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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-30 · Heft 15 (30.4.1885) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 15 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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•acte an jenem Tage geboren wurden, als cs Jcbovah gefiel, unser gemeinsamer Vater zu sein, und als er ,im Anfänge schuf . . eine allgemeine Menschenfamilie, als er sein Ebenbild allen ׳Menschen aufprägte, ihnen eine einzige natürliche Religion gab, von welcher die einzelnen Culte emporwackseu wie die verschiedenen Zweige aus einer einzigen Wurzel? Waren vielleicht zwei oder mehr Schöpfungsacte des menschlichen Geschlechtes ,im Anfänge', gab es einen mehrfachen Adam? — Erkenne! dich selbst, lutberischer Theologe, erkenne auch den Juden; Zwillinge sind eure Seelen, liebt euch ibr Schwestcrseelen! Und die Fortdauer dieses schöpferischen Werde, das Werde der Vorsehung, ist es vielleichi doppelter Natur, gibr cs eines für die ׳Christen und eines für die Juden? Ich war, ich bin und werde immer ein Cbrist sein, aber auch dem edlen Gedanken jenes Hebräers, des Philosophen und Apostels Christi aubäugen, den wir Protestanten und Papisten verehren, des heiligen Paulus, welcher sicherlich nickt seine eigene Siammeszenoffen gemartert sehen wollte, wie ihr es wollt. Ich verlange im Namen des heiligen Paulus, der uns gelehrt hat, die Liebe des Friedens überallhin zu tragen und der cs gewagt hat, die Tugend größer zu nennen, als den religiösen Glauben, (Glaube, Hoffnung, Liebe. . . größer aber als sie ist die Liebe) und welcher bis zu dem Grade der Kühnheit des Geistes und Herzens gelangt ist, zu verkünden: ,Und Ware ick ein Prophet und balle der Liebe nicht, so wäre ich nichts.״ (I. Ep. ad. Corinth.) Der heilige Paulus, das edelste Vorbild des guten, gelehrten, weisen und glühenden Christen kannte keine Grenze für die Liebe. Und weßhalb soll ich von diesem Reiche der Liebe, das keine Grenzen bat, die Juden ausschließen, die Blutsverwandten des Apostels der Liebe, und ein Künstler des Hasses für sie eine Abschließung suchen? Für sie, unter denen es tausende von Seelen gibt, die edler sind als die meiuige, - wenn es wahr ist, dass die Schönheit der Seele sich nicht auf einen Namen und auch nicht auf den Namen eines -Christen gründet, wenn es wahr ist, daß das Leben des Geistes von guten Thaten, wie das Grab des Leichnams von dem leeren der Werkthätizkeit entblößten Glauben sich herschreibt? Weßhalb soll ich den Theologen anhören, welcher gegen die Juden predigt, obgleich sie von meinem Gotte das uueutreißbare Recht empfangen haben, von mir zärtlich geliebt zu werden, geliebt von miir, wie ich mich selbst liebe. Und warum soll ich der iudustriellen Geschicklichkeit, der commerzielleu Findigkeit, dem Unternehmuugsgeist, welche ich bei einem Christen Tugenden nennen würde, bei den Juden den Namen eines Lasters geben? Und warum soll ich der Eintracht, diesem Baud der Brüderlichkeit, .die auch dem Schwachen Stärke verleiht, den Namen der heiligen Solidarität geben, wenn ich sie unter Christen, den des nichtswürdigen Lasters, wem: ich sie unter Juden finde? Und weßhalb soll ich die Fehler einiger Juden unbilliger Weise dem Judenthum zur Last schreiben, während ich nicht daran denke, dass die Fehler einiger Christen ehrlicher Weise dem ganzen christlichen Stamme aufgebürdet werden könnten? — Sie ehren die modernen Griechen — Sie haben cs selbst gesagt — weil Sie in ihren -antiken Tempeln eine ruhmreiche Geschichte haben, die der Menschheit nützlich gewesen ist, und ich sollte die Juden nicht Lhrcu, welche in ihrer ruhmvollen alten Geschichte, die der Menschheit nicht minder zum Nutzen gereicht, keinem Volke der -Erde weichen? Wenn ein Mensch nur etwas Adel besitzt, so wird er sich auf die Seite des Schwachen, unbillig von den Mächtigen Unterdrückten, stellen. Und soll ich so nnedel sein, anich auf Euere Seite, Ihr Mächtigen, gegen die Juden zu stellen, .gegen die Schwachen, welche von Euch, meine christlichen Brüder, eine so unbillige Verfolgung erdulden, eine Verfolgung, wie sie die Christen nickt ertragen wollten von den Juden, wenn sie mächtig wären, und wie sie sie wirklich nicht ertragen von den Chinesen, Japanesen, Arabern und Türken, indem sie, um sie abzuwenden, die Schiffe Englands und die Soldaten Frankreichs herbeirufen? Lehrer des Evangeliums, hören Sie noch ein letztes Wort. Ich bin nur ein Atom auf dem Antlitz der Erde, allen unbekannt, die nur eine Spanne weil von meinen Füßen weilen, aber jedes Atom hat seine Bestimmung und ich würde mich glücklich fühlen, wenn in meiner Bestimmung das Glück gelegen wäre, ein erfolgreiches Wort zu Gunsten der Söhne Israels zu sagen, sowie gegen die unchristliche Fahne, die Sie im Namen des Christenthums entfaltet baben. Und wenn diese oder andere Worte von mir Einlritc finden könnten in manche jüdische Familie und doch Trost gewähren einer trauernden Mutter, einem geangstizten Greise, erschreckten Kindern, dass avährend die Christen auf sie eine unbarmherzige Jagd machen, es doch manchen Christen gibt, welcher brennt, die Juden mit offenem Antlitz zu vertheidigen, so würde das Atom, welches diese Zeilen schreibt, Gott danken, wie für eine ihm erwiesene, ersehnte Wohlthat.* Und mit diesen Gedanken meines ersten und frischen Mannesalters, rvelche ich beute, da mein Leben sich abwärts senkt, in all ihrer Lebhaftigkeit, Wabrheit und Bedeutung wieder empfinde, zeichne ich mit bochachtungsvoller Sympathie für Sie, geehrter Herr Rabbiner, Ihr ergebener Diener• Professor Sebastiano Scaramuzzi. Vereinsnachrichten. Bei der am 29. d. M. stattgefundeneu Vorstandssitzung wllrde das Referat des Comitss, welches die Vorarbeiten betreffs der Anstrebung der stattlichen Anerkennung der Cantoren beendigt hatte, zur Verlesung gebracht und die einzelnen Punkte desselben, durchberatheu. Vorläufig sind wir noch nicht in der Lage, die näheren Details der Berathungen zu veröffentlichen, hoffen jedoch in kurzer Zeit unseren Vereinsmitgliedern hierüber Mittheilung machen zu können. Aer Sorstarrd des öfterr.-ung. Cantoren-Vereines. Emgesendet. Löbliche Nedaction! Mit Gegenwärtigem ersuche ich höfischst, nachfolgende Frage in Ihrem sehr geschätzten und weitverbreiteten Blatte aufzu« nehmen und die öffentliche Discussion derselben zu veranlassen. Da diese Frage den jüdischen Gottesdienst betrifft, so wäre es im allgemeinen Jntereffe erwünscht, wenn die hiezn berufenen Autoritäten hierüber ibre Ansicht aussprächen. Beim חולש '^N-Benschen heißt es in den Gebetbüchern הבאים und הבא• weshalb viele Herren Cantoren der Ansicht sind, dass sie. wenn zwei Tage ראש תדש sind, הבאים sagen müssen. Meines Erachtens ist der Ausdruck הבאים falsch, da sich das Wort nicht auf den Tag (resp. zwei Tage), sondern auf den immer in der Einzahl stehenden Monat bezieht, und darum soll man in jedem Falle הבא sagen. Der Wunsch, der ganze Monat möge uns zum Guten kommen, ist auch viel logischer, als wenn dies sich nur auf ein oder zwei Tage bezöge.

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