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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-05-08 · Heft 16 (8.5.1885) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 16 (8.5.1885)
Date
1885-05-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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— 2 — aburtheilen zu können. Und dies ist auch wirklich in beiden Gutachten, die in dem obigen Prozesse abgegeben wurden, geschehen. ,Der Cantor', besagt das eine, ,ist kein geistlicher Fuuctionär, kein Organ der Religion/. Za wohl, denn das Zudenthum kennt überhaupt keine geistlichen Fnnctionäre, keine Organe der Religion, cs hat keinen Clerus. ,Der Cantors heißt es weiter, ,ist ein Organ der Cultusgemewde*. Ganz richtig, jeder jüdische Beamte, möge er Rabbiner, Prediger, Seelsorger, Cantör, Voibeter, Schächter, Lehrer oder wie immer heißen, ist ein Organ der Cnltusgemeinde und jeder derselben, nicht nur der Cautor allein, hat sich den Anordnungen der einzigen Behörde in der jüdischen Gemeinde, des Vorstandes, zu fügen. Wir wollen hier nicht näher aus die Wirksamkeit des Nabbiners und des Cantors eingeben, unseren Lesern und allen Denjenigen, die an jüdischem Gemeiudeleben Antheil nehmen, ist sie wohl bekannt, wir wollen auch nicht an der Hand der Thatsachen und der factisch bestehenden, Verhältniße die Frage erörtern, welche der beiden Functionen sich als die wichtigere erweist. Es liegt uns ganz ferne, an der großen Bedeutung des Nabbinätes für das Zudenthum zu rütteln, es ist nicht unsere Absicht, die bevorzugte Stellung, die der Rabbiner in der jüdischen Gemeinde mit Recht einnimmt, zu bekämpfen, aber niemals können wir es zugeben, dass über die Bedeutung des Eautors beim Gottesdienste ein so absprechen'bes Urthcil gefällt wird, wie es in den angeführten Gutachten geschehen ist. Und zur Widerlegung derselben werden wir nicht unserer eigenen Ansicht Ausdruck geben, damit wir nicht von irgend einer Seite des Mangels an Objectivität, oder gar, wie es oft von gegnerischer Seite geschehen ist, der Ueberhebung und Selbstüberschätzung geziehen wer-Den, sondern nur die Worte cines Rabbiners anführen, der durch sein großes Wissen, durch seine hohe Znlelligenz, durch seine hervorragende Stellung als Rabbiner einer der ersten Gemeinden des gesammten Zudenthums Autorität genug ist. Gelegentlich einer in den letzten Tagen mit dem Herausgeber unseres Blattes gepstogenen Besprechung äußerte sich derselbe folgendermaßen: ,Ich achte die Stellung des Cantors sehr hoch und ich muß zugeben, dass er beim Gottesdienste die e r ft e P e rs o n i ft'. So sprach ein Mann, dem die Wahrheit ein Gebot ist, uud wir sind von der Ueberzeugung durchdrungen, dass noch viele Vertreter des Rabbinerstandcs sich in dieser Weise äußern würden. Das zweite Gutachten ist nicht nur ein Angriff auf die Cantoren, es ist ein Faustschlag, der dem Zudenthum versetzt wird, eine Profanirung des jüdischen Gottesdienstes. Wie traurig sähe es mit der Gottesverehrung, deren Ausdruck doch unser Gebet in der Synagoge ist, wie traurig mit der Andacht des Gebetes im Zudcnthnme aus, wenn die von dem angeführten Herrn Rabbiner ausgestellte Behauptung richtig wäre, dass ,Privatlecturen" während des Gottesdienstes gestaltet sind, und die Unterbrechung und Correctur des gottesdienstlichen Functionärs die religiöse Pflicht eines jeden Tempelbesuchers ist. Gegen solche Aeußerungen muß jeder Zude Front machen, und namentlich den löblichen Cultusgemeindcn legen wir es an's Herz, eine solche Verstellung ihres Gottesdienstes nicht ohne Weiteres über sich ergehen lassen. Die Sache ihrer Vertreter ist es nun, dem jüdischen Gottesdienste, sowie den gottesdienstlichen Functionären die geziemende Anerkennung und Achtung zu verschaffen. Ueber das Gehör und die Tonempfindung. m Das Verstärkungsmittel, an welches die lebendige Kraft übertragen wird, braucht nicht immer eine feste Platte zu sein, es kann auch durch eine eingefchlossene Luftmasse der Schall verstärkt werden. Wenn man z. B. eine Stimmgabel anscdlägt und sie über einen Cylinder hält, der bis zu einer bestimmten Höhe mit Wasser gefüllt ist, so hört man die Stimmgabel deutlicher, als wenn sie in freier Luft gebalten würde. Dies rührt daher, dass die Luft im Cylinder in sogenannte stehende Schwingungen versetzt wird. Es wurde früher bemerkt, dass, wenn Impulse, die unser Ohr treffen, in unregelmäßiger Reihenfolge aufeinander folgen, ein Geräusck entsteht, dass aber, wenn dieselben regelmäßig periodisch aufeinander folgen, ein Ton entsteht. Es wurde weiters daraus hingewiesen, dass die Töne durch ihre Höbe und durch ihre Stärke verschieden sind. Man unterscheidet aber noch eine andere Verschiedenheit an den Tönen, die sich auf die Qualität derselben bezieht. Wir können z. B. den Ton einer Geige nicht mit dem einer Flöle verwechseln, und wir können auch die Töne von verschiedenen Menschenstimmen mit Leichtigkeit von einander unterscheiden. Worin mag nun diese qualitative Verschiedenheit der Töne liegen? In der Wellenlänge nicht, von der hängt die Höhe der Töne ab, in der Ausbauchung der Welle — der sögenannten Amplitude — ebenfalls nicht, denn von der hängt die Stärke des Tones ab: cs bleibt also nichts übrig, als dass diese Verschiedenheit von der Form der Schwingung abhängt. Man denke sich die Art und Weise, wie eine Geigensaite die Luft in Schwingung versetzt. Die Geigensaite wird durch den Bogen fortgeschleppt, dann reißt sie sich von dem Bogen los und schwingt frei zurück, dann wird sie wieder von dem Bogen erfasst u. s. f. Die Schwingung wird daher eine ganz andere Gestalt haben, indem die Bewegung nach der einen und nach der anderen Seite nicht mit gleicher Geschwindigkeit erfolgt. Bei anderen Tonerregern sind die Schwingungen wieder anders beschaffen und in solchen qualitativen Verschiedenheiten der Schwingungen ist auch die qualitative Verschiedenheit der Töne be« gründet, das, was wir mit dem Namen Timbre oder Klangfarbe bezeichnen. Vennöge der Organisation unseres Gehörorganes können wir Schwingungsgeftalteu aber nicht wahrnehmen, sondern es geht in unserem Ohre mit den Schwingungen ein eigsnlhümlicher Zerlegungsprozeß vor sich. Zum besseren Verständnis des Nachfolgenden wird es nöthig sein, die geehrten Leser ein wenig mit dem Baue des Ohres und mit der Art und Weise, wie die Schallwellen an den Gehörnerven übertragen werden, bekannt zu machen. Zuerst treffen die Schallwellen die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang. Zm äußeren Gehörgange werden sie wie in einem Sprachrohre fortgeleitet. Von der Ohrmuschel hat man gesagt, dass sie dazu diene, den Schall zu concentriren und in den äußeren Gehörgang, hinein zu reflcctiren, ja man hat sogar Betrachtungen darüber angestellt, wie alle einzelnen Windungen des äußeren Ohres gerade so gestaltet seien, dass sie in dieser Beziehung das Mögliche leisten. Es ist nun kein Zweifel, dass ein Theil der Schallwellen, die die Ohrmuschel treffen, auf dem Wege der Reflexion in den äußeren Gebörgang hineingelangt. Andererseits ist es aber außer Zweifel, dass gerade bei dem Ohre des Menschen die Mengender Schallwellen, welche auf diese Weise reflectirt wird, keine bedeutende ist, keine so bedeutende, wie bei vielen Thieren, die große, trichterförmige Ohren haben, deren Trichteröffnung sie gegen ׳ die Schallwellen hin richten können. Es

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