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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-30 · Heft 15 (30.4.1885) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 15 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— — Kunderts feierte in diesen Kabinetstücken ihre schönsten Triumphe. Neben ihnen kommt das Clavier jener Zeiten als Kunstwerk nur mäßig in Betracht. Das Clavier nimmt in seiner frühesten Gestalt als Clavizimbel, Spinett oder wie es sonst in verschiedenen Ländern mit einzelnen Abweichungen -im Bau verschieden benannt wurde, eine mittlere Stellung ein. Es wird zwar beim Spielen nicht im Arm getragen und brauchte daher in seinem Gewicht nicht allzu -beschränkt zu sein, es ist aber bis tief in das siebzehnte Jahrhundert hinein kein feststehendes, sondern ein bewegliches Jnstrument von sehr viel geringerer Ausdehnung als das jetzige Clavier, aind hat daher nicht nur andere Abmessungen, sondern dem entsprechend auch andere Bedingungen der Ausschmückung. Von Spinetten, die hinler das sechzehnte Jahrhundert zurückreichen, ist mir nichts bekannt. Die musikgeschichtlichen Tragen, wie weit die Spinette mit mittelalterlichen Hackbrettartigen Schlaginstrumenten verwandt sind, selbst wie sie sich technisch von den späteren Pianoiortes unterscheiden, kommt für Die Frage der künstlerischen Ausstattung nicht in Betracht. (Fortsetzung folgt.) Ein Vertheidigrr des Iudenthums. Professor Scaramuzzi. ein hervorragender christlicher Gelehrter Italiens, verösfeuilichl unter dem Ti!el ,xro kratridus Judaeis — für meine jüdischen Brüder* ein Sendschreiben an Den Nedacleur des ״Vessillo israelitico“ Nabbincr Servi, welches mir als besonderes Zeugnis außerordentlicher Toleranz und avahrer Menschenliebe unseren Lesern mittheilen wollen: ,Geehrter Herr! Ich boffte, dass von einer Schwäche meiner Augen, von der -ich heimgesnchl bin, da ich dieselben zu sehr angestrengt hatte, .rnir einige Erleichrerung zu Theil werden würde. Sobald ich Diese crlangr bär!e, hätte ich an Sie ein etwas ausführlicheres Schreiben zur Veröffentlichung im ״Vesillo israelitico“ gerichtet, über die allgemeine religiöse Barmherzigkeit, welche zwar die süßeste, aber die vielleicht am wenigsten empfundene Pflicht der Menschlichkeit und Neligion ist. Da aber mein Uebel andancrt, -so dass ich jede andauernde Beschäftigung vermeiden muß, muß ich aus das große Vergnügen verzichten, über dieses Thema zu .schreiben, und zwar an einen Mann, welchen ich schätzte, so wie ich ihn als ausgezeichneten Schriftsteller und vortrefflichen Volkskehrer in dem von Giulio Nazzari herausgegebenen ״ksriodioo ^0rin686" kennen lernte und welchen ich schon vor 20 Jahren rühmend erwähnte, indem ich in meinem Lobe den jüdischen .Rabbiner und den katholischen Prälaten vereinigte. Ich wußte micht, dass Sie, der Sie so weil von mir weilten, ein Diener Der Neligion Mosis sind; aber hätte ich es gewußt, jenes mein Lob wäre geblieben, wie es ist, denn ich bin der Ueberzeugung. Dass Blumen, die aus zwei Treibhäusern ausgewählt, aus zwei Gärten gepflückt sind, sich zusammenfinden können in einem schönen Kranze, der Ueberzeugung, dass zwei schöne Seelen ein einziges Bild ansmachen können mit dem Wohlgefallen des gerechten Gottes und der Beistimmnug meiner Glaubensgenossen der Anhänger Christi, welcher gesagt hat: .Seid vollkommen wie -Euer himmlischer Vater*. Wenn ich mir jetzt das Vergnügen, große philosophische Schriften zu lesen, versagen muß, so bewahre ich im Herzen die -Hoffnung, dass ich dies in der Zukunft mir werde einbringen .können, aber unterdessen will ich nicht zögern, dem ausgezeichneten Oberrabbiner von Casale Monferrato zu danken für die freundlichen Worte, welche er an mich im ״Vessillo“ vom letzten Februar gerichtet hat. Zum Danke aber will ich vier Dinge erwähnen. Das erste ist, dass ich in der factischen Verschiedenheit der positiven Religionen einen provkdentrellen Act von psychologischer und historischer Folge erblicke, mit dem katholischen Bischof und Philosophen Fenelon darin den Willen Gottes sehe und mit Schiller darin erkenne, dass ,hoch über der Zeit und dem Räume webt lebendig der höchste Gedanke*, und dass ich diesen Willen und diesen Gedanken in jeglichem respectirt sehen will und besonders in dir, edles Geschlecht der Väter" meiner christlichen Neligion! Das zweite ist, dass ich das Volk Israel schon in meiner Schulzeit vertheidigt habe, indem ich als Schüler des LyceumS einige Verse gegen einen protestantischen Pastor schrieb, welcher den Juden feindlich und grausam gesinnt war, und von mir als christlicher Tiger bezeichnet wurde. Das dritte ist, dass ich im Jahre 1865 einige judenfreundliche Gedichte verfasste, die unedirt geblieben sind. Das vierte ist. dass ich auf diesem Wege unter dem Beifalle der Einen und dem giftigen Zorne der Anderen, weiter wandelte immer aus Liebe zu meinen nicht christlichen Brüdern, die so vielmal besser sind als ich und auch aus Liebe zu jenem Gott der Liebe, der, wie ich meine, von einem gelehrten und hartnäckig fanatischen Diener des Lutherthums geschmäht wurde. Diesem Priester schrieb ich (es mögen seitdem einige Lustra vorübergegangen sein) folgendermaßen: .Sie, gelehrter Theologe, geben mir einen Beweis, dass zuweilen die Theologie die gefährlichste Feindin der Religion ist. Mil Unrecht klagen Sie — vom theologischen Standpunkte — Gott an, dass er das antijüdische Evangelium wolle, die Unterdrückung der Hebräer seitens der Christen. Sie, , Haman der Gegenwart, streben unaufhörlich, und zu welchem Ziele? Unbarmherzig zu sein gegen die Juden, um die Christen zu bereichern. Der Theologe sollte menschlich sein gegen die Hebräer, welche ungeachtet ihrer Thäiigkeit, ihres Schweißes, ihrer Mäßigkeit, ihrer Geschicklichkeit, die jedes Preises wcrth wäre, oft keinen anderen Lohn empfingen, als ein Stück trockenen Brodes inmitten müßiger und reicher Christen. Ja, ich weiß es wohl, -dass Sie — Zeuge sind Sie ja selbst —• ,die Judenverfolgung nur predigen aus heiliger Entrüstung gegen die großen Fehler dieses verderbten Geschlechtes*. Aber einige Herren Pastoren (so tückisch sind sie) würden dem Juden alle seine schweren Laster, welche sie schwören bei ihm zu finden, verzeihen, wenn er gegen die Ueberzeugung seines Gewissens und daher gegen den Willen Gottes das protestantische Chriftenthum annehmen würde. Geschicht dies, so werden die großen Fehler des Juden nach sicheren Regeln der theologischen Wissenschaft zu unmerklichen Flecken des protestantischen Christen und alles wird vergeben dem bekehrten — Heuchler. Aber scheint es Ihnen, mein Herr, dass dies Verlaugen nach Uebertritt zur Kirche ohne Ueberzeugung würdig ist christlicher Theologen, die die Enkel eines Luther, Calvin und Zwingli sind, welche von Päpsten und Kaisern für alle ungestrafte Freiheit zu glauben oder, nicht zu glauben, in der einen oder in der anderen Weise zu glauben, verlangten? Mir scheint es, dass jedem dieser Theologen die christliche Weisheit den Satz Platons zurufen könnte: »Und wirft du sagen, dass du, indem du dies thust, gerecht handelst, du der du in Wahrheit um die Jugend besorgt bist?״ ״Christlicher als solche Theologen scheint mirder Laie, welcher lehrt: Christen und Juden lieben wir uns und achten wir uns gleich, wie gute Brüder. Wir sind Geschöpfe des einen ״Werdest, wir sind in einer einzigen göttlichen Wiege gesäugt worden. Ist es vielleicht nicht wahr, daß wir in einem Schöpfungs-

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