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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-05-16 · Heft 17 (16.5.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 17 (16.5.1885)
Date
1885-05-16
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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der Ecker'scken Beleuchtung des ,Judenspiegel' des Dr. Brirnannus gleichfalls von Dr. Brimannus geliefert wurde;, ob diese Behauptung richtig ist, vermögen wir nicht zu entscheiden, aber Professor Nobling in Prag scheint, wie aus dem weiter unten folgenden Briefe desselben an Dr. Brimannus hervorgeht, dieser Ansicht zu sein. Im vorigen Jahre unternahm cs die Buchhandlung Schumacher in Innsbruck, eine deutsche, vollständige Uebersetzung der talmudischen Bücher zu veranstalten, und es wurde ihr von der Regierung im Wege der tirolischeu Statthalterei zu diesem Zwecke eine Subvention von 2000 Gulden bewilligt, und zwar, wie das bezügliche Decret bemerkt, deswegen, weil es für die Negierung von Wichtigkeit sei, die religiösen Satzungen eines Volkes, welches in bedeutender Zahl in Oesterreick angesiedelt ist, authentisch festgestellt zu wissen. Mit der Abfassung dieser Uebersetzung wurde auf Anrathen des Professors der Tbcologie in Innsbruck, Dr. Bikell, desicn Gutachten abvcriangt wurde, Dr. August Brimannus betraut. Brimannus hat auck die Uebersetzung begönnen, wurde aber seither au der Fortsetzung des Werkes verhindert. Zur Zeit, als Brimannus mit der Uebersetzung beschäftigt war, machte er die Bekanntschaft des bekannten Vertheidigers in Strafsachen Dr. Friedrich Elbogen, der in seiner Eigenschaft als Verrheidiger mit ihm in Berührung kam. Brimannus machte bei dieser Gelegenheit Dr. Elbogen mancherlei Mittheilungen über seine wissenschaftliche Thätigkeit, sowie über die Beziehungen, in denen er zu den verschiedenen Autoritäten der antisemitischen Literatur stand, insbesondere auch zu Professor Rohling in Prag, und in dem Besitze des Dr. Elbogen besinden sich Briefe des Dr. Brimannus, welche namentlich über diese Seite seiner Be- Ziehungen lehrreiche Auskunft geben. Einer der interessantesten dieser Briese des Dr. Brimannus an Dr. Elbogen, in dessen Original uns von dem Letzteren freundlich Einsicht gestattet wurde, lautet: Geehrter Herr Doctor! Um der Wahrheit Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, sehe ich mich zu folgender Mittheilung über die Person des Herrn Professors Rohling veranlasst. Herr Professor Rohling nahm im Jahre 1884 mehrere Monate hindurch bei mir Unterricht in Talmudicis, wofür er mir meinen ganzen Unterhalt gab. r Der Unterricht bestand, anfangs darin, ihn im Lesen der rabbinischen Schriften zn. unterweisen, dann aber begann ich mit ihm die leichtesten, Stellen aus dem Tractate ״Aboda Zara“ zu übersetzen. — .. ־- ■. ... Doch musste ich das Unterrichten, aus diesem Grunde aufgeben, weil das Lesen der rabbinifchen Schriften dem Herrn Professor Rohling so sehr schwer siel, dass an eine Möglichkeit, ihm die Fähigfett beS Uebersetzens jemals beizubringen, nicht zu denken war. Merkwürdigerweise veröffentlichte er, während ich ihn unterrichtete, zwei Broschüren, in denen viele, hundert Citate ans solchen Büchern vorgeführt sind, deren Originalschrift er nicht einmal zn lesen im Ltande ist, z. B. 80״bar“, ״Schepha Tal“ u. dgl. Dies ist so sehr der Fall, dass Herr Professor Rohling sich zenöthigt sah, mir die inliegende, ihm zugekommene Karte (dieses Wort ist durchstrichen und dafür ״Zeitung* gesetzt) zur Uebersetzung einzusinden, weil er dieselbe nicht übersetzen konnte. Hochachtungsvoll - 23. Januar 1885. Dr. Brimannus. Diesem Briefe lag ein Exemplar einer, hebräischen Zeitung bei, welche eine (in hebräischer Sprache abgefasste) Kritik von Schriften des Professors Rohling enthielt/ Es ist leicht zu ermessen, wie viel Vertrauen einer wissenschaftlichen Autorität znkommt, weiche, wie dieses schriftliche Geständnis beweist, erst nach Publication einer großen Anzahl.von angeblich aus den Quellen geschöpften Schriften über den Talmud es unternimmt, in die Sprache dieses Werkes sich einweihen zu lassen, und noch dazu mit einem so entschiedenen Mißerfolge. Indessen könnte immerhin die Glaubwürdigkeit der in diesem Briefe von Brimannus gemachten Mittheilung in Zweifel gezogen werden, nachdem Professor Rohling in einer beträchtlichen Anzahl von Broschüren und Zeitungsartikeln Belegstellen aus den hebräischen Schriften mit Hinweisung ans die Quellen angesührts hat, die ihrerseits wieder citirt und die׳ Citate wieder verwerthel worden sind. Allein die wissenschaftliche Competenz des Professors Rohling wird hiedurch nickt zum erstenmale bestritten. Seit mehr als Jahresfrist schwebt zwischen Rohling und dem ehemaligen Abgeordneten Dr/Bloch ein Ehrmrbeleidigungs- Prozeß, dessen. Gegenstand gleichfalls die Frage ist, ob Professor Rohling selbst die von ihm benützten Citate ans den Quellen Drei Küsse. Von Rosa Lonneschein. (Fortsetzung.) n. Zwei Jahre sind seitdem verflossen. Im Hanse der Familie Falk herrscht reges, munteres Leben. Da wird gebacken und geschmort; jeder Einzelne ist emsig und rührig. In der schönen, luftig großen Stube liegt die unschuldige Ursache dieser Geschäftigkcit. der kleine, einjährige Sohn des Hauses. Heute ist sein Geburtstag und Jeder will etwas zur frohen Feier desselben beitragen. Da liegen wollene Strümpfe von Tante Schöndel, Jacke und Häubchen von Muhme Gütel,' und die Geschenke des Vaters sind unzählige, unnütze Spielsachen für's geliebte Geburtstagskind. Dieses liegt unbekümmert in der Wiege und saugt mit einem Appetit, um den ihn mancher Gourmand beneiden könnte,' an seiner rechten Fußzehe. Dicht vor der Wiege sitzt Frau Falk und blickt seltsam aufgeregt bald aus ihr kleines Kind und bald auf die große, altmodische Wanduhr. Mittlerweile sind die anderen weiblichen Hände des Hauses in der Küche rührig, um alle möglichen Leckerbissen in appetitliche Formen zu bringen, und selbst die alte, schwache Muhme Gütel hilft fleißig mit, während Tante Schöndel mit altjüngferlicher Pedantrie den Mädchen Befehle ertheilt. Es versteht sich von selbst, dass der weibliche Mund nicht rastet, wenn die Hände arbeiten, und der kleine Hermann in der Wiege ist in diesem Augenblick Gegenstand der lebhaften Küchenconversation. Eine Jede preist eine andere Tugend, wie gut er ist, wie schön er lacht I und wie klug er dreinschaüt, und wie stolz seine. Mutter auf ihn-sein könnte. Und da zischeln sie und zucken die Achseln und!ticken geheimnisvoll, bis Tante Schöndel die allgemeine Stimmung in Worte kleidet und aufgeregt ausrnft: »Ich bin nur neugierig, ob sie ihn heut' auch nicht'küssen, wird!* Und da erzählte sie zum so und so vielten Male, wie sie.-seinerzeit ihrer Schwägerin das neugeborene Kind hingereicht und während es diese angeblickt und an ihr Herz gedrückt habe, wie sie sich dann aber mit thränenfeuckten Blick abgewandt, den Knaben .Tante Schöndel zürückgab, ' ohne ihn zu küssen. Muhme Gütel schüttelte ihr ergrautes Haupt und meinte,' sie könne es nicht begreifen, wie eine jüdische Mutter es nur aushalten kann, ihr eigenes Kind nicht zu küssen. Tante Schöndel sagte seufzend, dass ihr das Herz oft im Leibe springen wolle, wenn sie sieht, wie das Kind sich

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