Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 18 (24.5.1885)
- Date
- 1885-05-24
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
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| Tann• Fröhlich. | Donnerstag den 14. d. M. starb hier im Alter von 80 Zähren der emer. Obercantor Lazar Fröhlich. Mit Blitzesschnelle verbreiteie sich die Nachricht in der ganzen Stadt und rief überall das lebhafteste Bedauern hervor. Mit Fröhlich geht eine durchaus charaktervolle und sympathische Persönlichkeit ab, dies bewies die große Theilnahme aus allen Schichten der hiesigen Bevölkernng an dem Leichenbcgängniße. Am Grabe schilderte der hiesige Rabbiner. Dr. Kisch, mit warmen Worten die Vorzüge des Verblichenen und die Verdienste, die er sich um die Regelung des Gottesdienstes am hiesigen Tempel erworben. Mir aber sei es gegönnt, eine kurze Lebensskizze des Mannes zu veröffentlichen, der ein Jugendfreund meines Vaters und mir ein treuer Rath׳ geber gewesen. Lazar Fröhlich war armer Eltern Kind und seine Heimat der kleine Ort Nabi bei Pilsen. Hier wollte es der Zufall, dass der damals vielgerühmte Buuzlauer Chasan, Fink, genannt Chajim Nischkov, auf der Durchreise auf den 10jährigen Knaben aufmerksam wurde. Die hübsche Sopranstimme des ,Weisfischerl', wie Nischkov ihn nannte, gefiel ihm und er drang in den Vater, ihm den Jungen als Nssedorsr mitzugeben. Der alte Mann hatte sich schwer entschließen können, das zarte Kind einer fremden Führung anzuvertrauen; aber nachdem Nischkov versprochen, etwas Tüchtiges aus ihm zu machen, willigte der Vater ein. Nun giugs fort in die weite Welt. Die Städte Mährens, wo größere jüdische Gemeinden waren, wurden bereist, und überall wurde die kleine ,Künstlergesellschaft* mit Freuden empfangen. Nach circa einem Jahre kamen sie nach Bunzlau. Hier verblieb Fröhlich gegen drei Jahre bis zum Eintritt der״ Mutation. Hieraus kehrte er wieder in seine Heimat zurück. Zu dieser Zeit sehen wir die erste Morgenröthe des liturgisch geregelten Gottesdienstes ericheinen. Sulzerhatte seine reformatorische Thätigkeit in Wien begonnen, die Prager Tempelgemeinde blieb auch nicht in edler Begeisterung für den Gottesdienst zurück und führte ebenfalls Chorgesang ein. Im Jahre 1830 studirte daselbst Capellmeister Franz Skraup bereits die ersten Compositionen Sulzer's aus dem Manuskript mit frisch engagirten Sängern. In dieser Schaar aufstrebender Jünger finden wir unseren Fröhlich als Chortenor eingereiht. Die Gesangsform und die neue Art des Cantor-Necitativ's blieb auf diese jungen Leute nicht ohne Einfluss, denn die Meisten wurden Cantors-Aspiranten, Fröhlich aber nach einer Zeit Cantor-Stellvertreter im Prager Tempel. Was ihm zu dieser Stellung verhaft? Seine jederzeit gewissenhafte Pflichterfüllung nnb geradezu unfehlbare Verläßlichkeit. Wenn auch nicht musikalisch hervorragend, so batte er vor allem ein ausgezeichnetes Gehör, welches ihm im Necitaliv sehr zu statten kam; er wurde scherzweise von seinen Collegcn ,die lebende Stimmgabel' genannt, denn Fröhlich hatte nie einen Tonangeber bei sich und wusste dennoch Tonabstände haarscharf anzugeben. Nur ein Beispiel davon: Als er von einer Militärkapelle ein ihm bekanntes Stück vortragen hörte, ging er nach Schluss der Piece zum Capellmeister und bemerkte, dass dieselbe um einen 7a Ton transponirt ausgeführt wurde, was dieser mit Verwunderung eingestaud. Nachdem er einige Zeit Ln Prag als wirklicher Cantor fungirt hatte, stellte sich ein kleines Brustübel ein, welches ihn zwang, zu pausiren. In hiesiger Stellung befand sich der Verblichene durch 32 Jahre und ist neben dem sel. Rabbiner Dr. Ellbogen als - Begründer des hiesigen geregelten Gottesdienstes zu nennen. In ihm verliert die Familie das geliebte Oberbaupt. die Gemeinde den tüchtigen Funktionär, die Collegen einen opferwilligen' Amtsbruder. — Jnngbunzlau, 17. Mai 1885: Benedict Singer Ober-Cantor. Kleine Chronik. Okeichenöerg. fOrig-Corresp.) Wie dies oft im Leben vorkommt, dass erst ein gemeinschaftliches Mißgeschick in zwei zu einander - gehörigen Personen das Gefühl gegenseitiger Anhänglichkeit erweckt, so begegnen sich in Gleichenberg, von Plazcek treffend bezeichnet, Rabbiner und Cantor als Collegen, als Leidensgefährten. Ein gleiches, leider durch ihren schweren Beruf bedingtes Los, die Erkrankung der Athmungsorgane fuhrt hier Beide zusammen, und mehr als zufällig grenzt mein Zimmer an das eines gewesenen Cantors, der, wie ich, aus derselben Quelle Heilung und Genesung schöpft, welche sie schon Unzähligen gewährt hat. Doch nicht den weit berühmten Cnrplatz will ich schildern, sond.׳rn die daselbst von Herrn Moritz Steiner gegründete wohlthätige Anstalt, welche Standesgenoffen es ermöglicht, mit geringen Mitteln hier auszukommen. Der Bewerber um einen Freiplatz erhält für 30 Gulden während l» Wochen ganzliche Verpflegung, ein gesundes, geräumiges Zimmer,' eine kräftige Kost und aufmerksame Bedienung. Durch die Munisicenz des Curdirectors genießt er noch manche Begünstigung, als Befreiung von der Curtaxe, alle nicht unbedeutenden Curmitteln und die Molke zu ermäßigten Pr.isen. Der tüchtige, menschenfreundliche Curarzt, Herr Dr׳. Hönigsberg, besucht׳ die Anstalt täglich zweimal und steht׳ jedem Kranken väterlich rathend zur Seite) ' Wahrlich ein humanes, nnsterbliches Werk hat der Stifter durch diese Anstalt ausgeübt, zu deren Curatoren auch der verdienstvolle als 1212Ü21121^2 עושה צדקה zu wenig gewürdigte Herr Em. Baumgarten gehört! ברבת אבל עליו תבוא» Und da Herr Steiner bald zur Jnspection herkommr, rufen wir ihm zu: ברוך אתה בבואך! f. . Wien. Ans Jerusalem wird berichtet: Se. kais. Hoheit der' Erzherzog Ferdinand Franz von Oesterreich, welcher sich augenblicklich hier befindet, hat in Begleitung seines Haushofmeisters und des k. k. österreichisch-ungarischen Generalconsnls das Institut der israeiitischen Armen- und Pilgerwohnnngen, das unt r österreichischem Schutze steht, besucht. Das Eingangsthor, das Pilgerhaus und das obere Nolhschild'sche Haus waren mit österreichischen Fahnen beflaggt, die Synagoge des Institutes, wo die Mitglieder des Localcomitss die hohen Herrschaiten erwarteten, war hell beleuchtet, und der Cantor recitirti mit Chorbegleituug das Gebet für den österreichischen Kaiser und das kaiserliche Haus, dann geruhte der Erzherzog mit seinen Begleitern auch die P-lgerwohnung zu besuchen, äußerte sich sehr huldreich über die darin waltende Ordnung und Reinlichkeit, erkundigte sich nach der Frequenz des Pilgerhauses und der Anzahl der Bewohner der Armenwohnungen und zeichnete bei der Verabschiedung seinen Namen in das Fremdenbuch. Krag. Aus die Mittheilung hin, welche in jüngster Zeit Dr. Brimannus über sein Verhältnis zu Prof. Rohling machte, schreibt' Letzterer an die Prager ,Politik" Folgendes : Die mich betreffenden Mittheilungen des Brimannus, welche Ihr Abendblatt vom 9. d. zum Abdruck bringt, sind nicht wahr ich habe den Menschen 1884 gar nicht gesehen, umsoweniger damals erst, und gar bei ihm, Talmud gelernt; mit Berufung auf meinen AmtSeid habe ich über Verlangen des Dresdner Gerichtshofes beim Prager Landesgericht erklärt, dass die Lehre des Judenthums seit