Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 18 (24.5.1885)
- Date
- 1885-05-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische Pränumcrriions-Preis Kür ^errinsmitglieder: G^nzjädriz ... fl. S.— Halbjährig - - - fl- 3.S0 Vierteljährig . ... fl. 1.3S Monatlich ... fl. —•45 Kür Vichtmitgtteder: Ganzjährig ... st. - Halbjährig ... ft. J.— Viertellährig . . fl. 1*0 Alonatlich . . . ft- —*0 Kür das Ausland: Ganzjährig ... fl. 7.— ז 12 Mark oder 6 Rubel. O r . * dir GrZlimmt-IilierrsZkli siidischir Lmitürrn. Erscheint jeden achten Hag. Lldrninistrcrtiorr W i tu. II-, Novaragasse 27. Begründer: Orercantor A«.rfi o 6 metr. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. ׳>____ Nr. 18 Wien. 24. Mai 1885. 5. Jahrgang Cautor-Fragr. Vom Bezirksrabbiner A. Roth in Sziklos. V7U. Während der Talmud auf die gehörige Prännntiation der einzelnen Laute beim Vortrage der Gebete große Rücksicht nimmt *), Wie auch einige Mahnungen und Regeln über den öfsenilichen religiösen Vortrag gibt?), wird über den Synagögeügefang reine Norm und Regel angegeben, weil wabcscheinlick in der talmudischeu Zeit der synagogale Gesang ans die Cantilation, ein singendes Recilaliv, sich beschränkte und von dem melodischen Gesänge noch keine Spur war 3). Der eigentliche Gesang שיו־ wurde lange ausgeschlossen, weil derselbe als ausschließlicher Bestandthcil des Tempelcultus, Abocla, betrachtet wurde, und man trug Bedenken, ob es statthaft sei, den Psalm zu recitircu, da keine Trnnkopfer gebracht werden * 2 3 4); erst in der Zeit der Geonim erhielt der Gottesdienst einen veränderten Charakter. Während früher Jedermann, selbst Unmündige, vor die Gefetzeslade traten und als Vorbeter fnngiren durften, wurde von den Geonim angeordnet, dass ein eigener Beamter, der den Namen Chasan 5) führt, angestellt werde, auch sing man au, gewisse Partien des Gottesdienstes vom Vorbeter singend vortragen zu lassen. Der Gottesdienst am Sabbathe, nach der Wahl eines Exilarchen der persischen Juden, wird von einem glaubwürdigen J) Megillah 24. a. 2) Midrasch zur Schir Haschirim. 3) Ja Tanith 16. a heißt es, dass der Vorbeter habe ,)נעימל! וקול ׳ערב Raschl lttterpretirt das,הלב נעימד־ Mit ׳במומי קלא שמושןb■ hder Gesang sei angenehm, süß und lieblich; bemt das במימי heißt süß, so übersetzt der Targum das □המתקו המי mit ׳ובמימי מיא nach den Sprachforschen! unterscheidet sich das עלב von נעימה dadurch, dass ,נעימד eia geordneter Gesang bedeutet -)׳בסדור מעשים ומנהגים ברבו siehe Wörterbuch von Ben Seb zum Worte נעם. 4) Soferim 18. 1. 3) Nur seit der Zeit der Geonim wird der Vorbeter חק genannt, der Chasan im Talmud heißt Diener und Lehrer, stehe drn^rnch von Dr. Kohut zum Worte ׳ךןק er beweist mit Gründlichkeit, dass das Wort ךןןן persisch ist. Zeugen, N. Natban Hakoben, folgendermaßen beschrieben: .Von seinem ans den vornehmsten Männern der Gemeinde bestehenden Gefolge begleitet, begibt sich der Exilarch am S.ibbatbmorgen in die Synagoge, wo am vorbergebenden Tage ein bobes, sieben Ellen langes und drei Ellen breites Gerüste für ihn errichtet und mit farbigen, kostbaren Teppichen drapirt worden war. Am Fuße des Gerüstes stehen .treffliche, wohlunterrichtete, mit wohlklingender und angenehmer Stimme begabte Jünglinge, welche von den Gemeindevorstehern gewählt worden waren. Der Vorbeter beginnt Baruch sehe Amar, und auf jeden einzelnen Satz dieses Hymnus respondirt der Chor der Jünglinge: Baruch hu! Nachdem der Vorbeter die Ueberschrift des Psalmes recitirt hat. fällt der Chor mit den folgenden Worten ein. Die ganze Gemeinde -liest zusamm n die Mergenpsalmen bis zum Schluffe. Das hlisehmath trägt der Vorbeter siebend und mit dem Chore abwechselnd vor. Die Keduscha, das Jozer spricht die Gemeinde mit leiser, der Chor mit lauter Stimme. Hierauf schweigt auch der Chor und der Vorbetcr allein trägt die folgenden Gebete vor, bis er zur eigentlichen l'etillah שמונה עשרה gelangt, welche zuvörderst die Gemeinde leise verrichtet. Nunmehr begibt sich der Vorbeler^vor die heilige Lade, um die Deüllah vorzutragen. Bei der Keduscha respondirt der Chor. Nach Beendigung der 1'eüllah sepl sich die Gemeinde nieder, der Exilarch tritt aus׳ dem verdeckten Orte, wo er früher Platz genommen hatte, hervor, worauf die Gemeinde sich wieder erhebt und stehen bleibt, bis er auf dem Gerüste Platz genommen hat. Der Rector von Sura sitzt zu seiner Rechten, der von Pumbaditha zur Linken׳ auf die Segnungen, welche der Vorbeter über den Exilarchen spricht, respondirt der Chor mit Amen 6). Der Gesang nahm immer mehr und mebr größere Dimenfronen an, man nahm auf schönen Vortrag und angenehme Stimme der Vorbeter besondere Rücksicht, und das war schon darum nothwendig, weil der Morgenländer Alles mehr singend als sprechend vorträgt, wie denn selbst die Vorlesungen aus der 0) So erzählt im Buche Juchasim. Der selige Löw bringt diese Realition R. Nathans im B. CHim 6. Jahrgang, S. 471, und resultirt daraus, dass der Chorgesang aus der geonäischen Zeit stammt. Auch Dr. Kohn bringt in seinem Arnch zum Worte »ft diese Realition.