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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1885-04-30 · Heft 15 (30.4.1885) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
5 (1885)
Issue
Heft 15 (30.4.1885)
Date
1885-04-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 — Der kimstlerilche Schmuck des Claviers. Ein Beitrag zur Geschichte des Claviers *). II. Das Clavier soll nicht eingeordnet werden in das übrige Mobiliar, es soll seinen Charakter als etwas Besonderes behalten, es soll das Festliche, Phantastische seines Wesens zur Geltung bringen, es soll — schon aus akustischen Gründen — sich im-Gehäuse fern halten von allen wuchtigen architectonischen Gliederungen; cS wird daher nicht dem Tischler zusallen, das Gehäuse in seinen Formcnbann zu ziehen, es wird vielmehr Aufgabe des Malers sein, die eigenthümlich gebildeten Flächen mit mannigfaltigem Schmuck zu beleben. Wenn wir eine Umschau halten in früheren Zeiten der Kunst, jo werden wir bald genug gewahren, dass dies auch wirklich der Weg gewesen, auf dem sich die Berzierungslust im Instrumentenbau bewegt hat. Der künstlerische Schmuck der Musikinstrumente ist sicherlich so alt als der Znstrumentenbau überhaupt. Es liegt durchaus im Sinne aller Kunstübung, vornehmlich diejenigen Stücke zu schmücken, die zur Freude geschaffen werden und die noch überdiesder stehende Begleiter und das Wahrzeichen des ausübenden Mannes sind. Es gibt kaum etwas Mannigfaltigeres in Form und Ausstattung als die musikalischen Instrumente der Orientalen und der halbbarbarischen Völker. Vielen der letzteren erscheinen die Instrumente wie belebte Wesen, welche eigenthümliche Töne auSzustoßen geneigt sind und welche daher mit grotesken Hälsen und Köpfen gar wunderlich versehen werden. Aber auch den Cnlturvölkern Europa's ist diese Lust am Schmuck zu allen Zeiten eigen gewesen, und ähnlich wie sich in einer Waffensammlung alle decorativen Künste der verschiedenen Perioden vertreten sinden, so bilden auch die neuerdings in verschiedenen Museen entstandenen Abtheilungen für musikalische Instrumente eine Art Kunstsammlung für sich, in der man genau verfolgen kann, wie jede Epoche zu verzieren gewohnt war. Allen voran steht die Lyra der griechischen Kunst, die in den Händen Apollos zum lebendigen, bis heute allgemeingiltigen Wahrzeichen von Musik und Gesang geworden ist. Aus einem der Köuigsgräber in Kertsch sind uns Theile einer solchen Lyra erhallen, welche in eingelegter Arbeit Apollo auf seinem Viergespann zeigen; auch Theile der Lyra in zierlicher Elfenbeinschnitzerei sind auf uns gekommen. Bei den Instrumenten, welche in der Hand gehalten werden, welche daher möglichst leicht sein müssen und den Griffen der Finger keinerlei Unebenheit entgegensetzen dürfen, die noch außerdem technisch auf ganz bestimmte Linienführung angewiesen sind, bleibt für die schmückende Kunst sehr wenig Raum. An der Violine konnte nur eben die Schnecke mir einem zierlichen Köpfchen versehen werden, einer Bemalung des Kastens steht schon der Gebrauch des Colofoniums entgegen; wo Malerei vorkommt, wie bei der bekannten Delfter Violine von Fayence, handelt es sich nur um Spielereien. Ebenso, unnahbar ist die Flöte und die Posaune. Aber auch für die letztere fand man einen Schmuck; bei festlichen Gelegenheiten wurde an ihr ein hängendes Tuch befestigt, welches das Wappen der hochzeitenden Familie oder sonstige Embleme enthielt. Schon geschmeidiger erweist sich die Nachfolgerin der antiken Lyra, die Zither und Laute, die im Arme des verliebten Sängers oder des schönen Mädchens auf rojenumlaubtem Altane ruht. Hier ziehen sich eingelegte Streifen zierlich gravirten Elfenbeins über die rund- *) Obiger Aufsatz ist auszugsweise einem diesbezüglichen Aufsatze in dem Jännerheste der Westermann'schcn Monatsschrift entnommen. liebe Fläche, die Schallöffnung ist mit fein durchbrochener Scheibe bedeckt, und auf dem glatten Resonanzboden von Hellem unpolirtem Holz zieht nicht selten der Pinsel des Malers ein Netz von Blüthen- und Rankenwerk phantastischer Erfindung. Noch allgemeiner ist der Schmuck bei der Harfe, welche sich in einfachen Formen hielt, solange sie noch im Arm getragen und! daher möglichst wenig beschwert werden durfte. Sobald man aber zur stebenden Harfe überging und die Rücksicht auf das Gewicht fortfiel, wurde sowohl das Pedal als auch der Hauptbalken auf das reichste mit Scknitzwerk und Vergoldung ausgestattet; besonders aus der Zeit LouiS XVI., in welcher das Harfenspiel am französischen Hofe wieder einmal Mode wurde, existiren viele höchst reizvoll au.sgestattele Slücke, von den übrigens jedes einzelne als Harfe der Marie Antoinette ausgegeben zu werden pflegt. Zur höchsten Pracht steigert sich dann der künstlerische Schmuck bei demjenigen Instrument, welches fest in eine monumentale Umgebung eingefügt wird: bei der Orgel. Wir haben vom fünfzehnten Zabrhnnderl an eine Fülle der herrlichsten Beispiele, wie stattlich diese Königin der Instrumente ausgestattet zu werden pflegte; Meister ersten Ranges wetteiferten, das architectonische Nabmenwerk zu entwerfen, die Holzschnitzereien auszuführen und die Flügeltdüren, welche in alter Zeit vielfach den Verschluß bildeten, zu bemalen. Die Kirche zu Basel darf sich einer Orgel von der Hand Hans Holbeins rühmen; die Orgel des Baldassare Perruzzi in Siena ist eines der schönsten Werke, welches uns die Decoralion der Renaissance binterlassen hat; zu der Orgel selvst gesellt sich dann der künstlerische Abschluss der Schranken, für welche im Dom zu Florenz Ghiberti die herrlichsten Gebilde schuf. Fast noch reicher ist im Verhältnis zu der übrigen Kirchenausstatrung die Orgel im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert. Proteiiautische Kirchen, für die das Kirchenlied einen wichtigen Mittelpunkt des Gottesdienstes bildet, besitzen nicht selten in einer sonst schlichten Umgebung die Prachtvollsten Aufbauten colossaler Orgelwerke, auf deren Ausstattnng alles verwendet ist, was die decorative Kunst der Zeit nur zu leisten vermag, und die Holzschnitzerei, welche nicht mehr wie früher die Altäre mit einer Schaar von Heiligen bevölkern darf, entschädigt sich an den Orgeln mit ganzen Wolken von musizierenden Engeln mit Pauken, Becken und Posaunen. Die colossalen blanken Pieifenrodre sind häufig nur eine Vorgesetzte Decoration, lediglich dazu bestimmt, das Bild des verehrten Instrumentes in das Monumentale zu steigern. Dasselbe Bestreben, das Instrument mit dem höchstmöglichen Glanze zu umgeben, wallet aber auch bei den bescheideneren Geschwistern der Kirchenorgel: bei den Hansorgeln, welche in ihrer Bestimmung dem heutigen Harmonium entsprechen. Die Construction derselben ist sehr einfach. Sie bestehen zumeist aus einem Kasten, der kaum so groß ist wie der Aufsatz eines Pianino. Ein solcher Kasten hatte keinen besonderen Sockel, sondern wurde, wo man ihn brauchte, auf den Tisch gestellt. Innen lag das Pfeifenwerk, nach außen durch metallene Röhren maskirt, vorn eine kurze Claviatur, der Blasebalg war ein Instrument für sich, das an die Windöffnung angesetzt und von einem Gehilfen, solange das Spiel dauerte, mit der Hand bedient wurde. Di^ Gehäuse solcher Orgeln erscheinen regelmäßig im reichsten Schmuck und haben für die oben erwähnte Ausstattung unserer Pianinos nicht selten als Vorbilder gedient. Auch hier wetteifern Schnitzerei und Bemalung, denn viele wurden durch Thüren verschlossen, deren beide Seiten mau mit Bildern schmückte. Das Dach, welches gewöhnlich das Pfeifenwerk abschloß, war durchbrochen und mit 1 Seide unterlegt. Die Verzierungskunst des sechzehnten Jahr-

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