Mannheim
Compact Memory

Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-05-24 · Heft 18 (24.5.1885) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 18 (24.5.1885)
Date
1885-05-24
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/1304829-3452999-3453017--1357-3455489
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 2 heiligen Schrift mit einer eigenthümlicheu Gesangweise verbnnden waren. Um so mehr drängte sich den Vorbetern zu einer Zeit, da man allgemein auf die Schönheit des Lesens großes Gewicht legte — von islamischen Gelehrten rühmt man durch- Wegs die Kunst, den Koran auf anmuthige Weise zu lesen — ein gleiches Streben auf. und da man an den Festtagen dem Gottesdienste mehr Zeit einräumcn konnte, und die gewöhnlichen Gebete daher nicht ausreichten, so legten die dichterisch befähigten Vorbeter, gewöhnlich auch gelehrte Männer, neue Gesangsstücke ein, welche die Andacht erhöbten; solche Gebete waren Preis- und Danklieder wie festliche Erinnerungen'). Zn den mittelalterlichen Synagogen wurde schon viel gesnngen. aber noch im 15. Jahrbunderl will 91. Jacob Halevi aus Mainz, der selbst Vorbeter war, den Gesang in der Synazöge auf die drei Feste: Pessach, Schewuoth und Sukkoth beschränkt wissen 8), der melodische Gesang brach sich aber immer mehr Bahn und der Sinn für Gesang wurde stets in den jüdischen Gemeinden heimischer. (Fortsetzung folgt.) 7) <L>iehe Zost's Geschichte des Judenthums 2. Therl, S- 268. 8) Likute Maril. Erläuterungen des M. Gottesdienstes nach Nekore Hatephilla mitgetheilt von Simon Diamant. Oberlehrer in Austerlitz. (Fortsetzung-) הזכרות נשבות (Horioth 6, a.) Daselbst wird die Stelle 5. B. M. 21, 8, auf die aus Egypten gezogenen, verstorbenen Israeliten gedeutet. Wir verrichten dieses Gebet am letzten Tage Pessaeh, Schewuoth und Sukkoth, weil an denselben die Stelle 5. B. M. 16. 16, 17 vorgelesen wird, wo geboten wird, dass Jeder an diesen drei Festtagen Gott zu Liebe etwas spende; darum gibt man dies zugleich bei der Erinnerung an die Verstorbenen, dass Gott auch ihrer zum Guten gedenke. Auch am Versöhnungstage wird die Todtenfeier abgchalten, weil eine solche Erinnerung geeignet ist, den Menschen zu einer an diesem Tage erforderlichen Demuth zu stimmen. Diese Feier, wenn sie auf eine würdige Weise begangen wird, ist wirklich eine herzerhebende. Warum sollen wir unseren geliebten Verklärten, den unvergesslichen Personen unseres Herzens, sei es Vater, Mutter, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter, Freund, Freundin, warum sollen wir ihnen nicht von Zeit zu Zeit unsere Gedanken weihen und widmen? Und gerade an den Feiertagen, die dazu bestimmt sind, dem Israeliten Frohsinn, Lebensgenuss und Zufriedenheit zu gewähren, an welchen es verboten ist, schwermüthige, eine traurige Stimmung hervorrufende Gebete zu verrichten, gerade an den Feiertagen sollen wir der Dahingeschiedenen gedenken, um durch den Gedanken an ihre Unsterblichkeit den Tod von aller seiner Furchtbarkeit zu entkleiden und ihn uns als einen Engel der Liebe und Freude zu denken, der keineswegs unser Dasein endet, sondern erhöhet. Dieser Gedanke gewährt uns ein Bewusstsein höherer Art, welches durch Erwartungen einer noch schöneren Zukunft die Gegenwart reizender macht. Ueber den Misbrauch, der noch gegenwärtig in manchen Gemeinden herrscht, dass Jene, die so glücklich sind, Eltern zu besitzen, beim Beginn dieser Feier das Gotteshaus verlasien, u klagte schon vor 50 Jahren Nabbi Baruch Lewy Brandeis i Prag in seinem Werke .לשון חכמים סדר תשלייך Es ist gebräuchlich, am ersten Neujabrstage nach Mincha zu einem Wasser zu gehen, wo Fische sind und dort die Verse Mcha 7. 18, 19, 20 zu sprechen. Schon der Patriarch Jakob segnete seine Enkel, ,dass sie sich vermehren wie die Fischers weil sie nicht dem neidischen Auge ausgesetzt sind. Anderseits sind die Fische das Bild der plötzlicben Hinwegraffung, denn auch der Mensch weiß nicht seine Sterbezeit, wie die Fische in einem Netze gefangen werden, so wird auch er zur Zeit des Unglücks verstrickt. (Koheleth 9, 12.) Die Fische sollen uns erinnern an das Entstehen und Vergehen, weil beides an diesem Tage über den Menschen verhängt wird. Das Wasser ist das Bild der Verbreitung des Geistes, der GotteserkennlniS. (Jesaiaa 11, 9.) Wenn M. A. hinzufügt, dass dies ,außerhalb der Stadt geschehen sollet so hat das keine andere Bedeutung, als um dadurch keine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um dem Nichtisraeliken keine Veranlassung zu geben, die Israeliten wegen Vergiftung der Brunnen zu beschuldigen, wie dies selbst noch in unseren Zeiten der Fall war. In Jerusalem macht man an den Cisternen im Schulhofe תשליך, aber nie außerhalb der , Stadt. (Schwarz h. Land S. 336.) i עירוב תבשילין (Bezah 15, b.) I Moses sagte zu den Israeliten am sechsten Tage der Woche: ,Morgen ist ein heiliger Sabbalh 11. s. w.'. Wenn aber am sechsten Tage der Woche ein Festtag fiel, an dem man nur jene Speisen zubereiten darf, die man an demselben Tage genießen will, oder wenn gar Donnerstag und Freitag Festtage waren, wo man schon am Mittwoch die Speisen für den Sabbalh zubereiten mußte, was aber durchaus nicht angeht; daher haben unsere Weisen ein Mittel angegeben, das עירוב תבשילין (Ver- Mischung der Speisen). Man nimmt nämlich am Abend vor dem Festtage Brod und Fleisch, d. h. Gebackenes und Gekochtes ungefähr ein Ei groß, und das gilt als Anfang des am Festtage noch so viel zu Backenden und Kochenden und spricht dabei den vorgeschriebeuen Segensspruch. (Fortsetzung folgt.) Ueber das Gehör und die Tonempstndung. IV. Vom äußeren Gehörgange gelangen die Schallwellen an das Trommelfell, das durch den Hammer concav angespannt werden kann und sich für gewöhnlich auch in dieser Lage befindet. Den Muskel, der diese Spannung bewirkt, hat man früher als den Accommodationsmuskel des Ohres angesehen. Diese Ansicht beruhte auf folgender Betrachtung. Wenn gegen eine gespannte Membran ein Zug von Schallwellen ankommt, so wird die Membran dadurch in Schwingungen versetzt. Jede gespannte Membran hat nun ihren Eigentor!, der sich mit der Spannung ändert. Das ist der Ton, den man hört, wenn man die Membran anschlägt. Nun hat man sich gedacht, der erwähnte Hammermuskel habe die Function, das Trommelfell jedesmal so anzuspannen, dass sein Eigenton möglichst mit den ankommenden Tönen mitschwingt und daher diese so vollkommen als möglich an die Luft der Paukenhöhle überträgt. Es ist aber leicht einzusehen, dass sich dies eben nur auf Töne beziehen könnte, und zwar auf Töne von einiger Dauer, da man nur diesen immer auf solche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.