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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-30 · Heft 15 (30.4.1885) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 15 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— ׳7׳ entgegnet zu sehen so schließe mit Wunsch von (folgt der zu Neujahr übliche Wunsch hebräisch) Th. de le Noi, Gabai des Talmudvereines in Berlin, meine Adresse Th. de le Roi Berlin W. Lützowstraße 113'. Da Herr de le Noi christlicher Missionsprediger ist, jo fiel eS dem genannten Blatte ans, dass er fich als Vorsteher eines Talmudvereines in diesem Briese ausgab und als solcher Auskünfte über Briemann zu dem angeblichen Zwecke, ihn anstellen zu wollen, verlangre, und zwar in einer Form, welche durch ihr Gemauschel seinen Stand erweisen sollte. Das Blatt sprach sich sehr scharf über ein solches Gebahren aus, erhielt aber von Herrn de le Noi keine Anrwort. Anläßlich der ׳Verhaftung BriemannS kam es jedoch nochmals aus die Sache zurück und erhielt nun vom Missionsprediger Herrn de le Noi ein Schreiben, aus welchem folgender Passus hervorgehoben wird: ,Als ich Herrn Briemann in unserem Glauben unterrichtete wandte ich mich, um Auskunft über seine Persönlichkeit zu erlangen, zweimal nach dem Haag; doch konnte ich nichts über ihn erfahren. Das machte mich bedenklich. Da schrieb Herr Briemann ohne mein Norwissen an einen .Rabbiner fälschlicherweise unter meinem Namen mit der Bitte um ein Urtheil über ihn, indem er den Herrn Rabbiner glauben machte, ich sei ein jüdischer Geistlicher. Der Herr antwortete arglos — mir war das aber so ärgerlich, dass ich an der Möglichkeit, Herrn Briemann in unsere Kirche auszunehmen, verzweifelte. Indessen sah er nach meinen ernstlichen Bemühungen, ihn eines Bessern zu belehren, seine Verfehlung ein und gab er uns überhaupt thatsächliche Beweise, dass es ihm vor Allem daran lag, ein Eigenthum unseres Erlöser» zu werden und er-Ehre und Geld dem gegenüber nichts achtete! Auf meine erneute Anfrage nun, und zwar an das Rabbinat in Haag, erhielt ich eine Antwort, die mich befriedigte, zumal ich Briemann's Absicht, Christ zu werden, nicht verschwiegen hatre. Hätte die geehrte Redaction dies mein Schreiben ihren Lesern vorgelegt, dann hätten dieselben nicht erst ein falsches Urtheil über mich bekommen. Nach seiner Taufe stiegen in Herrn Briemann Gedanken ans, uns in die Geheimniße der jüdischen Literatur einzuführen; da wir aber merkten, dass dies seiner Seele schädlich sein würde, ließen wir lieber sein Wissen brach liegen, und hielten wir ihn, solange er fick in unserer Leitung befand, vor Einmischung in die Judenfrage ab.' Infolge dieser Darstellung und obgleich sich selbst aus dieser ergeben hatte, dass Herr de le Noi den Empfänger de», wie er sagt, gefälschten Briefes nicht von der Fälschung in Kenntnis gesetzt hatte, wandte sich die Redaetion des Blattes an den Oberrabbiner Bernstein in Haag nm Auskunft und erhielt folgenden Bescheid: 1. ,Es ist nicht wahr, Lass Herr de le Noi mir jemals geschrieben, und er hat also auch keinerlei Mittheiluug von mir erhalten. 2. Herr L. von Geldern erhielt allerdings eine Anfrage über Briemann, und zwar einen Brief von de le Noi, worin derselbe sich als Vorsteher des Talmudvereines gerirt. Herr von Geldern antwortete an die Adresie des de le Roi, dass Briemann viele Mitglieder der hiesigen Gemeinde belogen und betrogen und seine Frau und Kinder in bedrängter Lage in seiner Heimat znrückgelassen habe. Später erkundigte sich noch ein gewisser Esser, ebenfalls ein Missionär, bei Herrn von Geldern, welcher dieselbe Auskunft erhielt; 3. erkläre ich, dass durchaus keine Correspondenz mit mir in dieser Angelegenheit stattgefunden hat.' Das genannte Blatt fährt in der Auseinandersetzung der Angelegenheit fort: ,Was ergibt sich nun aus diesen recht erbaulichen Thatsachen? 1. Herr Pastor de le Roi hat jenen Menschen getauft, obgleich er durch Herrn von Geldern in Haag erfahren hatte, dass derselbe ein Lügner und Betrüger ist, und Weib und Kinder in Elend zurückgelassen hat. 2. Obgleich es Herrn de le Roi ,ärgerlich gewesen war, dass Briemann unter Vorspiegelung falscher Thatsachen, eine Auskunft eingefordert hatte, hielt sich Herr de le Roi nicht für verpflichtet, diesen frechen Betrug auszuklären. Vielmehr ließ Herr de le Roi diesem Subject, dessen Charakter er durch Briefe und eigene Erfahrungen kennen gelernt hatte, im Friedensboten dem officiellen Organ der Berliner ,Juden- Missionsgesellschaft' in der Julknummer des Jahres 1832 (also mehrere Monate nachdem er das Schreiben von Geldern's erhalten hatte) folgendes Ehrenreugniß ausftellen: ״Unter ihnen befand sich auch ein jnnger Rabbiner (nämlich Briemann), der rastlos in talmudischen Schriften nach lebendigem Wasser für seine durstende Seele geforscht hatte, und sich, als er nur Oede und Dürre fand, znm alten Testamente und darnach zum neuen Testamente wandte, um hier durch frommen Christeu-Zufvruch den zu erkennen, der von dem Brunnen des lebendigem Wassers umsonst gibt. Die hiesigen Juden boten ihm eine reiche Heirat und auskömmlichen Gehalt an, andernfalls bedrohten sie ihn mit dem Tode, wie sie auch seine Schritte zu uns beobachteten, und auswärtige jüdische Geldfürsten versuchten es mit dem, was sie zu geben vermögen. Doch das vermochte ihn nicht zu reizen, da er nur eines begehrte: Versöhnung mit Gott. Am Tage seiner Taufe fastete er, wie er als Jude am Versöhnungstage gethan, bis zum Empfang des heiligen Saeramenres, das ihm in einem Abeudgottesdienste zu Theil ward, und darnach erst nahm er im Dank gegen den Herrn, als er sein Leben auch für ihn zum Schuldopfer gegeben, fröhlich Speise zu sich. Durch Gottes unaussprechliche Treue und Freundlichkeit ist er durch alle nachfolgenden Anfechtungen hindurch im Glauben bewahrt worden und wird er nun von Christen, die in Willigkeit zu allem Guten gesegnet sind, zum Abiturienten- Examen vorbereitet. 4. ״Herr Pastor de le Noi behauptet, dass er vor der Taufe Briemanns an das Rabbinat in Haag geschrieben und sine befriedigende Antwort erhalten habe — das Rabbinat in Haag erklärt, dass Herr de le Roi ihm nicht geschrieben und er keine Antwort von ihm erhalten hat!5 ״. ,,Und derselbe Herr de le Roi hat es gewagt, auf dem Anrisemitencongreß in Dresden und in einem Berliner Geistlichen-Convent sich das Amt eines Sittenrichters über Juden und Judenthum anznmaßen und Schulter an Schulter mit Herrn Stöcker wüsteste Judenhetze zu treiben!" Correspondenz der Nedaetion. Bin Od. Bestätigen dankend 6 Rubl. Wir erwarten die Nachricht über unsere 'Nachfrage. Gruß. Bl. in Szered, Wollen Sie sich an Cantor Grnnwald in Martinsberg, Ungarn wenden. P. in Eg. Wollen Sie jedenfalls noch gedulden, da viele ähnliche Zuschriften eiugelaufen sind. Gruß. W. in Sim. Die Bestätigung ist unserseits bereits geschehen. Die Redaction. Zahlungen der Abonnements- und Jnsertionsbeträge sind an die Nedaetion Wien, II., Novaragaffe Nr. 2; zu senden. Am 1. August 1. J. soll bei der Ofner israel. Religionsgemeinde die mit 1000 fl. jährlichem Gehalt, freier Wohnung und üblichen Nebeneinkünften dotirte Obercantorsstelle besetzt werden. Reflectirende wollen ihre Offerte mit authentischem Nachweis über Befähigung, Alter, Familienstand und bisherige Verwendung um so gewisser bis 31. Mai I. J. anher einsenden, als später einlangende, oder nicht gehörig instruirte Gesuche nicht berücksichtigt werden. Die Abhaltung von Probevorti'ägen ist nur den hiezu Berufenen gestattet. Reisespesen können nicht beansprucht werden. Dem Gewählten werden die Uebersiedluugskosten vergütet. Budapest, 21. April 1885. Der Vorstand der Ofner isr. Beligionsgemeinde.

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