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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-06-01 · Heft 19 (1.6.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 19 (1.6.1885)
Date
1885-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Schnecke und &a3 Labyrinth mit' den 'Bogengängen.׳ Von den letzteren' bat""mau die Behauptung ausgestellt, dass sie dazu dienen, di-.׳ Richtung wahrzunebmen, aus welcher der Schall kommt, und es kann nicht geleugnet werden, dä!S die Anordnung derselben in drei fast senkrecht anseinander stehenden Ebenen, eine Anordnung, die mit merkwürdiger Regelmäßigkeit durch die ganze Reibe der Wirbeltbiere hindurchgeht, zu einem solchen Gedanken Veranlassung gib!. Nichtsdestoweniger ist diese Behauptung irrig und es lässt sich auch darthun, dass die Idee unbegründet ist. Inwieweit wissen wir überhaupt, woher der Schall kommt? Wir wissen es. insoweit wir eben wahrnehmen, dass wir mit dem rechten oder linken Ohre stärker hören, weiter nichts. Man verbinde einem Menschen die Augen und halte ibm eine tickende Uhr in der Medianebene bald vor die Stirne, bald über den Scheitel, bald vor das Kinn oder hinter den Hinterkops und frage, wo sich die Uhr befinde. Allerdings gibt er häufig ihren Ort richtig an, aber ebenso häufig auch unrichtig. Wenn wir aber eine unmittelbare Wahrnehmung von der Richtung, ans welcher der Schall kommt, hätten, müsste der Ort der Uhr unter allen Umständen richtig angegeben werden, was jedoch nicht der Fall ist. Es zeigt aber auch schon die Erfahrung im gewöhnlichen Leben, dass wir keine birccte Wahrnehmung von der Richtung haben, aus welcher der Schall uns znkommt. Woraus beruhen die Künste der Bauchredner? Was thut der Bauchredner? Cr kann nichts anderes, als seine Sprache mit seinem Kehlkopfe und seinen Mundwerkzeugen bervorbringen, er kann die Schallquelle nicht au einen anderen Ort verlegen, aber er verändert den Ton seiner Stimme, er spricht einmal, wenn er sich selbstredend einsührt, mit dem lauten und Hellen Tone seiner Stimme, dann dämpft er den Ton, er verschleiert ihn und sucht zugleich die Vvcale und die Consonanten hervorzubringen, ohne dass er die Lippen bewegt, oder Wenigstens so, dass er die Lippen möglichst wenig bewegt, um uns nicht merken zu lassen, dass er Darf ich meinem Kinde den dritten und letzten Kuss anstatt an seinem Hochzeitstage in meiner Sterbestunde geben? Darf ich? Darf ich?' schreit sie mit ihrer letzten Kraft und sinkt erschöpft zurück. Erschüttert von dem lauten Aufschrei, eilt Herr Falk an's Bett der Kranken, wohin auch Tante Schöndel lautschluchzend gegangen. Da rasselt ein Wagen heran. Hermann, von der Universitätsstadt abberusen, stürmt die Treppe hinaus. Atbemlos betritt er das Zimmer, sieht aus die Gruppe und, das Schreckliebe ahnend, stürzt er an's Bett. Weinend sinkt der kaum dem Knabenalter entwachsene Jüngling vor seiner sterbenden Mutter nieder. Die Kranke öffnet die großen, dunklen Augen und heftet sie mit dem Ausdrucke fast überirdischer Liebe aus ihren Sohn. Dann raffte sie noch einmal ihre letzten Kräfte zusammen, richtet sich halb empor und schlingt die Arme um ihr geliebtes, einziges Kind. So hält sie ihn fest. Ihr Antlitz ist halb dem Rabbiner zugcwendet, ihr fragender Blick lauscht mit fieberhafter Spannung ans die Antwort des frommen Greises. Dieser versteht ihre stumme Frage, und mit thränenumflorten Augen nickt er ihr bejahend zu. Ein verklärtes Lächeln umspielt die Züge der Sterbenden. Schnell beugt sie sich zu ihrem trauernden Kinde, blickt tief und lange in sein treues Auge, drückt ihre Lippen auf die!'einigen und, Mund an Mund gepresst, haucht sie mit diesem dritten Kuss den letzten Lebensodem aus. es selbst ist, der spricht. Dadurch, dass er den Ton seiner Stimme dämpft, glauben wir, dass die Laute aus einem anderen Raume Herkommen, und der Bauchredner deutet aus einen bestimmten Ort hin und macht uns glauben, dass sich dort ein Individuum besinde, mit dem er sich unterhält. Auch bei den gewöhnlichen Kinderspielen, bei den Versteckspielen, bei denen gerufen oder gepsiffen wird, um ein Zeichen zu geben, zeigt sich, dass wir keine directe Wahrnehmung von der Richtung haben, aus welcher der Ton kommt, abgesehen von der Wahrnehmung, die uns daraus erwächst, dass wir einmal mit dem eineu, das anderemal mit dem anderen Ohre stärker hören. Man kennt bis jetzt überhaupt gar nicht mit Sicherheit eine Beziehung der Bogengänge als solcher zum Hören mit) es scheint anch eine solche gar nicht zu bestehen, da durch Experimente nachgewiefen ist, . dass Thier e beim Zerstören der Bogengänge nicht taub wurden. Ihre Function ist eine ganz andere, doch wäre es zu weitläufig hier des Näheren auf dieselbe einzugehen. Der eigentliche Angriffspunkt der Gehörwabruehmungen liegt in der Schnecke und von hier aus müssen die Erschütterungen erfolgen, von welchen der Gehörnerv augeregt wird. In welcher Weise geben nun diese Erschütterungen zu Louempfindungen Veranlassung? Beruhen die verschiedenen Tonempfindnngen aus verschiedenen Erregungszuständen in ein und demselben Nerven, oder bringt uns eine Nervenfaser, wenn sie erregt wird, nur ein und dieselbe Tonempfindung zu, so dass wir hohe und tiefe Töne dadurch hören und unterscheiden, dass das eine Mal eine Art von Nervenfasern, das andere Mal eine andere Art erregt wird? Durch zahlreiche in dieser Richtung angeftellte Versuche ist man nun zu dem Resultate gekommen, dass das Empfinden verschieden hoher Töne nicht aus verschiedenen Erregungszuständen einer und derselben Art von Nervenfasern, sondern auf der Erregung verschiedener Fasern beruhe, und dass wir eine continuirliche Reihe von einer sehr großen Anzahl von Nervenfasern aunehmen müssen, die uns alle die Empfindung von verschieden hohen Tönen zubringen, anzesangen von den tiefsten Tönen, die wir hören und die beiläufig 40 Schwingungen in der Secunde haben, bis zu den höchsten Tönen, die beiläufig 60.000 Schwingungen in der Secunde haben. Wie geht cs nun zu, dass diejenigen Töne, welche viele Schwingungen in der Secunde haben, andere Nervenfasern erregen als diejenigen Töne, die wenig Schwingungen in der Secunde haben, und da׳s die Töne je nach ihrer Höhe immer nur bestimmte Gruppen von Nervenfasern in Bewegung setzen? Bevor wir zur Erklärung dieser Vorganges übergehen, sei noch bemerkt, dass zusammengesetzte, akustische Wellensysteme sich in einfache Wellensysteme von pendelartigen Schwingungen zerlegen' lassen, und umgekehrt kann man ein Wellensystem, das die Schwiugungsanzahl x hat, mit einem anderen von der Schwirrgungsanzahl 2 x zusammenlegen. Jeder Körper, der überhaupt in dauernde Schwingungen zu versetzen ist, der zum Mittönen zu bringen ist, hat seinen Eigenton, das heißt, wenn mau ihn anschlägt, geht er nicht einfach in die Gleichgewichtslage zurück, souderu er macht Schwingungen um dieselbe, und von der Periode dieser schwirrgungen hängt die Höhe des Tones ab, den er dabei gibt, es ist dies sein Eigentou. Nun werden solche Körper immer am stärksten in Schwingungen versetzt durch eine Reihe von Impulsen, welche dieselbe Periode haben wie ihr Einzelton. Wenn ich also eine Reihe von mittönenden Körpern habe und pendelartige schwirrgungen, so tönen nur diejenigen Körper hörbar mit, welche in ihrem Eigentone dieselbe Periode haben, wie die pendelartigen Schwingungen. Wenn aber die Schwingungen nicht pendelartig

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