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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-05-16 · Heft 17 (16.5.1885) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 17 (16.5.1885)
Date
1885-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische Prännmerstions-Preis Kür Krreinsmitgtteder: vanzjädriz ... fl. 5.— Halbjährig ... fl. 3.50 Vierteljährig . . fl. 1.3*׳ Monatlich ... fl- —•4* Kür Aichtmitgtteder: Ganzjährig ... fl. e.— Halbjährig ... fl. 3-— Viertel!ährig . . fl. l-*0 Monatlich ... fl- —•50 Für das Ausland: Ganzjährig . . . fl. 7.— 12 Mark oder 6 Hubel. _:_Jf Organ die GeZommi-Iilieressm jüdischer (tantoren. Adnrr»istr6tio»r 1U i en. Erscheint jeden achten Hag. II., Novaragasse 27. Begründer: Dbereaiitor pSaiter. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 17 Wien, 16. Mai 1885. 5. Jahrgang Urtier ״Entwickelung des Synagogen- Gesanges". Von Obercantor I. Singer in Wien. XXXIV. Zu den großen Verdiensten Naumburg's ^aüf synähHgSlgesanglichem Gebiete gehört endlich auch die Bessergestaltung des Münchener Synagogengesanges, respective die musikalische Anordnung der in der Münchener Synagoge in den 30er-Iahren gesungenen, chorischen Gebetstellen. Das entschiedene Zurückweisen des zu jener Zeit üblichen Extemporirens, welch' letzteres nicht allein der freien Phantasie des Chasen’s, sondern vom Stand׳ punkte der Harmonie anck der ungezügelten Willkür der begleitenden Gehilfen Baß, Singerl und Fistetsingerl überlassen war, bedingte selbstverständlich die Fixirung der einzelnen Stimmen und der Partitur durch Notenschrift. Wir können bei dieser Gelegenheit nicht umhin, über die obenerwähnte, in alten Zeiten allgemein gebräuchliche Art des Extemporirens einige Andeutungen zu verzeichnen. Nicht etwa, als ob wir jenen College», welche selbst noch ,zugehalten', hiemit etwas Neues zu bieten vermeinen, sondern weil diese Erscheinung in historischer Beziehung ungemein bemeikenswerth ist und unS treffliches Material hiefür liefert, dass unsere Altvordern, welche von manchen modernen Cantoren über die Achsel angesehen werden, mit den jeweiligen Anforderungen der Zeitverhältniße rechneten und in fortschrittlicher Richtung denselben gerecht zu werden trachteten. Es ist uns ja genügend bekannt, dass der Synagogengesang am Anfänge unseres Jahrhunderts und noch später, bei der größtmöglichsten Stimmenmannigfaltigkeit (Baß, Singer, Tenor, Fistelsinger, Fagott), dennoch keine Harmonie kannte; die Mitwirkenden sangen unisono in den verschiedenen Lagen ihrer Stimme und brachten bei diesem, lediglich auf den rohen Effect berechneten Treiben nur durch die von stimmlich besser beanlagten Säugern vorgetragenen Solostellen einige Ab- Wechslung zü Wege. Die Verbesserung diesem für die Dauer unmöglichen Gesangsweise kam, wie jedwedes musikalische Heil der älteren Periode, aus dem sangreichen Italien, allwo die glaubensgenössischen Musiker Leon di Modena, de Rossi und Andere ganz entschieden, wenn auch nicht direct, so doch in indirecier Weise auf die Entwickelung des Synagogengesanges nnd ivecieil auf den Cborgesang eingewirkt haben mußten und verbreitete sich durch Baiern, Mitteldeutschland, Oesterreich-Ungarn und Rußland. Der schlagendste Beweis für unsere Behauptung, dass die "Meffergeftcrttnng des harmonischen Synagogengesanges von Süden nach Norden und nicht umgekehrt vor sich ging, dürfte die allgemein bekannte Thatsache sein, dass das harmonische Singen in den Synagogen Deutschlands, Oesterreich-Ungarns längst schon treu und erfolgreich gepflegt wurde, ohne dass die polnischruffischen חזנים und משוררים hievon eine Ahnung hatten und das sogenannte ,Zuhalten' erst in der neuen Heimat lernen mußten. Dieses Znhalten nun, welches allerdings nur eine Schöpfung des Augenblickes war, bedingte, wenn es über den Nahmen der Alltäglichkeit hinausragen sollte, eine solche Zartheit des Gehöres, eine solche Feinfühligkeit für die Intention des vorherrschenden Okason-Gesanges, dass eine wirkliche Schulung vorausgehen mußte und eine ununterbrochene llebung nöthig erschien, wenn man der betreffenden Leistung das Epitheton .gut zusammensingen' beilegen sollte. Und in der That gab ek auch auf diesem Gebiete Meister, welche, ohne rationell musikalisch zu sein, dennoch accordische Verbindungen zu Wege brachten, welche nicht blos den Laien gefielen, sondern sogar von Fachmännern angestaunt wurden. Sei dem nun wie immer; die Thatsache steht fest, dass das harmonische Zusammensingen als eine Gntwickelungsphase des Synagogengesanges, wenn nicht gar als vorbereitendes Element für unseren heutigen Synagogen-Chorgesang, anerkannt werden muß. — Zn solcher Weise sangen die alten und die noch in den ersten Decennien unseres Jahrhunderts wirkenden Chasanim; so sangen Dowidl Brod, Kaschtan rc. und ihre weltberühmten Nssoüororiin; so sang auch noch der 14—16 jährige Knabe Salomon Sulzer, als er von Carlsruhe, seiner Studienstätte, nach Hohenems kam, um seinen ersten Cantorposten anzutreten, und so sang man selbstverständlich auch in München, wo der verdienstvolle und strebsame Maier Cohn als trefflicher Baal tefilah wirkte; bis der, allerdings sehr junge, aber vom Geiste

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