Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 19 (1.6.1885)
- Date
- 1885-06-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Fibern -e^mknWichen' GMüthes in wohlthüendster Weise zu ergreifen' uii-dlzn erregen; in dem ersten ׳Gebete יהי לצון werden die Bedingungen eines glücklichen, menschlichen Lebens in den markigsten'Zügen gezeichnet und kunstvoll mit den entsprechendsten, schönsten Färben gemalt. Zum Lebensglücke gehört nach dem Wegweiser öcS’יהי רצון ein von der schweren Last drückender Ärmuth befreites Leben, denn der Mensch hat Bedürfniße, die befriedigt werden müssen, deren Befriedigung die Ausnahme des Lebenskampfes bedingt, und um als Sieger aus demselben hervorzugehen, wünscht mau. das; die' Notb uns nicht zu unerlaubtc». Mitteln führe-, היים׳ שאין בדם מעה וכלימה; auch die ideale Seite des jüdischen Lebens wird prägnant, aber schwerwiegend ausgedrückt durch die Worte חיים׳ שיש בנו אהבה הודה וידאה שמים. Hier ist eine Gegenwaffe, die den Antisemiten entgcgengehalten werden kann. Zn מי שעשה wird der lebhafte Wunsch unserer Vereinigung zum lebendigen Ansdrucke gebracht, und. .mit der Bitte יחדשהן schließt das schöne, berzcrhebende Gebet. Die Promulgation der .Bestimmung, an welchen Tagen דאש הדש fällt, geschah ursprünglich gar nicht, daher in den Gebeten selbst der Raum für den betreffenden Neumondstaz nicht leer gelassen wurde. Zn späterer Zeit stellte es sich als Bedürfnis heraus, dass He'Rauscl1-Cha11desel1-£av3e zur öffentlichen Kenntnis in den Synagogen gebracht werden, und ein שליח צמד fügte vor יחדשהו die Promulgation bei, .damit dieselbe in allen Gemeinden erfolge und der Vergessenheit dieser Function dadurch vorgeschützt wxrde, daher ist die Formel דאש הדש יהיה als eine Präventivmaßregel anzusehen. Nun führte dis Conception dieser Formel zu verschiedenen Zrrthümein: man wusste nicht, ob man, wenn zwei Lage ד״ח sind, הבא oder הבאים sagen soll. Dieser Zweifel ist bis zum heutigen Tage noch nicht seiner umnachtenden Wolke entkleidet, denn selbst in Gemeinden, wo Nabbinen fnngiren, hört man von unmaßgebender Seite den Vorbeter laut eorrigiren, wenn er bei Erwähnung zweier ר״ה Tage הבא und nicht הבאים agt. — Drei Küsse. Von Rosa Sonn eschein. (Schluss.) Zn einem dunkeln Winkel des Zimmers sitzt Tante Schöndel und weint heiße, reumüthige Thränen. Herr Falk starrt, den Kopf an die Fensteischeibe gedrückt, mit trostlosem Blicke hinaus auf die Straße. Hermann, der bald nach seiner ״Barmitzwali“ das Vaterhaus verließ, um in der benachbarten Universitätsstadt seine Studien fortzusetzen, wird nun von ihm zurückerwartet. Immer schwächer und schwächer wird die Stimme der kranken Frau, bis sie plötzlich, tief aufseufzend, ermattet in die Kissen zurücksinkt. Der fromme Mann au ihrem Bette nimmt ihre feine abgezehrte Hand in die seiuige und mit tbräuenumflorten Augen ermuntert er sie in ihrer Erzählung forlzufahren. Mil Anstrengung aller Kräfte hob sie also von Neuem an. ,Ja. ehrwürdiger Herr, ein Gelübde, das Menschenkraft übersteigt, habe ich zu halten versucht. Zn jener entsetzlichen Stunde, als sie mir wieder ein Kind zu Grabe trugen, gelobte ichmeinem Gotte ein Opfer, wie es nur eine hoffende Mutter bringen kann. Zn jener verzweiselten Stunde grübelte ich fortwährend, womit ich eigentlich Gottes Geißel verdiente. Ich hatte mir nichts vorzuwersen. Nichts in meinem jungen Leben rechtfertigte solch' harte Strafe. Und wie ich so mein vergangenes Leben überblickte und vor meinem geistigen Auge auch die vier kleinen Kinderleichen vorüberzogen, da erklang es plötzlich wie eine Offenbarung in meinem Innern, Nach meinem unmaßgebenden Dafürhalten darf selbst bei Verkündung zweier N"^"Tage nur הבא und . nicht והבאים gesagt werden; dies zu erhärten, führe ich den geehrten Lesern synthetisch und analytisch den Satz der betretenden Promulgation vor: ראש חדש (פל)'הבא;עלינו ועל כל ישדאל לשובה, יהיה ביום הראשון וביום השני. Ich zeige hier nach Analysirung dieses Satzes und nachdem ich den relativen Nebensatz in eine andere Ordnung gestellt hatte, dass nur הבא, und nicht הבאים richtig ist, weil הבא nur. auf das Subjeet דיה refleckirt. nickt aber auf die zu bestimmenden Rau8H1-6l1aud68el1-Tage. Die Formel ‘הבא עלינו ובו ist nichts anderes, als eine gewöhnliche Auflösung der gebräuchlichen Abbreviatur הבע״ל und die Hinzufügung ועל בל ישראל erscheint ganz überflüssig, weil alle unsere Gebete eine nationale Prägung haben und die exelusive Scheidewand längst durchbrochen ist. Wir beten immer für בל יעראל. Mithin ist grammatikalisch evident, daß jedenfalls הבא richtig und הבאים unrichtig ist. Abstrahiren wir von grammatikalischer Richtigstellung, so erlaube ich mir darauf aufmerksam zu machen, daß wenn auch 2 Tage דיה durch die Confusion der Berechnung nominirt sind, dennoch nur der zweite Tag דיה dem Anfänge eines neuen Monates eingerechnet ist, daher in Wirklichkeit nur ein Tag ד״ח ist und schon aus diesem rationellen Grunde die Formel הבא der Leseart von הבאים den Rang abläuft. Uklier das Gehör und die Tonempfindung. V. Die Schallwellen gelangen nun auf die in den früheren Fortsetzungen erörterte Weise in die Tiefe bis zum inneren Ohre. Hier wird eine Flüssigkeit in Bewegung gesetzt, welche die in derselben endigenden feinsten Zweige' des Gehörnerven zur Erregung bringt. Das innere Ohr zerfällt in zwei Theile: in die dass ich meine kaum geborenen Kinder zu abgöttisch herzte und küsste. Solche Liebkosung, die doch nur der natürliche Ausdruck eines lieveuoeu Multerherzens ist, dünkte damals meinem überreiztem Gehirn eine Todsünde. Und unter dem Eindrücke dieser Stimmung gelobte ick das Schwerste, dessen eine Mutter fähig ist. Mit lauter Stimme, verloren, wie ich dasaß, von meinem Gotte allein gehört, schwor ich, mein nächstes Kind, wenn ich mir einem solchen beglückt würde, nur dreimal während seines ganzen LebensgangeS zu küssen. Den einen soll er an seinem ersten Geburtstag, den andern am Tage seiner ״Barmitzwah“ und den letzten an seinem Hochzeitstage erhalten. Wie viel ich unter diesem Gelübde gelitten, weiß nur Gott und kann nur eine Mutter begreifen. Die Qualen, die ich empfunden, wenn ich mich oft scheinbar kalt und rauh gerade in dem Augenblicke von meinem Kinde abwenden musste, wo ich es am liebsten küssend an mein Herz gedruckt hätte, sind unbeschreibbar. Es war entsetzliche Pein, wenn ich dem unschuldigen Kinderlallen keine Zärtlichkeit entgegenbringen durfte, und für die süßen Schmeichelworte eines einzigen Lieblings kalt und unempsindlich bleibent musste. Ich kann sie nicht schildern die zuckenden Schmerzen und das trostlose Elend, welches mir mein Gelübde fortwährend erpresste. Aber, edler Rabbi, ich habe es gehalten bis zu dieser Stunde. Ich habe mein letztes, mein einziges Kind nur zweimal in meinem Leben geküsst. Nun aber fühle ich meine Lebenskraft erlöschen, ich weiß, dass ich den Hochzeitstag meines Hermann nicht erleben werde; und nun, ehrwürdiger Herr, frage ich Sie als Sterbende: ׳,Darf ich mein Gelübde brechen?'