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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-05-16 · Heft 17 (16.5.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 17 (16.5.1885)
Date
1885-05-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 — geläuterter Anschauungen durchwehte Naumburg in Verbindung mit dem zugestehenden und willig nachgebenden Maier Cohn dieser Gesangsmanier ein Ende machte. Es wurden einzelne Stücke harmonisch bearbeiret, die Partituren nach und nach gesammelt, die Stimmen gesondert, abgeschrieben und einstudirt und so entstand der erste Theil jenes alten — streng chronologisch genommen, allerdings in Deutschland ältesten׳—in gemeinnütziger Beziehung jedoch außerhalb Baierus beinahe unbekannten Synagogengesaugswe rk e s *), welches unter dem Titel ,Münchener Gesänge* im Jahre 1839 von Maier Cohn veröffentlicht wurde. Erscheint uns nun dieser erste Theil der von Maier Cohn veröffentlichten ,Münchener Gesänge* tbatsächlich als das älteste, weil zuerst gedruckte deutsche ,Synagogengesangswerk*, so war es trotzdem kein Mißgriff, wenn wir den Sulzer'schen Sehir Zion und das Naumburg'sche Werk früher besprochen und erst jetzt, gleichsam als Nachlese der Naumburg'schen Bestrebungen, auf dasselbe hindeuten. Der Sehir Zion I. Theil war, wenn auch nur Manuskript, dennoch weit über Oesterreich und Deutschland hinaus bekannt, und die vielen jüdischen Großgemeinden, wie Paris, Berlin, Stuttgart, Fürth rc. bezogen dasselbe als Manuscript, um ihre modernen Synagogengesangscinrichtungen danach zu modeln; auch die Gemeinde München ließ, und zwar nach Herausgabe des I. -Lheiles der Cohn'schen Gesänge, deren Notenaufzeichnung von rechts nach links und deren Text mit hebräischen Buchstaben geschrieben war, den Scliir Zion durch den ziemlich musikalischen Vorsteher Isidor Neustädter ankaufen, um den mustkalischen Theil des Münchener Gottesdienstes nach diesem im Sehir Zion dargelegten Musterbilde zu gestalten. Die Vorführung dieser Thatsacheu gewährt uns nun die sicherste Ueberzeugung, dass selbst in München, der Entstehungsstätte des Cohn'schen Werkes, das System des Sehir Zion I mehr Anerkennung fand, als das nicht desto weniger verdienstvolle Maier Cohn'sche Werk, Münchener Gelänge I. Theil. (Fortsetzung folgt.) *} Israelitische Gesangbücher mit hebräischem und deutschem Texte und in den Text gedruckten Noten gab es schon viel früher, und zwar scheint das älteste nach dieser Richlung das in Casiel im Jahre 1810 unter dem Titel ^Hebräische und deutsche Gesänge für Andacht und Erbauung" erschienene Büchlein zn sein. — Nach diesem Muster und mit Benützung einiger Lieder desselben wurde im Jahre 1532 gleichfalls in Casiel ein Gesangbuch ״Lol Simroh“, zur Erweckung der Andachl und des religiösen Gefühles bei der rsrael. Jugend, herausgegeben, wornach im Jahre 1836 das von der israel. Ober- Kirchenbehörde zu Stuttgart redigirte »Gesangbuch bei dem Unterrichte in der mosaischen Religion und zur öffentlichen und häuslichen Gottesverehrung der Israeliten im Königreiche Württemberg" in die Oeffentlichkeit trat. Der künstlerische Schmuck des Claviers. Ein Beitrag zur Geschichte des Claviers*). IV. Sobald das Clavier beim Spielen in dem aufklappbaren Kasten verblieb, wurde der Kasten naturgemäß in das Bereich des Schmuckes hineingezogen, und nunmehr war auf. den breiten Flächen desselben dem künstlerischen Belieben der breiteste Spielraum gegeben. Da, wie erwähnt, das Fußgestell abgesondert blieb, auch die Dünnwandigkeit nothwendig war, so war von einer structiven Weiterbildung tragender und stützender Theile, über- Haupt von irgend welcher architectonischen Gliederung des Ge¬ *) Obiger Aufsatz ist auszugsweise einem diesbezüglichen Aufsatze in dem Jännerhefte der Westermann'schcn Monatsschrift entnommen. häuses, nicht die Rede; die Flächen blieben — in allen bekannten Beispielen des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts — vollständig glatt, und hier trat nun als einzig mögliche und zugleich hochwillkommene Verzierungsweise die Malerei als Helferin ein. Der Kasten wurde-in allen Theilen außen bemalt; den schönsten Schmuck erhielt aber die Innenseite des Deckels, die gewöhnlich gegen Berührung geschützt war. aber beim Oeffnen und Spielen sich dem Zuhörer als freudige Ueberraschung darbot. Ein solcher italienischer Flügel aus der Blütbezeit der Kunst, befindet sich setzt in! South-Kensington-Museum zu London. Derselbe ist zu Venedig 1523 von Antonio Baffo bemalt. Die naturgemäße Theilung des Deckels, welche auch ein halbes Oeffnen ermöglicht, ist auch in Richtung und Anordnung der Malerei festgehalten; der Grund ist mit zierlichstem Groteskenwerk bedeckt, in welchem Apollo und die Musen Hausen; nach außen hin erscheint der Kasten mit leichten Blumengewinden behängen. Diese Art der Bemalung war jedenfalls im sechzehnten Jahrhundert eine ganz allgemein gebräuchliche. Mir sind viele Instrumente ähnlicher Art vorgekommen, deren mäßige Ausführung deutlich zeigt, dass auch für Stücke niedrigeren Werthes die Bemalung beliebt wurde. In Italien hat sich dieser Typus bis tief in das achtzehnte Jahrhundert hinein erhalten; das Knnstgewerbe - Museum in Berlin besitzt einen bemalten Deckel dieser Zeit, der noch vollkommen das Formenschema des sechzebnten Jahrhunderts aufweist. Die Instrumente von der Art des hier besagten sind wohl am meisten geeignet, als Vorbilder für moderne,Arbeiten zu dienen. Für die Herstellung eines derartigen Gehäuses kann ganz einfaches abgeschliffencs Holz verwendet werden; in der Bemalung könnte selbst ein kunstgebildeter Dilettant mit Benutzung guter Vorbilder etwas Erfreuliches leisten, und wenn selbst die Malerei mangelhaft ausfällt, richtet sie noch weitaus nicht so viel Unbehagen an als daß allseitig geduldete dilettantische Spielen auf selbigem Instrument. Aber wir brauchen dem Dilettantismus gar nicht das Wort zu reden, auch für den geschulten Künstler ist es eine überaus dankbare Ausgabe, eine solche Fläche mit phanlastischem Bildwerk zu füllen. Die großen decorativen Aufgaben, das Ausmalen ganzer Räume, wird doch nur den wenigsten zu Theil; auf diesem begrenzten Felde bietet sich aber die Gelegenheit zu immer wechselnder Erfindung, die, anknüpfend an das weite Thema der Musik und des damit verbundenen LebensgenusseS, sich in schier unerschöpflichen Variationen ergehen kann. Einen sehr hübschen Einfall hat auf diesem Gebiet der Maler Alma Tadema in London gehabt. Er hat in einem-mit höchster Vollendung der Tischlerarbeit hergestellten Flügel das Innere des Deckels mit weißem Pergamenr ansschlagen lassen, und auf dieses schreibt jeder Künstler seinen Namen, der in des Meisters gastfreiem, mit allen Reizen dek Kunst und Geselligkeit geziertem. Hause an diesem Flügel musizin hat. Es wird eine stolze Ge׳ sellschaft großer Namen. Etwas anders gestaltet als die italienischen Clavizimbel sind die niederländischen Spinette des siebzehnten Jahrhunderts, von denen das Kunstgewerbe-Museum in Berlin ein schönes Exemplar besitzt, welches aus der königlichen Kunstkammer stammt. Diese Spinette sind zumeist tafelförmig; es .steckt daxin das. flügelsörmige Spinett mit viereinhalb Qctaven» das von. der Schmalseite gespielt wird, und, in den Ausschnitt eingeschoben, . das kleine Spinett von drei Octaven, das an., der Langseite, gespielt wird. An diesem Exemplar , ist.das. Gehäuse nicht mehr im alten Zustande erhalten, ein vollständig gleiches Exemplar. im Hause Plantin zu Antwerpen zeigt die Construction des ursprünglichen Gehäuses; dasselbe klappt an beiden Stellen herunter, wo sich die Claviaturen befinden, und lässt außerdem

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