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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-05-08 · Heft 16 (8.5.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 16 (8.5.1885)
Date
1885-05-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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noch der anmuthige Pentameter: Dum vixi taeüi mortua dalce cano (Als ich noch lebte, schwieg ich; nun ich todt bin. singe ich süß). Dieses Clavier bietet für uns ein ungewöhnliches Interesse dadurch, dass es ans dem Besitze des Herzogs Alfons II. von Ferrara (-f 1598) stammt, an dessen Hofe Torquato Tasso lebte. Es trägt die volle unzweifelhaft echte Namensinschrift des Fürsten und in dem durchbrochenen Schalldeckel seinen Wappenadler. Wenn sich gefühlvolle Seelen die beiden Leonoren am Clavier denken wollen und Tasso zuhörend daneben, so können sie dies jetzt vor dem Originaliustrument im Kunstgewerbe-Museum zu Berlin ausführen. Dieses Clavier stand, wie wohl alle gleich artigen der Zeit, in einem׳ besonderen Kasten, der auch noch erhalten ist, aus dem es aber zum Gebrauch herausgenommen wurde, um frei auf den Tisch gestellt zu werden. Ein solcher, von allen Seiten fest geschlossener Kasten wird keinen besonderen Schmuck gehabt haben, er diente nur zur Aufbewahrung; der unserige, welcher durch einen späteren Anstrich entstellt ist, hat geschweifte Ausschnitte, welche die maureSken Füllungen auch bei geschlossenem Kasten sichtbar machen. Das Heransnehmen eines jo großen Spinetts aus dem Kasten ist umständlich. Man kam daher schon früh auf den einfachen Gedanken, die Wände des Kastens beweglich zu machen; man ließ die vordere Wand als Klappe heruntersinken, so dass die Claviatur frei lag, und schlug den Deckel seitwärts in die Höhe. Bei dieser Einrichtung hing die kleine Vorderklappe störend vor den Knieen des Spielenden; es war dann eine weitere spätere Verbesserung, dieselbe an dem großen Deckel zu befestigen und mit in die Höhe zu schlagen. Bei den Clavieren des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts fällt sie noch meistens herunter, und das Clavier ist immer noch ein selbstständiges berausnehmbares Instrument in einem gleichfalls selbstständigen Gehäuse; erst im achtzehnten Jahrhundert wachsen Instrumente und Gehäuse zusammen. Mit den großen Gehäusen kommen dann auch eigene Fußgeftelle auf. Dieselben bestehen aber nicht wie bei uns aus eingebohrten Füßen, sondern sind ein lischartiges Gestell, bei dem nur die Platte fehlt. Selbst bei den Clavieren der Nococcozeit, wie bei dem Friedrichs H. im Stadtscbloß zu Potsdam, ist die Trennung von Instrument und Fnßgestell noch vollständig durchgeführt. (Fortsetzung folgt.) Emgesendet. Der von Herrn B. Schwarz in M.-Ostrau ertbeilte Rath für die Einsegnung des Neumondes gefällt mir, trotz des darauffolgenden יחדשהו, das unstreitig sich ebenfalls auf den herannähenden Monat beziehet und nur, um Klarheit in die Sache zu bringen, will ich mein nicht maßgebendes Wörtchen dazu sprechen. Ohne unsere alten Decisoren, die uns, wie ich glaube, in dieser Affaire im Stiche lassen, zu befragen, habe ich die in der letzten Zeit erschienenen revidirten Sidurim bezüglich dieser Stelle nachgeschlagen und folgende Resultate gefunden: הגיון נפש von Edelsheim, hat ohne jede Nebenbemerkung in beiden Fällen ob מלא ob ״הבאי ־־ חסר. — Das allgemein best anerkannte עבודת ישראל von Baer bat ריח — יהיה ביום — וביום - עלינו ועל כל ישראל לטובה also weder הבאים noch הבא. Das תפלות ישראל von Deutsch hat: ר״ח - יהיה ביום — ולמחרתו ביום ט< .ן .« הבאים — הבא עלינו., also הבאים und הבא, welches auch ganz richtig ist, und dieses Letztere dürfte den Jrrthum, der bis heute als stehend richtig für zwei Tage הבאים und für einen Tag הבא gebraucht wurde, herbeigeführt haben. Ich entschließe mich für das הבא und um auf ähnliche Jrrthümer die Aufmerksamkeit unserer Gelebrten zu lenken, möchte ich bloß noch einen einzigen Fall, der mir, so oft ich im trauten Familienkreise den Seder ertheile, ein Lächeln abringt, hier erwähnen. Drei Küsse. Von Rosa 50nneschein. Wieder kamen sie mit einem kleinen Sarge aus dem Hause des Herrn Jakob Falk und trugen das kaum acht Tage alte Knäbleiu hinaus nach dem Gottesacker, um es dort neben den andern drei GrabeShügeln zu betten. Aus diesen kleinen Gräbern bestand die gesammte Kinderfamilie des nun tiefbetrübten Eltern- Paares. Vor fünf Jahren standen sie Beide, der kräftig schöne, junge Mann und die lieblich reizende Mariam Lebrecht vor dem Altäre, um sich vor Gott und Menschen in Liebe und Treue zu vereinigen. Das Glück leuchtete aus ihren Augen. Allein weder die Wünsche ihrer zahlreichen Freunde, noch die eig'ne sichere Hoffnung auf eine freudige Zukunft vermochten den Todesengel von ihrer Schwelle fern zu halten, der breits drei Mal gekommen war, um die kaum geborenen Kinder vom liebenden Elternherzen zu reißen. Und während der Vater tiefgebeugt der kleinen Leiche folgte, saß daheim die kaum genesene Mutter bleich und stumm in dumpfem Schmerze. Mit theilnahmslos starrem Blicke hörte sie auf die Trostesworte, die ihr so reichlich von alten und jungen Frauen gespendet wurden. Nur das krampfhaft schmerzliche Zucken um die Mundwinkeln verrieth ihre innere Bewegung. WaS nützten auch der armen, schwergeprüften Frau all' die gutgemeinten Trostesworte? Dreimal früher schon hatte sie diese ermunternden Reden gehört, dreimal schon war sie der Gegenstand innigen und allgemeinen Mitleids gewesen, dreimal schon hatte sie sich den bittersten Seelenschmerzen entrissen, hatte sich aufgeraffi und weggewandt von den Grabesgedanken, um sich mit neuer Hoffnung dem Leben wieder zu widmen. Heule aber schien sie vollständig gebrochen unter der Wucht ihrer Leiden. Kalt und unbeweglich laß sie da, und schien es nicht zu merken, wie eine Freundin nach der anderen ging und sie zuletzt allein blieb mit sich und ihrem Elend. Die Stille schien sie zu beruhigen. Langsam lösten sich die in Schmerz verschlungenen Hände, die festgeschlossenen Lippen öffneten sich und ein schwerer Seufzer hob die Brust. Die dunklen, brennenden Augen verloren den beißen Fieberglanz und blickten wie suchend um sich. Die hohe Gestalt, die noch vor Kurzem starr und unbeweglich dasaß, erhob sich plötzlich und stürzte rasch auf die leere Wiege zu. Laut weinend schlug sie die gerungenen Hände vor das Gesicht und grub den Kopf tief in das.weiche Kinderkissen. Zum erstenmale nach jener unseligen Stunde, als das kleine Wesen so ruhig in die Ewigkeit hinüberschlief, ward ihr Auge feucht, und endlich löste sich der eisig starre Schmerz in heißen Thränen auf. Nun erst schien sie sich ihres ganzen Verlustes bewusst und ihre Gedanken wanderten, anstatt in's Leere, hinaus zu den kleinen Kindergräbern. ,Schon das Vierte gab ich Dir, o Gott*, klagte sie fast tonlos, ,wie lange noch willst Du zürnen?! Habe ich gefehlt, gesündigt, so^laß mich, mich allein büßen, warum meinen Mann, den Edelsten und Besten, mit mir strafen? Aus der tiefsten Tiefe eines in Jammer sich aüflösenden Mutterherzens flehe ich Dich an, mir kund zu thun, womit ich mein Unglück verschuldet Habel Bin ich meinem Manne nicht ein treues Weib, meinen Kindern,

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