marie Lischka hatte sich indcß nicht' allein damit begnügt, der Behörde eine Anzeige zu erstatten, sie war' auch raffinirt genug, Vorsorge zu treffen, daß die Sache die größtmögliche Pnblicität erlange, und in diesem/Bestreben wurde sie durch׳ Johann Sauermann, Inhaber eines Dienftvermittlnngs-Bnreaus, unterstützt. Sauermann schrieb eine Zeitungsnotiz, welche mit der Frage begann : ,Branchen Inden Christeublut?' Die Antwort dieser Frage war durch den Inhalt der Notiz gegeben. Marie Lischka wurde in derselben als eine zweite ,Esther Solymcssi', Ehrlich aber als ein Mörder von Christenmädchen hingestcllt, vber einen Großverschleiß für Christenblnt habe. Es sei, hieß es in dieser Arbeit des Sauetmann, nunmehr erklärlich, warum Ehrlich alle acht Tage einen neuen Dienstboten braucht, und daher auch das Näthsei gelöst, wohin die' in letzterer Zeit aus Wien verschwundenen Mädchen kommen. Diese׳ Noiiz übergab er einem Herrn Namens Johann Nathan Heferlen, welcher sie einer Zeitung zuschickte. Die Veröffentlichung dieses Be- Achtes unterblieb jedoch, und an seiner Stelle erschien die wahre Darstellung der Sachlage, wie sie vom Polizei-Commissariat Land-׳ straße festgesAUt wurde. Marie Lischka wird sich demnächst vor Ge- Acht zuverantworten habe», und beute musste dies Johann. Sauermann thun, da Herr Ehrlich ihn bei dem Bezirksgerichte Landstraße wegen Ehrenbeleidigung geklagt Hatte. Der Richter Dr. Bayer beschloßjedoch die Verhandlung zu vertagen und die Acten der Staatsanwalt׳ schast׳ abzutreten, weil sich die Handlungsweise Sanermann's als Vergehen des Z. 302 (Aufreizung gegen Rellgions-Geuossenschaftell) qnalisicire. AlM. Der nachstehende'Bericht dürfte sowohl in-mancher Hinsicht ein allgemeines Interesse haben, als auch , besonders von den Israeliten Württembergs freudig begrüßt werden. Bei dem Privatgottesdienst des hiesigen Herrn Isaak Sternberger wurde der hohe Geburtstag unseres vielgeliebten Königs ebenfalls .wie im ganzen Lande gefeiert. Es wurden geeignete Psalmen respondirt und ein dazu 'besonders verfasstes Gebet vorgetragen, welches die innigsten und herzlichsten Segenswünsche für die baldige und dauernde Wieder-׳ genesung Sr. Majestät zum Himmel sandte. Herr Sternberger hatte schon bei der Abreise des Königs nach Nizza neben dem für Samstag ' vorgeschriebeuen Gebete noch ein weiteres hinzugefügt, dass Gott Se. Majestät, unseren in Ehrfurcht geliebten König, bald wieder gesund zurücksühren und an der Seite Allerhöchst deren Gemalin, unserer geliebten Landesmutter, noch viele Jahre leben lassen möge. Ueber diese prmrklose aber yerztiche Feier wurde an den in Nizza mit seiner Gemalin weilenden König von Herrn Sternberger selbst be- Achter, und zugleich ganz ausdrücklich betont, dass er aus rituellen Beweggründen die Synagoge nicht besuchen könne und deshalb geuöthigt sei, in seinem Hause Gottesdienst abzuhalten. Dieser Bericht ist von Sr. Majestät gnädigst ausgenommen worden. Aus dem Cabinet Se. Majestät des Königs empfing Herr Sternberger ein überaus huldvolles Dankschreiben, in welchem Se. Majestät für die dargebrachten guten Wünsche gnädigst danken lässt. Zur nicht geringen Befriedigung sei hieraus cönstatirt, Lass unser vielgeliebter König allen seinen Unterthanen die gleiche Huld zu Theil werden lässt und ihm auch die geringste Minorität wert[; und theuer ist. sOesterr. Wochenschrift.) Aaris. Das Centralcomite der israelitischen Allianz hat ans Bukarest folgende Mittheilungen erhalten: Ein rumänischer Advoeat, Z. 'i'iitte, hat kürzlich in Bukarest einen Vortrag über die jüdische Frage in Rumänien gehalten; er hat bewiesen, dass die gesetzliche Verfolgung der Israeliten nicht nur jeder Gerechtigkeit, sondern auch allen Interessen des Landes entgegen wäre: ,Warum sollten wir die Juden hassen?" sagt er, ,sie wollen arbeiten, um ein Stück Brod'

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