Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 5 (1885)
- Issue
- Heft 16 (8.5.1885)
- Date
- 1885-05-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3 kommen aber nicht allein die Schallwellen in Betracht, die auf dem Wege der Reflexion von der Ohrmuschel in den äußeren Gehörgang hinein reflectirk, sondern auch die Schallwellen, die au die Ohrmuschel übertragen werden. Von dieser wird jedoch nur ein!ehr geringer Tbeil der lebendigen Kraft der Schall- Wellen auf die Knochen und so weiter auf das innere Obr übermittelt. Bei Beobachtung von^ Individuen mit fehlender Ohr׳ Muschel hat es sich gezeigt, dass sie zwar auf der Seite, wo ihnen die Ohrmuschel fehlt, weniger gut hören, als auf der anderen, dass sie aber dennoch nicht besonders schwerhörig sind. Auffallend erscheint es, dass Hinderniße im äußeren Gehörgange, wenn sie denselben nicht geradezu verstopfen, das Hören sehr wenig erschweren. Es ist bekannt, dass ein Schall in seiner Fortleimng am meisten durch fein vertheilte, feste Körper gehindert wird. Wenn man sich vor dem Clavierspiele eines Nachbars, von dem man durch eine doppelte Thüre getrennt ist, schützen will, so füllt man den Zwischenraum zwischen den Thüren mit Heu oder Stroh aus, um durch die zahlreichen Reflexionen, die die Schallwellen an den vielfach vercheilten, festen Körpern erleiden, die Töne zu schwächen. Nun ist aber der äußere Gehörgang mit Haaren besetzt, die in den späteren Lebensjahren oft eine bedeutende Länge erreichen, ja sogar büschelförmig zum äußeren Gehörgange herauswachsen können, ohne dass dadurch das Hören wesentlich beeinträchtigt wird. Man kann sich ferner überzeugen, dass ein Baumwollenbausch, lose in den äußeren Gehörgang gesteckt, das Hören wenig behindert, man muß den Gehör gang förmlich tamponiren, um sich im hohen Grade schwerhörig zu machen. Dies hängt offenbar mit der Kürze des Weges zusammen, den der Schall im äußeren Gehörgange zurnckzulegen hat. (Fortsetzung folgt.) Der künstlerische Schmuck des Claviers. Ein Beitrag zur Geschichte des Claviers *). in. Im sechzehnten Jahrhundert, als das Spinett künstlerisch abgeschlossen auflritt, ist es zumeist ein kleiner, ganz leichter und flacher Kasten ohne Füße, selten breiter als ein halber Meter und noch nicht einmal so lang. Die Claviatur, die nur wenige Octaven umfasst, sieht fast genau aus wie die jetzt übliche; die Saiten liegen wie bei unserem Flügel, und es bat daher das Instrument häusig genau die heute gebräuchliche Contur. Zumeist wird aber der Ansschnitt ausgefüllt, entweder lediglich, um das Rechteck des Kastens herzustellen, oder es wird auch ein zweites kleineres Spinett eingefügt, dessen Tasten nun auf der Langseite liegen, während die Hauptclaviatur an der Schmalseite sich besindet. Im sechzehnten Jahrhundert scheint ein selbstständiges Gestell, welches nicht einmal für die so viel schwerere Hausorgel hergestellt wurde, für ein Spinett gar nicht gebräuchlich gewesen zu sein. Der Spieler führte es mit sich wie eine Laute oder Harfe; meistens ist es so klein, dass es in der Schublade eines Schreibiisches Platz hat und bequem von dem Spieler unter den Arm genommen werden kann; selbst die größten, die fest im Hause blieben, können mit voller Leichtigkeit von zwei Frauen fortgehoben werden. Man stellte das Spinett zum Spielen ans *) Obiger Aussatz ist auszugsweise einem diesbezüglichen Aussatze in dem Jännerheste der Weftermann'schcn Monatsschrift entnommen. einen Tiscb, gerade so. wie jetzt noch der Tiroler sein Hackebrett hereinträgt und vor sich auf den Tisch stellt; man Halle auch für Neisezwecke zusammenlegbare Spinette, die zusammengepackt nicht größer sind als ein moderner Bratschen kästen. Unter den uns erhaltenen SpineUen ist nun kann, eines, das nicht künstlerischen Schmuck aufwiese. Die Seitenwände des Kastens, die niedrige Wand über den Tasten werden durch Malerei oder, wenn cs kostbarer hergeht, durch Einlagen von Elfenbein und edlen Hölzern geschmückt; der Resonanzboden ist in den meisten Fällen bemalt, und zwar immer mit leichtem Rankenwerk,. welches daS Helle Holz des Grundes nur wenig deckt und das auch keine anspruchsvollen Compositionen enthält, die durch die überliegenden Saiten gestört werden könnten. Hierbei gehl also die Verzierung nicht erheblich über das hinaus, was auch die Lauten aufweisen. Allerdings gab es auch in diesem Maßftab der Instrumente besondere Prachtstücke. So wissen wir von einem Spinell, welches sich in dem Tische befand, der zu d.m b.rühmten Pommerschen Kunstschrank gehörte, welcher von 1612 bis 1617 in Augsburg für Herzog Philipp n. von Pommern angefertigt wurde. Nach Leu uns bekannten Maßen des Tisches kann dieses Spinell höchstens einen halben Meter breit und noch nichl einmal so lies gewesen sein. Die merknürdige alte Beschreibung dieses leider verlorenen Stückes lautet: ,Bornen hero schleust man in der mitten zwilchen Drilipen (Triglyphen) aus, so hänget sich ain inwendig zyprcssiner dekhel heruuder, in dessen kästen ain Instrument von zypreß, leberholz, bain (Elfenbein) und dergleichen stehet, welches man ganz auß der laden nemmen khau, bei 2 seiten knöpften verschieben und es ainfach mit atuem oder dopplet mir 2 fallen spilen und jehen machen. Vor dem clavier heraußeu auf dem großen bain (Elfenbeinplaue) zur linkhen Hand ist gemahlt der Midas, wie er das jnäitirun über der satyrorum music fellet. Nebenhero allerhand musicalijche in8trruL6v.ta hangen. Zur rechten Hand sein 2 grose seid neben einander vor dem clavier Heraußen, auf dem amen der Äcion, welchem allerhand füsch zuschwimmen und seiner 1nu8ie zurören, auf dem andern der orxüsns gemahlt, wie er allerhand irdi!che lhiec und vögel wegen seiner lieblichen mnsie zuzuhören hat.* Die Beschreibung enthält dann noch eine Menge von Wappen, Emblemalen und symbolischen 'Bildern, darunter das ,jchifflin Christo darinnen er ichlaaft', ferner ,der David wie er zum Künig gesalbt würd' u. s. w. Ein kleines Spinelt von ganz ähnlichem Reichthum der Ausstattung und von denselben Augsburger Meistern hergestellt, welche den Pommerschen Kunstschrank gearbeitet haben, befindet sich seil einigen Jahren im Nalional-Museum zu Pest. Natürlich waren derartige reiche Stücke auch zu ihrer Zeit etwas Ungewohnliches, aber sie bezeichnen doch nur eine Steigerung der' auch!onst üblichen Verzierungsweife, eine Steigerung, die gerade in jener Zeit und in jenem Künstlerkreise leicht in ein spielendes Zuviel ausartere. Von den künstlerisch ansgestatteten Clavieren ist eines der ältesten ein überaus vornehmes, von jeder Ueberladung freies Stück italienischer Arbeit aus dem Ende des sechzehnten Jahr- Hunderts. Das Clavizimbel, welches vier und eine halbe Octave umfasst, stellt sich als ein Flügel dar, der, kleiner und schmaler als die modernen, genau die nämliche Grundform hat. Das Jnftrumeur ist aus Hellem Sandelholz, die Verzierungen sind mir Ebenholz und Elfenbein eingelegt im zierlichsten mauresken Ornament. Auch die Innenseiten der umfassenden Leisten sind in ähnlicher Weise behandelt, die obere Kante ist mir feinen Elfenbeinknöpfchen besetzt. Auf dem Holze des Steges sinder sich