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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-05-24 · Heft 18 (24.5.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 18 (24.5.1885)
Date
1885-05-24
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Weife mit der Accommodation des Ohres folgen könnte. Eine solche Accommodation wäre jedoch nicht mehr möglich bei Tönen, die mit großer Geschwindigkeit wechseln, sie hätte weiters gar keinen Sinn für Geräusche, und doch ist uns die Feinheit des Ohres für diese viel wichtiger als für Töne. In der menschlichen Sprache sind cs gerade die Geräusche, die Eonsonanten, welche viel schwerer zu erfassen sind, als die Vocale. Der Taubstummenlehrer sagt von einem Eleven, er habe noch Vocalgehör, das heißt, er hört noch io viel, dass er die Vocale von einander unterscheiden kann, aber nicht mehr so viel, dass er die Consonanten unterscheiden kann. Für das seine Auffassen der Geräusche würde eine solche Accommodalion des Trommelfelles gerade sehr uachtheilig sein; denn eine Membran, die in starke Schwingungen versetzt wird und in diesen fortschwingt, langsam austönt, ist sehr ungeeignet, gleich da auf und noch ehe sie zur Nuhe gekommen, wieder andere Schwingungen aufzunehmen, weil diese in den noch restirenden Schwingungen eben so vielen Störungen begegnen. Gerade eine Membran, die schlecht miltönt und gleich deshalb wieder zur Nuhe kommt, ist am meisten geeignet, Geräusche aufzufassen, verschiedenartige Impulse in ganz unregelmäßiger Reihenfolge, gewißermaßen in getreuem Abdruck, wieder an die dahinter befindliche Luft zu übertragen. Ein sehr rasches Austönen aber wird bekanntlich durch das Priucip der Dämpfung erzielt, und dies gestiebt beim Ohre dadurch, dass die schwingende Membran niu a 15 cereil, sie belastenden, hemmenden, festen Körpern — Ham me!, Ambos, Steigbügel — verbunden ist, an welche sie beim Schwingen diejenigen lebendigen Kräfte überträgt, die sie nicht beim ersten Impulse au die Luft übertragen hat. Es ist darum aus diesen theoretischen Gründen wahrscheinlicher, dassder Apparat der Gehörknöchelchen mit Rücksicht auf das Trommelfell mehr als Dämpfer dient, als dass er zur Accommodalion des Trommelfells für Töne von verschiedener Höhe verwendet wird. Die Impulse, die das Trommelfell treffen, werden durch / die Kette von festen Theilen, welche die Gehörknöchelchen darstellen, auf die Membran des ovalen Fensters — dem Eingänge zum inneren Ohre — und somit auf die Labyrinthflüssigkeit und den in derselben mit den feinsten Zweigen endigenden Gehörnerven übertragen. Daneben exiftirt eine Schallleitung durch die Luft. Es werden ja auch Impulse an die Luft der Trommelhöhle übertragen, die sich ebenfalls auf die Labyrinthflüssigkeit und den Gehörnerven fonpflanzen. Bei der Schsvierigkeit aber, mit der Schallwellen von festen Theilen auf die Luft und umgekehrt von der Luft auf feste Theile übergehen, kann man sagen, dass die Leitung, die in den festen Theilen verbleibt, bei Weitem die wichtigere ist, und dass die Schallleitung durch die Lust der Trommelhöhle nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wichtig für die Schallleitung ist die Spannung der Luft der Trommelhöhle, weil hievon die Spannung des Trommelfelles abhängt. Aus der Trommelhöhle führt eine Röhre in die Nachenhöhle hinein, durch welche Secrete, die sich in der Trommelhöhle angesammelr haben, in die Nachenhöhle abstießen können. Es ist dies die sogenannte Tuba Eustachii oder die Eustachische Trompete. Indem nun dieselbe von Zeit zu Zeit beim Schlingen geöffnet wird, bei einzelnen Individuen sogar bleibend offen zu -stehen scheint, wird eine Communication zwischen der atmosphärischen Luft und der Luft in der Trommelhöhle hergestellt, so dass sich der Druck der Luft in der Trommelhöhle nicht wesentlich von dem der atmosphärischen entfernen und folglich auch keinen Einfluss auf die Spannung des Trommelfelles üben kann. Anders verhält es sich, wenn die Eustachische Trompete, wie es häufig vorkömmt, verstopft ist. Dann kann der Druck in der Trommelböhle über den atmosphärischen Druck ׳ steigen oder unter denselben sinken und wird in beiden Fällen die Spannung des Trommelfelles beeinflussen; ein solcher Einfluss ist, wie die Erfabrung lehrt, für das Gehör im hohen Grade nachtbeilig. Die beste Ueberzeugung hievon kann man sich durch ein sehr einfaches Experiment verschaffen, wenn man nämlich bei geschlossener Nase und geschlossenem Munde Luft iu die Trommelhöhle bineinpresst. Um einen solchen schädlichen Einfluss wieder zu beheben, muß man einfach die Eustachische Trompete, z. B. durch Einführung eines Katheters durch die Nase wegsam machen, dis Luft dringt in die Trommelhöhle ein und das Trommelfell wird wieder unter normale Verhaltniße versetzt. (Fortsetzung folgt.) Der künstlerische Schmuck des Claviers. Ein Beitrag zur Geschichte des Claviers *). V. (Schluss.) Mit dem Beginn des achtzehnten Iabrbunders, der Zeit Ludwigs XIV., wird die Malerei durch die plastische Ausgestaltnng übertrumpft; die Verzierungslust ergreift mehr das Untergestell, welches im Geschmack jener Periode mir reicher Schnitzerei und voller Vergoldung versehen wird. Ein höchst pomphaftes Clavier dieser Art befand sich 1878 auf der Lrocadero- Ausstellung zu Paris. Das Untergestell soll so etwas wie den Olymp oder den Parnassus darstellen. Schwere goldene Wolken- Massen bäumen sich empor, auf denen sich halblebensgroße Figuren von Musen und Göttern in verzückten Bewegungen herumwinden; inmitten dieser curiosen Gesellschaft bat der Spieler — oder es ist hier wohl mehr an eine Spielerin gedacht — Platz zu nehmen, hinter ihr schließen sich Wolken und Genien, zwischen denen die bevorzugte Dame als eine Art von zehnter Muse ihres clavierspielenden Amtes waltet. Ein solches Clavier, bei welchem das eigentliche Instrument fast verschwindet, ist natürlich nur Ausgeburt einer absonderlichen Laune, hat aber seine nahen Verwandten unter den Schlitten der Höfe jener Zeit, in welchen gleichfalls die Dame inmitten rund herausgearbeiteter Allegorien als verkappte Göttin Platz nahm. Von solcher barocker Ueberschwenglichkeit hält sich das zierliche Roescco in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts frei. Ein sehr schöner Typus der Instrumente dieser Zeit ist das schon erwähnte Clavier Friedrichs des Großen im Stadtschloß, sowie ein gleiches im neuen Palais zu Potsdam. Bei beiden ist das Instrument (Silbermann'sche Pianoforte) sehr einfach und durchaus als abgesonderter Theil behandelt, das Fußgestell ist von Holz geschnitzt und völlig vergoldet, mit den üblichen Schnörkeln. Blumenranken und musikalischen Symbolen reichlich geschmückt, aber doch als Ganzes anmuthig und durchsichtig und, da es nur den ganz leichten Kasten zu tragen hat, auch sehr viel dünner und feiner, als heutzutage ein solches Gestell sein kann. — Im letzten Viertel des Jahrhunderts verschwindet mit der übrigen Pracht des Roeocco auch der Schmuck des Claviers; man begnügt sich mit einem ganz schlichten rechteckigen Kasten, der zumeist tafelförmig gestaltet wird; unter denselben werden vier dünne, spitzige Beine geschraubt, die nicht miteinander ver- *) Obiger Aufsatz ist auszugsweise einem diesbezüglichen Aufsatze in dem Zännerhefte der Westermann'scheu Monatsschrift entnommen.

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