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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-30 · Heft 15 (30.4.1885) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 15 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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— e Wenn man aber darauf besteht הבאים auf die zwei Tage zu beziehen, so sollte man auch folgerichtig ראשי חודש sagen. Indem ich aus dem oben angedenteten Grunde einer diesbezüglichen Aufklärung von maßgebender Seite entgegensehe, zeichne hochachtungsvoll B. Schwarz. M.-Ostrau, den 22. April 1885. Kleine Chronik. Wie«. Sonntag den 26. d. M. fand die (12.) ordentliche Generalversammlung der Israelitischen Allianz zu Wien statt. Dem vom Präsidenten Joseph R. v. Wertheimer vorgetragenen Berichte ist zu entnehmen, dass der Verein im abgelaufenen Jahre eine culturelle Thätigkeit in״Galizien einleitete, welche die Hebung des Schulwesens und die Zuführung der jüdischen Jugend zum Handwerk und Ackerbau zum Ziele hat. In ersterer Beziehung wurde mit der Reorganisation des sogenannten ChederS, in welchem blos das Hebräische gelehrt wird und jeder Unterricht in den profanen Gegenständen ausgeschlossen ist, begonnen. Es wurde im Marz vorigen Jahres in Lemberg eine neue Anstalt, in welcher der Unterricht in den Volksschulgegenständen ertheilt wird, eröffnet; dieselbe war von 381 Zöglingen besucht. Eine ähnliche Anstalt wurde in Broty und in Sablocic gegründet. Andererseits hat der Verein der Anstellung von Neligionslehrern an solchen offen tlichen Schulen, wo die jüdischen Schulkinder keinen Religions-Unterricht erhalten, seine Aufmerksamkeit zugewendet und ferner die Schaffung von Lehrerbildungs-Anstalten in Galizien in's Auge gefaßt. Was die Förderung des Handwerks unter der jüdischen Jugend Galiziens anbelangt, so wurde dem Vereine der Bernstein-Stiftung in Lemberg, der in dieser Richtung thatig ist, aber nur 18 Zöglinge zu erhalten vermag, eine Subvention von 2500 fl. jährlich —vorläu fig auf vier Jahre — also.zusammen 10.000 fl. votirt, in Folge dessen der genannnte Verein weitere 25 Zöglinge ausgenommen und bei Handwerkern untergebracht hat. Die Thäti ׳keit der Israelitischen Allianz war im abgelaufenen Jahre auch durch Hilfeleistung für die rumänischen Flüchtlinge sehr in Anspruch genommen, von welchen die zur Arbeit tauglichen nach Amerika expedirt, die nnrauglichen mir entsprechenden Beträgen in ihre Heimat befördert wurden. Der Verein hat im Ganzen an Subventionen für Schulzwecke an 23 Gemeinden und Vereine 3954 fl., an literarischen Subventionen und Stipendien 2555 fl. und für Unterstützungen an hilfsbedürftige Passanten und Emigranten, für Erziehung, Verpflegung, Bekleidung hilfsbedürftiger I Kinder 2c. 23.440 fl. verausgabt. Die Mitgliederzahl betrug 2730. Die Versammlung genehmigte den Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1884 und wählte in den Vereinsvorstaud die ausscheidenden Herren Emanuel Baumgarten, Moriz Dub, Dr. Arthur Kuranda wieder, ferner an Stelle des erkrankten Dr. Leop. Kompert und des Herrn Max Theodor Schiff, welche eine Wiederwahl ablehnten, die Herren Julius Neitlinger und A. L. Löwy. Budapest. Fräulein Rosa Suschny, Tochter unseres Collegen Herrn Jacob Suschny aus Budapest, welche mit großem Erfolge am Hoftheater zu Caffel gaftirte, ist daselbst als Opernsängerin engagirt worden und tritt ihr Engagement am 1. September d. I. an. — Alle Cassel er Blatter sind voll des Lobes über ihren Gesang, über ihre Schule und über ihr temparamentvolles Spiel. Budapest. Der Vorstand der israelitischen Religions-Gemeinde in Szcgedin veröffentlicht im ,Pester Lloyd * folgende Erklärung : ,Gegenüber dem Standpunkte der Negierung und des Ausschusses, welchen dieselben bei der neuerlichen commiffionellen Verhandlung der Oberhaus-Vorlage eknnahmen, sowie gegenüber dem Artikel des ,Pester Lloyd*, erklärt hiemit der Vorstand der Szegediner israelitischen Religions-Gemeinde behufs Orientirung der Schwestergemeinden, dass der Zweck der Petition der Szegediner Gemeinde darin bestand, dass einerseits der Standpunkt der ungarisch-jüdischen Confessiou in diesem Frage als solcher, andererseits das Princip der Gleichberechtigung der Conseffion auf eine jeden Zweifel ausschließende Weise in der Gesetzgebung zum Ausdruck kcmme. Des Ferneren erklärt der Vorstand, dass das von der Krone Gnaden zu ernennende Oberhausmitglied׳ jüdischen Glaubens zu der Vertretung seiner Conseffion weder berufen noch berechtigt ist, und er hält damit die Frage der berechtigten confeffionellen Vertretung nicht für erledigt. Wenn wir somit nach den Prämissen ein unmittelbares praktisches Resultat kaum erwarten dürfen,, so hielten wir es doch für angezeigt, unsere Stimme zu erheben und die Schwestergemeinden zur gleichen Aeußernng aufzuforbern, damib wir wenigstens im Angesichte des Landes erklären, dass die ungarische Judenschaft die an der Conseffion auszuübei! beabsichtigte Nechtsverletzung tief empfindet und dieselbe nicht schweigend über sich ergehen lässt. Diejenige Gemeinde, welche so fühlt wie wir, wird sich unserer׳ Petition anschließen. Der Vorstand der Szegediner Religionsgemeinde.* — Der Ausschuss der Pester israelitischen Cultusgemeinde berieth,. unter dem Vorsitze Moritz Wahrmann's, die Zuschrift der Szegediner Gemeinde, in welcher dieselbe die übrigen Gemeinden ersucht, sich der Petition in Angelegenheit der Vertretung der jüdischen Conseffion im Oberhause anzuschließen. Der Ausschuss erklärte einhellig, diesem Verlaugen nicht Nachkommen zu können. Die Motivirnng betont, dassdie Szegediner Petition im heutigen Stadium der legislatorischen Berathung praktisch kaum zum Ziele führen würde. Da jedoch bei Berathung der Angelegenheit der Mangel einer Organisation der jüdischen Conseffion wieder zur Sprache kam, ergreift der Ausschuss die Gelegenheit und weist den Vorstand an, dass er zu geeigneter׳ Zeit an die Negierung eine Petition richte, des Inhaltes, dass die Organisation der jüdischen Conseffion auf Grund der aus dem 1868er Congresse unterbreiteten Vorschläge gesetzliche Sanction erlange und eingesührt werde. Krakau. Die Mutter der Rachel Stieglitz begibt sich demnächst nach Wien, um eine Audienz beim Kaiser zu erwirken, damit ihr eine- Zusammenkunft mit ihrer Tochter ermöglicht werbe, deren bisherige Aussage vor Gericht unter geistlicher Pression stattgesnnden habe. — Heinrich Morgenstern fyat von seinen Verwandten iu Deutschland Briefe erhalten, worin ihm dringend gerathen wurde, sich wegen seiner Tochter an den deutschen Kaiser zu wendeu. Berlin. Die ,Jüd. Pr.* bringt einige merkwürdige Enthüllungeu über die Affaire des nunmehr verhafteten Verfassers des I ,Judeuspiegel*, JnstuS - Briemann, die weitere Kreise interessiren dürfte: Vor mehr als Jahresfrist wurde nämlich in dem genannten Blatte sin Schreiben veröffentlicht, welches angeblich der Missions- Prediger Th. de le Noi, unter dessen Aegide Briemann znm Christenthum übergetreten war, nach dem Haag gerichtet hatte, um Erkundigungen nach Briemann einzuholen, ehe er denselben der Taufe theilhaft werden ließ. Dasselbe lautet, mit hebräischen Floskeln untermengt, die wir deutsch wiedergeben, und mit Beibehaltung der Styl-, Sprach- und orthograghischen Fehler folgendermaßen: ,Berlin 8/9. 1881. Unter dem Beistände Gottes. Geehrter. Herr von Gelder. Da wir die Ehre hatten den Herrn Rabbiner A. I. Birman zu könnenlehrnen, und der Selbe erzelte uns. daß er in Haag ungefähr zwei Jahre als Rabbiner oder Prediger fongirte, und wir hörten auch daß er wäre der größte Talmudift dem wir heute zu tage habn in Deutschland, Holland u. s. w. Da wir aber sich genauer darüber sich erkundigen möchten ob er richtig in Haag 2 Jahre alls Rabbiner fongirte und ob er auch richtig ein so bedeutender großer Talmudift sei, so erlaube ich mir, Sie zu fragen da mir der Herr Rabbiner sagte Sie waren sein treuer Freund in Haag, bitte Sie sehr umgehende antwort, da auch andere Rabbiner bei uns reflectirt haben, so mochten wir gleich entschieden. In der Hoffnung umgehende antwort

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